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Deutschland besiegt Südafrika : DFB-Frauen schießen sich warm fürs WM-Achtelfinale

Die deutschen Fußballfrauen hatten ihren Spaß gegen Südafrika. Bild: AFP

Nach zwei 1:0-Erfolgen zeigen die DFB-Frauen bei ihrem letzten Vorrundenspiel der WM, dass sie auch viele Tore erzielen können. Nach dem klaren Sieg über Außenseiter Südafrika ziehen die Deutschen als Gruppenerste in die K.o.-Runde ein.

          In den meisten Statistiken zur Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften der Frauen führen die Vereinigten Staaten vor Deutschland: So haben die Rekordweltmeisterinnen bei gleich vielen Turnierteilnahmen wie Deutschland beispielsweise die meisten Tore erzielt (126) und vor wenigen Tagen haben sie durch das 13:0 gegen Thailand auch den Rekord für höchsten Sieg der WM-Geschichte der DFB-Auswahl entrissen. Aber in einer Statistik müssen die rekordhungrigen Amerikanerinnen den Deutschen den Vortritt lassen: Insgesamt haben Stand Montagabend 35 deutsche Fußballerinnen bei Weltmeisterschaften getroffen und somit drei mehr als für die amerikanische Auswahl. Zu dieser Vielfalt an Torschützinnen passte auch der 4:0-Sieg gegen Südafrika zum Abschluss der WM-Vorrunde, bei dem vier deutsche Spielerinnen die Treffer unter sich aufteilten.

          Frauenfussball-WM 2019

          Melanie Leupolz eröffnete vor 15.500 Zuschauern im Stade de la Mosson in Montpellier den Torreigen mit einem Kopfball nach einem Eckball von Sara Däbritz (14.). Däbritz staubte dann nach einem haarsträubenden Fehler der südafrikanischen Torfrau Andile Dlamini aus acht Metern ab. Noch vor der Pause erhöhte Alexandra Popp mit einem wuchtigen Kopfball nach Flanke von Svenja Huth (40.). Den Schlusspunkt setzte Lina Magull mit einem Abstauber, nachdem Dlamini einen Flugkopfball von Marina Hegering noch an den Pfosten lenken konnte (58.). Magull ist damit die 35. deutsche Fußballspielerin, die bei einer WM ein Tor erzielte. „Wir haben neun Punkte, mehr geht nicht. Wir haben schöne Tore geschossen“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

          Somit endete der Ausflug des deutschen Teams ans Mittelmeer, wo das Team abermals auf die verletzte Spielmacherin Dzsenifer Marozsan verzichten musste, mit dem gewünschten Erfolg: Die deutsche Auswahl hat durch den dritten Sieg im dritten Spiel souverän den Spitzenplatz in ihrer Gruppe errungen und geht somit, nachdem die Qualifikation für das Achtelfinale schon zuvor gesichert war, vorerst den am meisten gefürchteten Konkurrentinnen aus dem Weg. Als Gruppenzweiter hätte ein Achtelfinale gegen die Vereinigten Staaten gedroht. Stattdessen trifft Deutschland am Samstag in Grenoble (17:30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM, im ZDF und bei DAZN) auf einen der vier besten Gruppendritten, die erst am Donnerstag nach Abschluss aller Vorrundenspiele feststehen. In Frage kommen beispielsweise Schottland, Argentinien oder Nigeria.

          Aus der deutschen Vorrundengruppe B sind zudem auch der Gruppenzweite Spanien und als Dritter auch China nach dem torlosen Unentschieden im direkten Duell qualifiziert. Die Asiatinnen haben vier Punkte auf dem Konto, wodurch China sicher zu den vier besten Gruppendritten zählen wird.

