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Torhüterin Nadine Angerer : „Die Jungen werden immer aufmüpfiger“

Noch einmal richtig zupacken: Nationaltorhüterin Nadine Angerer Bild: dpa

Die Frauenfußball-WM wird das letzte große Turnier für Nadine Angerer. Vorher spricht die Torhüterin im FAZ.NET-Interview über Mitspielerinnen im Vorschulalter, ihre Rolle im deutschen Team und das Scheitern bei der Heim-WM 2011.

          Die Torhüterin steht vor ihrem letzten Turnier als Nationalspielerin. Nach der am Sonntag (22.00 Uhr / Live im ZDF und im WM-Ticker bei FAZ.NET) mit dem Spiel gegen die Elfenbeinküste beginnenden WM in Kanada tritt sie nach fast zwei Jahrzehnten im DFB-Team zurück. Die 36-Jährige ist seit 2007 die deutsche Nummer eins, 2013 wurde sie als erste Torhüterin zur „Weltfußballerin“ gewählt.

          Beherrschen Sie Multitasking?

          Eher nicht. Ich bin der Ansicht, dass man lieber eine Sache richtig machen sollte als mehrere gleichzeitig.

          Der Männer-Bundesligatrainer Martin Schmidt von Mainz 05 sagt, dass er aus eigener Trainererfahrung im Nachwuchsbereich bei Fußballspielerinnen größeres Talent für Handlungsschnelligkeit feststellt als bei Männern, weil sie eben dem Klischee gemäß mehrere Dinge gleichzeitig tun können. Er wollte damit aufzeigen, dass Frauenfußball eine eigene Qualität hat und es Zeit sei, den Sport eigenständig ohne Vergleich mit Männerfußball zu bewerten.

          Das klingt interessant und es wäre schön, wenn unser Sport unabhängig vom Männerfußball bewertet würde. Vielleicht ist auch was dran, dass Frauen in manchen Dingen talentierter sind. Das wird er als Trainer im Zweifel besser erkennen können als ich als Spielerin. Ich habe fast immer nur mit Frauen trainiert.

          In Deutschland polarisiert Frauenfußball: Es werden viele Menschen im Fernsehen zuschauen, aber es werden auch viele polemisch reagieren. Haben Sie das bei Ihren Auslandsstationen in Australien und Amerika anders erlebt?

          Da muss man ganz vorne anfangen: Der Fußball hat in den Staaten und Australien einen viel niedrigeren Stellenwert. Und in Amerika ist der Fußball noch immer ein wenig ein Frauensport. Deshalb gibt es diese Diskussionen nicht. In Europa ist es für uns Frauen eben schwerer, die Akzeptanz zu erhalten, da wir oft mit den Männern verglichen werden. Ich komme mit blöden Kommentaren aber sehr gut zurecht. Und ich bin sicher, dass sie in den vergangenen Jahren total abgenommen haben. Der Frauenfußball hat sich verändert, die Vorurteile bezüglich Athletik oder angeblich so langsamem Spiel stimmen einfach nicht mehr. Es sollten alle einfach mal die WM nutzen, das für sich selbst unvoreingenommen neu zu bewerten.

          Eine WM ist auch ein Treffen der Fußballkulturen. Sie kennen von Ihren Stationen in Schweden, Australien und zuletzt Amerika die Welt besser als viele andere. Erhöht das die Vorfreude?

          Ich habe das ja nicht gemacht aus Lust am Reisen. Ich hatte in gewisser Weise sehr egoistische Gründe: Ich wollte mich als Torwart weiterentwickeln. Da hat mir diese neue Trainings- und Spielkultur in den Vereinigten Staaten und Australien geholfen. Da ich nun diesen Spielstil kenne, kann ich das auch im Spiel als Gegnerin besser lesen. Ich weiß früher, was auf mich zukommt. Das wird mir bei der WM helfen gegen manche Gegner.

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          Sie haben sich über die Jahre in die Rolle als Spielführerin hineingefunden in einer Rolle als Mutter der Kompanie. In Ihrer Autobiographie beschreiben Sie, wie Sie gemeinsam mit Saskia Bartusiak 2013 bei der EM in einer kritischen Situation Verantwortung übernommen und das Team wieder auf Kurs zum Titelgewinn gebracht haben. Sind Sie auf eine ähnliche Situation während der WM vorbereitet?

          Nein, überhaupt nicht. Ich gehe ja erst einmal davon aus, dass alles läuft. Dann gibt es auch keinen Grund für uns ältere Spielerinnen einzugreifen. Wir müssen aber dann da sein, wenn das Schiff mal nicht ganz geradeaus fährt. Dann müssen wir mithelfen, es wieder auf Kurs zu bringen. Aber da wir ein echt herausragendes Team mit tollen Charakteren sind, müssen da höchstens mal kleine Stellschrauben eingestellt werden.

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