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Nadine Angerer im Gespräch : „Ich entspreche nicht dem Klischee“

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„Was uns wirklich immer auszeichnet, ist der super Teamgeist”: Torhüterin Nadine Angerer Bild: dapd

Bei der WM 2007 blieb Nadine Angerer ohne Gegentor. Die deutsche Torhüterin soll nun Garant für den abermaligen Titelgewinn sein. Zuvor spricht sie im F.A.S.-Interview über ihren Rekord, Rollenbilder und die Selbstverständlichkeit ihres Outings.

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          Bei der WM vor vier Jahren in China haben Sie eine Rekordserie hingelegt und kein einziges Gegentor bekommen. Lässt sich so etwas wiederholen?

          Keine Ahnung. Ich habe vor der vergangenen WM nie im Leben darüber nachgedacht, das Turnier zu null zu spielen. Ich werde natürlich ständig darauf angesprochen, aber ich werde auch diesmal nicht mit dem Gedanken reingehen, das zu wiederholen. Es funktioniert nicht. Wenn es dann doch passieren sollte, dann Kompliment an Silvia Neid: Dann waren wir so top vorbereitet, das wäre unglaublich.

          Überwiegt in der Erinnerung diese Serie oder der Moment, der vielleicht das Turnier entschieden hat: der gehaltene Elfmeter gegen Marta im Finale gegen Brasilien?

          Das war nicht nur das Finale oder die Zu-null-Serie, es war einfach die Summe von guten Aktionen. Es gab auch vorher, zum Beispiel im Spiel gegen Nordkorea, schon wichtige Szenen. Wir haben 1:0 geführt, und dann hatten die Chancen zum Ausgleich. Solche Paraden sind auch wichtig, um Sicherheit auszustrahlen und der Mannschaft noch einmal einen Ruck zu geben.

          Wie hat sich das Niveau seit der letzten WM entwickelt? Es heißt immer, die Spitze sei enger zusammengerückt, aber wir glauben es noch nicht so richtig.

          Es ist definitiv so. Natürlich gibt es die üblichen Verdächtigen, die Topfavoriten sind ganz klar die USA, Brasilien, Norwegen, Schweden und Deutschland. Aber ich schätze auch Frankreich und England stark ein, Nordkorea ist immer für eine Überraschung gut, die afrikanischen Mannschaften sind eine Wundertüte, da weiß man nie, in welcher Verfassung sie gerade anreisen.

          Zum Bild des Frauenfußballs gehört es, dass die Spiele auch mal 6:0, 8:0 oder 10:1 ausgehen - zumindest bis zum Halbfinale. Ist das nicht mehr so?

          Ich glaube, dass es diese Ergebnisse nicht mehr geben wird. Aber ich habe auch noch nie in meinem Leben ein Spiel von Äquatorialguinea gesehen.

          Was macht das deutsche Team bei dieser WM aus?

          Was uns wirklich immer auszeichnet, ist der super Teamgeist. Der ist bei uns immer da. Dann haben wir eine gute Mischung von älteren und jüngeren Spielerinnen, das harmoniert einfach sehr gut. Aber was uns dieses Jahr richtig stark machen wird, ist diese Breite an guten Spielerinnen. Wir haben so viele, die individuell verschieden sind, die aber jederzeit ein Spiel entscheiden können - je nach Gegner. Das ist wunderbar. Die Schwedin Sara Thunebro, mit der ich beim FFC Frankfurt spiele, hat mal gesagt: "Das ist ein Wahnsinn: Da spielt eine Bajramaj, und dann denkst du, cool, die kommt jetzt raus, und dann guckst du an die Seitenlinie, und dann steht eine Behringer da." Wo ist der Bruch? Den gibt es nicht.

          Wie sind die Charaktere im Team verteilt? Sind es, etwas klischeehaft gesagt, die jungen Wilden, die ihre Witzchen machen, und die Älteren, die dann gnädig drüber lachen und sich selbst eher intellektuell geben?

          Genau, wir hocken mit der F.A.Z. am Frühstückstisch und die Kleinen mit dem Handy . . . Nein, so ist es überhaupt nicht. Es greift ein Rädchen ins andere, was den Teamgeist angeht. Es gibt nicht so was wie: Ihr seid die Jungen, wir sind die Alten, sondern wir gehen total freundschaftlich und respektvoll miteinander um.

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