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1:1 gegen Norwegen : Ein gutes Omen für unsere Fußballfrauen

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Enge Geschichte: Deutschland (mit Celia Sasic, r., gegen Marita Skammelsrud) muss sich gegen Norwegen mit einem Unentschieden begnügen Bild: AP

Trotz früher Führung verpassen die deutschen Fußball-Frauen den Sieg gegen Norwegen. Aber das Unentschieden erinnert an den Turnierverlauf zum bislang letzten WM-Sieg.

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          Vielleicht hätte Saskia Bartusiak ihr Foul an Isabel Herlovsen einen Meter weiter Richtung eigenes Tor begehen sollen. Dann hätte Deutschland die zweite Vorrundenbegegnung der Frauenfußball-Weltmeisterschaft gegen Norwegen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gewonnen. Denn dann hätte es nach einer Stunde einen Elfmeter für Norwegen gegeben, die im EM-Finale der beiden Teams vor zwei Jahren gleich zweimal vom Strafstoßpunkt aus gescheitert waren.

          So aber schlenzte Maren Mjelde, die passend zur Negativserie der Norwegerinnen im ersten Gruppenspiel gegen Thailand ebenfalls einen Strafstoß vergab, den Ball aus 17 Metern wunderbar über die deutsche Abwehrmauer ins Tordreieck und sicherte Norwegen nach dem deutschen Führungstor von Anja Mittag (6. Minute) ein schmeichelhaftes 1:1-Unentschieden. Dank des 10:0-Auftaktsiegs gegen die Elfenbeinküste ändert das freilich vor dem abschließenden Vorrundenspiel gegen Thailand (1 Uhr, live im ARD-Livestream und F.A.Z.-Liveticker) kaum etwas an der guten Ausgangsposition des deutschen Teams für den angestrebten Gruppensieg. Da die vier besten Gruppendritten ebenfalls das Achtelfinale erreichen, ist ein Weiterkommen bei nun vier Punkten sowieso fast sicher.

          „Ich bin total zufrieden. Wir haben in der ersten Halbzeit hervorragend gearbeitet und fast nichts zugelassen. In der zweiten Halbzeit haben wir nicht mehr so gut gearbeitet gegen den Ball, das hat Norwegen Auftrieb gegeben“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid. „Wir haben versucht, durch Einwechslungen etwas zu korrigieren. Das klappte nicht so gut. Insgesamt sind wir aber froh, einen Punkt geholt zu haben. Dank der guten Tordifferenz haben wir weiter eine gute Ausgangsposition.“

          Die Lockerheit vor dem Spiel: Die deutschen Spielerinnen Saskia Bartusiak (r.) und Alex Popp Bilderstrecke

          19 Torschüsse, nur ein Tor

          Die deutsche Elf beherrschte das Geschehen vor rund 22.000 Zuschauern im Lansdowne Park zu Ottawa eindeutig. Und das auch, weil Norwegen zu dem Duell zweier Top-Nationen mit einer erstaunlich umformierten Hintermannschaft antrat. So fehlten die üblicherweise gesetzte Spielführerin Trine Roenning und ihre Nebenfrau Nora Holstad sowie die Offensivspielerin Solveig Gulbrandsen. Hoffte Norwegens Trainer Even Pellerud etwa auf einen Sieg einer  B-Elf wie in der Vorrundenbegegnung der EM 2013, als Deutschland gegen eine zu  Schonungszwecken ersatzgeschwächte Elf mit 0:1 unterlag? Oder pokerte der Trainerfuchs, der Norwegen bereits 1995 zum WM-Titel geführt hatte?

          Der Zweite der Gruppe B hat zwar im weiteren Turnierverlauf die etwas strapaziöseren Reisen  vor sich, aber zugleich bis zum Halbfinale den vermeintlich sportlich etwas leichteren Weg. „Nach dem Spiel antwortete Pellerud auf entsprechende Nachfragen cool bis schelmisch: „Das ist eine schöne Spekulation, aber es bleibt nur eine Spekulation.“ Zudem wolle er in seinen Matchplan fürs abschließende Duell mit der Elfenbeinküste nicht aufnehmen, zehn Treffer zu erzielen. Nur so hätte Norwegen wohl eine Chance, Deutschland noch die Spitzenposition streitig zu machen.

          Deutschland droht als Gruppen-Erster im Achtelfinale nach Stand der Dinge ein Duell mit dem Gruppendritten der mit Abstand stärjsten Gruppe D, also wohl Nigeria, Schweden oder Australien, im Viertelfinale würde wohl der Geheimfavorit Frankreich das ewige Vorbild Deutschland mit großem Ehrgeiz fordern.

          Marozsan sehr stark

          Deutschland dominierte die Partie auch dank des starken Auftritts der erstmals nach einer Knöchelverletzung bei einer WM aufgebotenen Dzsenifer Marozsan. Die Spielmacherin glänzte als Spielgestalterin wie auch mit ihren  Abschlussqualitäten, für manches technische Kabinettstückchen erhielt sie gar Szenenapplaus.

          Die Leistung der 23 Jahre alten Offensivspielerin wirkte sich für ihr Team in der sechsten Minute zählbar positiv aus: Torhüterin Ingrid Hjelmseth ließ einen Schuss von Dzsenifer Marozsan aus gut 20 Metern abprallen, Anja Mittag schlenzte den Ball anschließend über die am Boden liegende Schlussfrau hinweg zu ihrem vierten Turniertreffer ins Netz. Die deutsche  Stürmerin übernahm somit die Führung in der Torjägerinnenliste. „Es ist ärgerlich, dass wir nur 1:1 gespielt haben. Wir hatten so viele Chance  in der ersten Halbzeit“, sagte Mittag. „In der zweiten Halbzeit waren wir nicht mehr so präsent.“

          Bei hohen  Außentemperaturen und noch höherer Hitze auf dem Kunstrasenspielfeld hielten die Deutschen das Tempo bis kurz vor der Halbzeit hoch, nutzten allerdings keine der weiteren Torgelegenheiten. Das war das große Manko bei bis dato sagenhaften 19 Torschüssen. 

          Norwegen hatte indes noch kurz vor dem Pausenpfiff seine erste Chance überhaupt: Nadine Angerer war mit einer Glanztat auf dem Posten, als Isabell Herlovsen die deutsche Torhüterin mit einem strammen Schuss aus 15 Metern prüfte.

          In der zweiten Halbzeit leistete sich die deutsche Defensive dann in Person ihrer Abwehrchefin Saskia Bartusiak die folgenschwere Unaufmerksamkeit. „Wir haben sehr stark angefangen, aber versäumt, mehr Tore zu machen“, sagte Innenverteidigerin Bartusiak. „In der zweiten Halbzeit haben wir etwas nachgelassen.“

          Die Punkteteilung kann allerdings auch als gutes Omen gewertet werden: Auch beim bislang letzten Titelgewinn im Jahr 2007 folgte einem zweistelligen Auftaktsieg gegen ein Exotenteam (damals Argentinien) ein Unentschieden gegen einen europäischen Rivalen. Im abschließenden Vorrundenspiel musste Deutschland dann wie nun auch  gegen einen asiatischen Gegner (damals Japan, nun Thailand) das Weiterkommen sichern. „Es gibt keinen Grund zum Ärger. Mit dem 1:1 können wir gut leben. Die erste Halbzeit war sensationell, das hat aber auch Energie geraubt“, sagte Spielführerin Nadine Angerer. „Norwegen hatte aber auch in der zweiten Halbzeit eigentlich keine Torchancen. Zum Freistoß kann ich nur sagen: 'Respekt, nicht schlecht'.“

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