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0:1 gegen England : Deutsche Frauen beenden WM mit weiterer Enttäuschung

Fara Williams verwandelte den Elfmeter zum 0:1 für England Bild: AFP

Die WM endet für die deutschen Fußballfrauen mit einer weiteren Enttäuschung: Das DFB-Team verliert gegen England das Spiel um Platz drei mit 0:1. Bundestrainerin Silvia Neid wehrt sich anschließend abermals gegen ihre Kritiker.

          Eine Freundschaft mit dem Kunstrasen haben die deutschen Fußballerinnen während ihrer vier Wochen bei der Weltmeisterschaft in Kanada nicht gerade geschlossen: Am Ende mussten sie sogar noch einmal die maximal mögliche Zeit zum Spielen auf dem für sämtliche Partien der WM genutzten synthetischen Grün verbringen und verloren das Spiel um Rang drei gegen England mit 0:1 nach Verlängerung. Der Treffer vor 21.500 Zuschauern in Edmonton fiel durch einen Foulelfmeter, den Fara Williams verwandelte.

          „Der Elfmeter war berechtigt, da waren wir etwas naiv im Strafraum zu Werke gegangen“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid. „Es lag heute wieder an unserer Abschlussschwäche. Wir haben da etwas die Präzision verloren im Turnierverlauf, auch bei den letzten Pässen vor dem Strafraum.“

          Im 21. Spiel beider Nationalteams hat Deutschland somit erstmals gegen England verloren und belegt den vierten Rang des Turniers, dessen Sieger am Sonntag (Montag 1.00 Uhr MESZ / Live im ZDF und im WM-Ticker bei FAZ.NET) in Vancouver den Teams aus den Vereinigten Staaten und Japan ermittelt wird.

          Erstmals seit 2010 haben die deutschen Frauen zudem zwei Länderspiele in Serie verloren. Für die Zukunft der Bundestrainerin sollte das freilich keine Folgen haben: Die Vorgabe für das Turnier war das Erreichen des Halbfinals und die Qualifikation für die Olympischen Spiele, Neid wird ihren Vertrag vermutlich entsprechend erfüllen und die Amtsgeschäfte nach dem Turnier in Brasilien an ihre Nachfolgerin Steffi Jones übergeben.

          Deutschland und England schenkten sich nichts Bilderstrecke

          Dem Spiel war ein Disput zwischen Bundestrainerin Silvia Neid und vor allem dem Bundesligatrainer Colin Bell vom FFC Frankfurt vorausgegangen, der mangelnde taktische Flexibilität und auch das Wechselverhalten der Bundestrainerin kritisiert hatte, die im Halbfinale gegen die Vereinigten Staaten verpasst habe, bei nur einer Auswechslung und dem Beharren auf dem immergleichen System Akzente für eine Aufholjagd zu setzen.

          Neid gab sich nach den Attacken gelassen und sagte: „Ich bin dankbar für jede Kritik. Wenn meine Trainerkollegen jetzt bei mir angerufen hätten, dann hätte ich Ihnen das erklärt. Vielleicht hätten Sie mir dann auch andersherum Tipps geben können.“ Zudem erbat sich Neid, bei der Bewertung des Turnierergebnisses zu berücksichtigen, in welchem „katastrophalen Zustand“ die Spielerinnen nach einer langen Saison in ihren Klubs ins WM-Trainingslager  angereist seien. „Das war keine Vorbereitung, sondern nur Regeneration, weil die Spielerinnen in einem katastrophalen Zustand waren. Wir mussten sie erstmal hinkriegen, dass sie einigermaßen trainieren können. Dafür können wir froh sein, dass wir soweit gekommen sind“, sagte Neid nach dem Spiel gegen England. Die Worte müssen als Konter gegen die Bundesligatrainer verstanden werden, die schließlich für die Physis der Spielerinnen am Ende einer Saison verantwortlich sind, in der beispielsweise Bells Frankfurterinnen unmittelbar vor der Abreise ins WM-Trainingslager die Champions League mit einem 2:1-Finalsieg gegen Paris St-Germain gewonnen hatten.

          Letztlich sprang sogar der gegnerische Trainer Mark Sampson seiner Kollegin zur Seite, indem der Waliser dem Engländer Bell widersprach. „So sehr ich Colins Meinung respektiere. die deutschen Leistungen bei diesem Turnier zu kritisieren ist sehr, sehr harsch“, sagte der erst 32 Jahre alte englische Nationaltrainer.

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