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10:0 für Deutschland : Die Frauenfußball-WM hat ihre Qualitätsdebatte

Die deutschen Fußballfrauen hatten viel Spaß beim WM-Start Bild: dpa

Das erste WM-Spiel ist ein munteres Warmschießen fürs deutsche Frauenfußball-Nationalteam: Die Elfenbeinküste ist beim 10:0 völlig überfordert. Das Ergebnis befeuert Kritik an der Aufblähung des WM-Feldes auf 24 Teams.

          Die Kunstrasendebatte war gestern, die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Kanada hat seit dem 10:0-Auftaktsieg des deutschen Nationalteams nach je drei Treffern von Celia Sasic (3./14./31. Minute) und Anja Mittag (29./35./64.) sowie je einem Treffer von Simone Laudehr (71.), Sara Däbritz (75.), Melanie Behringer (79.) und Alexandra Popp (85.) gegen die Elfenbeinküste ihre Qualitätsdiskussion.

          Ich war’s: Sogar im Fallen hat Sasic Zeit zum Jubeln Bilderstrecke

          Erstmals dürfen 24 statt zuvor 16 Teams teilnehmen – zumindest im Fall des dritten afrikanischen Vertreters im Feld ist das nach dem teils schockierenden Eindruck vom Sonntagabend mindestens eins zu viel. So kam es zu einem der sogar von der Fifa-Frauenfußballverantwortlichen Tatjana Haenni wegen der teils gravierenden Leistungsunterschiede vorab erwarteten „krassen Resultate“.

          „Ich hätte nie gedacht, dass wir 10:0 gegen die gewinnen. Es sieht jetzt so aus, dass die Elfenbeinküste viel zu schlecht ist. Aber wenn man die frühen Tore nicht macht, kann sich immer was zusammenbrauen“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid zwar. Aber realistisch betrachtet waren die Ivorerinnen am Sonntagabend vor rund 21.000 Zuschauern im Lansdowne Park von Ottawa gegen die engagierten Deutschen schlicht und ergreifend überfordert und hatten weder taktisch, noch fußballerisch WM-Format.

          Die Spielerinnen des zweifachen Weltmeisters hatten deshalb unerwartet viel Raum zum Kombinieren wie in den einfachsten Trainingsübungen und gingen beim fast schon erwartbaren zweistelligen Erfolg sogar großzügig mit ihren Chancen um. Dennoch reichte es zum zweithöchsten Sieg in der WM-Geschichte. Nur 2007 waren die Deutschen ebenfalls im ersten WM-Spiel gegen Argentinien noch treffsicherer.

          Dem 11:0 von Schanghai folgte nicht nur schon damals eine Qualitätsdebatte, sondern wenige Wochen später der zweite WM-Titel, der für die Bundestrainerin Silvia Neid der erste große Erfolg als Trainerin war. Auch das erste Spiel der deutschen Vorrundengruppe B verlief ähnlich einseitig. Norwegen begnügte sich gegen Thailand aber mit einem 4:0-Sieg, sodass Deutschland die Tabellenführung übernommen hat.

          Die Qualifikation fürs Achtelfinale sollte auch angesichts der Leistung des dritten Gruppengegners Thailand reine Formsache sein. Deshalb dürfte es für die Europameisterinnen am Donnerstag (22 Uhr/ live in der ARD und F.A.Z.-Liveticker) in der Neuauflage des EM-Finals von 2013 gegen Norwegen bereits um den Gruppensieg gehen.

          „Man sah heute, was für eine gute Bank wir haben. Da ist es egal, wer auf dem Feld steht“, sagte Celia Sasic, die zur Halbzeit zur Schonung für den weiteren Turnierverlauf ausgewechselt wurde. „Zehn Tore im Eröffnungsspiel ist für uns enorm wichtig. Wir können zufrieden sein“, sagte derweil Anja Mittag.

          Ob solche Spiele dem Frauenfußball nutzen, ist fraglich. Zumindest lenken sie den Fokus weg von der Diskussion über den Kunstrasen, auf dem gegen den vor einem Menschenrechtsgericht erklärten Willen von über 60 Top-Spielerinnen erstmals in der WM-Geschichte gespielt wird. Auch am Sonntag war der Kunstrasen freilich Thema, die Spielerinnen beklagten vor allem sehr hohe Temperaturen auf dem Spielfeld in der sommerlich-sonnigen kanadischen Hauptstadt. Dabei verschafft offenbar auch das Bewässern des Rasen vor dem Anpfiff beider Halbzeiten keine ausreichende Abkühlung. „Wenn du diesen Rasen sprengst, ist er fünf Minuten später wieder trocken. Deshalb ist das eigentlich zu schade für das Wasser, was man da drauf spritzt“, sagte Bundestrainerin Neid.

          Celia Sasic nutzte trotz der Hitze die Gelegenheit, um ihren Namen nachhaltig bei den Organistoren in Erinnerung zu rufen. Nachdem beim Führungstor in der dritten Spielminute noch ihr Mädchenname Okoyino da Mbabi, unter dem sie 2011 ihre ersten beiden WM-Tore erzielt hatte, auf der Anzeigetafel aufleuchtete, schaffte die Stadionregie der kanadischen Gastgeber bei den weiteren Treffern zum 2:0 und 4:0 (14./31.) die Korrektur des Nachnamens.

          Sasic heißt die deutsche Mittelstürmerin seit ihrer Hochzeit im Jahr 2013. Die weiteren Torschützinnen bereiteten den Organisatoren weniger Schwierigkeiten: Sie tragen noch ihren Geburtsnamen.

          Neid kritisiert Schiedsrichterin

          Bundestrainerin Silvia Neid eröffnete unterdessen noch eine weitere Leistungsdiskussion, indem sie die Schiedsrichterleistung der Kanadierin Carol Anne Chenard scharf kritisierte, weil sie das harte Einsteigen der Ivorerinnen nicht frühzeitig unterbunden und somit auch eine wohl gravierendere Verletzung von Melanie Leupolz (Schambeinprellung) nicht schon im Ansatz verhindert habe. Die Statistik wies letztlich 29 Fouls der Afrikanerinnen aus, die sechs Gelbe Karten zeigte die Unparteiische tatsächlich vornehmlich in Halbzeit zwei.

          „Ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass unsere Spielerinnen geschützt wurden“, sagte die 51 Jahre alte Trainerin, die ihr Amt 2016 aufgeben will und somit letztmals bei einer WM dabei ist. „Es geht doch nicht, dass man zu langsam ist und deshalb von hinten reintreten darf.  Da hätte es früher eine Gelbe Karte oder gar eine Rote geben müssen.“                               

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