          Südafrika war wie erwartet ein kämpferisch beherzter, aber spielerisch deutlich unterlegener Gegner. Vor allem aber leistete sich die „Banyana Banyana“, wie das Team in der Heimat genannt wird, zu viele grobe Fehler. Beim 1:0 verlor die Abwehr nach einem Eckball Melanie Leupolz derart fahrlässig aus den Augen, dass die deutsche Mittelfeldspielerin unbedrängt aus fünf Metern einköpfen konnte. Beim 2:0 bekam Schlussfrau Dlamini eine harmlose Hereingabe nicht unter Kontrolle, sodass sie den Ball Däbritz vor die Füße rollen ließ. Die in der neuen Spielzeit für Paris Saint-Germain spielende Mittelfeldspielerin nahm die Einladung dankend an und schob den Ball ins verwaiste Tor.

          Popp sorgte dann bereits vor der Pause endgültig für klare Verhältnisse. „Grundsätzlich war wichtig, dass wir den Ball haben laufen lassen und es nicht ein Hoch und Weit wurde wie in den ersten Spielen. Mein Tor tut mir als Stürmerin gut“, sagte die deutsche Spielführerin. „Es ist gut, dass wir als Gruppensieger durchgegangen sind.“

          Die deutschen Fußballerinnen zeigten sich gegen einen allerdings auch deutlich passiveren Gegner ballsicherer als zuletzt bei den 1:0-Siegen gegen China und Spanien, die erhofften spielerischen Glanzlichter blieben allerdings Mangelware trotz einer sehr offensiv ausgerichteten Startformation. Lina Magull und Klara Bühl standen erstmals in der Startelf, dafür schonte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die erst 17 Jahre alte Lena Oberdorf auch wegen der Vorbelastung durch eine Gelbe Karte. „Wir haben es manchmal immer noch etwas zu kompliziert gemacht. Aber ich hoffe, dass die neun Punkte uns Sicherheit geben“, sagte Bundestrainerin Voss-Tecklenburg.

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          Torhüterin Almuth Schult musste trotz der drückenden Überlegenheit ihres Teams zweimal ihr Können zeigen: Zunächst wurde sie ungewollt von Abwehrchefin Marina Hegering geprüft, die ins Straucheln geraten war und Schult mit einem strammen Rückpass prüfte. In Halbzeit zwei tauchte dann plötzlich Thembi Kgatlana frei vor der Schlussfrau auf. Wie so oft schon in diesem Turnier zeigte Schult ihre Klasse in Eins-gegen-eins-Situationen: Sie stürzte der Südafrikanerin entgegen, verkürzte den Winkel und wehrte mit den Fäusten ab (74.). So beendete Deutschland die Vorrunde ohne Gegentor. Bis zum Achtelfinale am Samstag bliebt nun noch Zeit, das eigene Offensivspiel etwas besser in Schwung zu bringen.

          Frauenfussball-WM 2019

          Frankreich als Erster sicher ins WM-Achtelfinale

          Frankreichs Fußballerinnen ziehen bei der Heim-WM als souveräner Gruppensieger in das Achtelfinale ein, Norwegen folgt den Französinnen als Tabellenzweiter in die Runde der letzten 16. Die Gastgeberinnen bezwangen zum Abschluss der Gruppenphase Nigeria 1:0 (0:0) und stehen mit neun Punkten an der Spitze, Norwegen gewann gegen Südkorea 2:1 (1:0) und hat sechs Punkte auf dem Konto. Nigeria darf sich als Dritter der Gruppe A (drei Punkte) ebenfalls noch Chancen auf das Weiterkommen ausrechnen.

          Die Französinnen wurden auch im dritten Spiel in Rennes ihrer Favoritenrolle gerecht. Wendie Renard (80.) machte den dritten Sieg des Gastgebers per Foulelfmeter in der Schlussphase perfekt. Ngozi Ebere hatte den Strafstoß verursacht und dafür Gelb-Rot (76.) gesehen, Nigeria beendete das Spiel in Unterzahl. Für Norwegen sorgten in Reims die ehemalige Wolfsburgerin Caroline Graham Hansen (5.) und Isabell Herlovsen (51.) ebenfalls jeweils per Foulelfmeter für den zweiten Turniersieg, der gleichbedeutend mit dem Ticket für die K.o.-Runde war. (sid)

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