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4:0 gegen Thailand : Deutsche Fußballfrauen dank Lufthoheit Gruppensieger

Klare Lufthoheit: Lena Petermann köpft ein Bild: AFP

Fünfzehn Zentimeter Größenunterschied bringen vier Tore Vorsprung: Deutschland gewinnt bei der Frauenfußball-WM in Kanada das letzte Vorrundenspiel gegen Thailand letztlich deutlich. Als Gruppensieger steht am Samstag das Achtelfinale an.

          Manchmal liegen Strategien im Fußball recht nah: Wenn eine groß gewachsene Elf wie die deutsche Frauenfußball-Auswahl gegen im Schnitt gut 15 Zentimeter kleinere Thailänderinnen antritt, dann sollte es mit hohen Flanken und plazierten Kopfbällen klappen. Die Lufthoheit nutzte Deutschland beim 4:0-Sieg vor nur 12.000 Zuschauern in Winnipeg, indem Melanie Leupolz (24.) und die eingewechselte Doppeltorschützin Lena Petermann (55./58.) mit ihren Treffern den Weg ebneten zum letztlich deutlichen Erfolg im letzten Vorrundenspiel und zum Sieg in der Gruppe B. „Wir mussten mit unserer körperlichen Präsenz im Strafraum Kopfbälle gewinnen. So wollten wir zu Torerfolgen kommen“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid. Den vierten Treffer erzielte Sara Däbritz mit dem Fuß (73.).

          Die härtesten Konkurrentinnen aus Norwegen kamen in der zeitgleich ausgetragenen zweiten Begegnung der deutsche Gruppe zu einem 3:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste nach Toren von Ada Hegerberg (6., 62.) und Solveig Gulbrandsen bei einem Gegentreffer der Ivorerin Ange (67.). Wegen der deutlich schlechteren Tordifferenz müssen sich die Skandinavierinnen mit Rang zwei begnügen.

          Abklatschen und Weitermachen: Bundestrainerin Silvia Neid ist nur bedingt zufrieden Bilderstrecke

          Gegen hohe Flanken hatte die tapfere thailändische Abwehr keine Mittel, während sie sich auf Höhe der künstlichen Grasnarbe geschickter zur Wehr setzte gegen allerdings nicht allzu einfallsreiche Gegnerinnen. Die dennoch zahlreichen Torgelegenheiten vereitelte Torhüterin Waraporn Boonsing, auch weil sich die deutsche Elf wie schon in den vorangegangenen Partien selbst überbot beim Auslassen von Torgelegenheiten.

          Bei den deutschen Frauen bleibt die Chancenverwertung das große Manko. So dauerte es bis zur 24. Minute, ehe Melanie Leupolz nach einem Eckball von Melanie Behringer per Kopfball der einzige Treffer in Halbzeit eins gelang. „Die Chancenverwertung macht mir Sorgen. Ich kann mir nicht vorstellen, das wir uns im Achtelfinale leisten können, zehn Torchancen zu vergeben“, sagte Neid.

          Sieben Neue

          Einige erstmals eingesetzte Spielerinnen aus der zweiten Reihe empfahlen sich nur sehr bedingt für weitere Nominierungen. „Wir können heute sicher nicht zufrieden sein mit unserem Spiel“, sagte Mittelfeldspielerin Melanie Behringer, die als Schaltzentrale immerhin Ordnung ins deutsche Spiel brachte.

          Bundestrainerin Silvia Neid hatte ihre Rotationspläne konsequent umgesetzt und änderte ihre Formation gleich auf sieben Positionen. Simone Laudehr und Alex Popp wurden ohnehin wegen leichter Blessuren geschont, Anja Mittag als Führende der Torjägerinnenliste gönnte Neid ebenfalls eine Pause. So blieb lediglich die Achse mit Torhüterin Nadine Angerer, Innenverteidigerin Annike Krahn, Spielgestalterin Dzsenifer Marozsan und Mittelstürmerin Celia Sasic in der Startelf.

          Die Bundestrainerin wollte auf diese Weise Kräfte schonen, weil der in Kanada erstmals bei einem Endturnier verwendete Kunstrasen deutlich mehr Belastungen zur Folge haben soll als ein Naturrasen. So haben nach der Einwechslung von Josephine Henning im zweiten Spielabschnitt schon alle 20 Feldspielerinnen mindestens einen WM-Einsatz zu Buche stehen.

          Petermann wirbt mit Toren

          Werbung in eigener Sache betrieb letztlich fast nur die zur Pause eingewechselte Stürmerin Lena Petermann. Die Siegtorschützin des U20-WM-Finals aus dem Vorjahr erzielte ihre ersten beiden WM-Tore.  „Ich wollte mich beweisen. Ich habe zwei Tore gemacht, besser hätte es nicht laufen können“, sagte sie.

          Nach dem Sieg gegen Thailand hat Deutschland nun als Sieger der Vorrundengruppe B immerhin fünf Tage Pause bis zum Achtelfinalspiel am kommenden Samstag (23 Uhr) in Ottawa, in dem der Dritte der Todesgruppe D mit Schweden, Australien oder Nigeria Gegner sein könnte. Endgültig steht der Gegner aber erst nach Vorrundenschluss und einem nicht ganz einfachen Rechenspiel fest.

          Dann spielen die Deutschen wieder in Ottawa, wo bereits die beiden ersten Begegnungen stattgefunden haben und deutlich mehr Interesse am Frauenfußball herrscht als in Winnipeg. Am „Tor zur Prärie“, wie sich die Stadt im Norden Kanadas bezeichnet, war das Stadion nur zu einem Drittel gefüllt, obwohl eine recht große Gruppe deutscher Auswanderer im Publikum für Unterstützung sorgte. In der Stadt gibt es sogar einen Fußballverein namens „Germania“.

          „Es ist uns wichtig, dass wir mit dem Gruppensieg kurze Reisewege behalten. Wer der Gegner im Achtelfinale wird, wird sich noch weisen“, sagte Neid. Mit Blick auf diese Partie in Ottawa (Samstag, 23 Uhr live in ARD und F.A.Z.-Liveticker) will die Bundestrainerin nun den Druck auf ihre Spielerinnen erhöhen. Nach der doch recht einfachen Vorrundengruppe mit chancenlosen Außenseitern wie der Elfenbeinküste und Thailand hat sie angekündigt, in dieser „Woche aufs Training zu schauen für die Aufstellung am Samstag“. Es könnten also etwas anstrengendere Tage vor den deutschen Nationalspielerinnen liegen. Es wartet schließlich auch in jeder Wortbedeutung ein größerer Gegner.

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