https://www.faz.net/-gtp-84zx8

5:4 i.E. gegen Frankreich : Knieabwehr ins Glück

Die Trauer dess Moments! Claire Lavogez hat den entscheidenden Elfmeter verschossen Bild: dpa

Gegen lange Zeit bessere Französinnen macht mal wieder Torfrau Nadine Angerer den Unterschied: Im Elfmeterschießen sichern sich die deutschen Fußballfrauen die Qualifikation fürs WM-Halbfinale.

          Es gibt die These, dass der Frauenfußball in vielen Facetten die Entwicklung des Männerfußballs mit drei Jahrzehnten Zeitverschiebung nachholt. Das Viertelfinale der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Kanada lieferte gewissermaßen einen historischen Beleg für diese These. Viele Jahre lang haben die französischen Fußballspielerinnen wie einst die Männer vergeblich versucht, das Kräfteverhältnis im Vergleich mit ihrem einstigen deutschen Vorbild umzudrehen.

          Und so wie damals die Männer im legendären WM-Halbfinale von 1982 scheiterten nun auch die Frauen trotz einer lange überlegen geführten Partie im Elfmeterschießen mit 4:5, nachdem Claire Lavogez, die schon sichtlich nervös den Weg zum Strafstoßpunkt absolvierte, als einzige Schützin mit dem letzten Elfmeter an der deutschen Schlussfrau Nadine Angerer gescheitert war – fraglich, ob es eine gute Entscheidung von Trainer Philippe Bergeroo gewesen ist, die jüngste Spielerin auf dem Feld mit der Aufgabe des zehnten und letzten Schusses zu betrauen. „Wir werden sie nicht für diesen Elfmeter in die Ecke stellen“, sagte Bergeroo. „Elfmeter sind auch Glückssache, er war gut geschossen, aber die Torhüterin hat ihn gut gehalten.“

          Immer wieder Angerer

          Nadine Angerer wurde mit ihrer Knieabwehr derweil abermals zur Elfmeterheldin, nachdem sie ihrem Team vor zwei Jahren mit zwei abgewehrten Strafstößen in der regulären Spielzeit beim 1:0-Sieg im EM-Finale gegen Norwegen den Titel beschert hatte. „Wir üben das ganze Jahr Elfmeter, davon profitiere auch ich“, sagte Angerer. „Bei der letzten Schützin hatte ich das Gefühl, dass sie Angst hatte.“

          Mit Knie und Hand: gehalten! Bilderstrecke

          In der regulären Spielzeit hatte Louisa Necib (62. Minute) Frankreich in Führung gebracht, Celia Sasic glich per Handelfmeter aus. Deutschland steht somit im Halbfinale am kommenden Dienstag (1 Uhr MESZ in der Nacht zum Mittwoch, übertragen von der ARD), wo die Vereinigten Staaten der Gegner sein werden. Die Amerikanerinnen haben ihr Halbfinale in Ottawa gegen China mit 1:0 durch ein Tor von Carli Llyod (51. Minute) gewonnen. Die beiden Teams standen sich zuletzt 2003 in einem WM-Spiel gegenüber. Damals setzte sich Deutschland im Halbfinale mit 3:0 durch und wurde anschließend erstmals Weltmeister.

          Zu dem Duell des Weltranglistenersten Deutschland mit dem Weltranglistendritten Frankreich kam es bereits so früh im Turnierverlauf, weil die beiden Teams zum Zeitpunkt der Auslosung im vergangenen Dezember lediglich auf den Plätzen zwei und vier der Weltrangliste plaziert waren. Da der Gastgeber Kanada wie bei Fifa-Turnieren üblich Kopf der Gruppe A wurde, rutschte Frankreich in der Setzliste ab auf Rang fünf, wodurch das Team in die deutsche Hälfte des Tableaus gesetzt wurde.

          Statt eines offenen Schlagabtauschs der beiden offensivstärksten Teams des bisherigen Turniers war das Spiel vor 25.000 Zuschauern vom Anpfiff weg ein Sturmlauf der mit acht Spielerinnen vom französischen Meister Olympique Lyon und drei Akteurinnen von Paris Saint-Germain angetretenen Französinnen, die gezielt auf die überragende Schnelligkeit ihrer Außenbahnspielerin Elodie Thomis setzten. Schon in der ersten Minute enteilte die bis zum 15. Lebensjahr zur Sprinterin ausgebildete Französin ihrer Gegenspielerin Tabea Kemme und bediente Louisa Necib, die aus zwölf Metern das Tor knapp verfehlte.

          Französische Dominanz

          Die Deutschen wussten sich des Anfangsschwungs nur durch Fouls zu erwehren, die zu mehreren gefährlichen Standards führten. Die DFB-Auswahl schwankte wie ein angeschlagener Boxer. Auch verzweifelte Positionswechsel wie ein Seitentausch zwischen der mit Thomis überforderten Außenverteidigerin Tabea Kemme mit ihrem Pendant Leonie Maier halfen den Deutschen nicht, auch nur annähernd zu jenem Pressingspiel zu finden, das ihnen beim 4:1-Sieg gegen Schweden Dominanz und Torchancen ermöglichte. Wegen allzu schneller Ballverluste waren geordnete Störmanöver nie möglich. Die Flanken blieben auch deshalb weiter offen für die Durchbrüche von Thomis.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.