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4:1 gegen Schweden : Deutsches Ausrufezeichen im WM-Achtelfinale

Schwarz-weiß schlägt blau-gelb: Celia Sasic, Anja Mittag und Leonie Maier lassen ihrer Freude freien Lauf Bild: dpa

Die WM geht richtig los – und die deutschen Fußballfrauen präsentieren sich in Bestform: Mit einem überzeugenden Sieg gegen Schweden sichern sie sich die Viertelfinalteilnahme.

          Es gibt weiter eine Konstante im Frauenfußball: Wenn Deutschland in einem wichtigen Spiel auf Schweden trifft, dann setzt sich die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) durch. Am Samstag gewann die Elf von Bundestrainerin Silvia Neid im Achtelfinale der Weltmeisterschaft in Kanada dank Treffern von Anja Mittag (24. Minute), Celia Sasic (36. per Foulelfmeter/78.) und Dzsenifer Marozsan (87.) bei einem Gegentreffer von Linda Sembrant mit 4:1. Damit bleibt das deutsche Team im neunten Spiel in Serie bei Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen gegen die Skandinavierinnen ungeschlagen. „Wir sind überglücklich, dass wir den schweren Brocken Schweden aus dem Turnier gespielt haben. Wir waren die klar bessere Mannschaft und stehen verdient im Viertelfinale. Das war ein wichtiges Spiel, vielleicht ein Schlüsselspiel“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid.

          Dank des Siegs vor 24.000 Zuschauern im ausverkauften Lansdowne Park hat Deutschland nicht nur die Runde der letzten acht Teams erreicht, sondern auch einen vermeintlichen Widersacher im Kampf um den Titel ausgeschaltet. Am kommenden Freitag trifft die Nationalelf in Montreal auf Frankreich oder Südkorea, die am Sonntag (22 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker) ihr Achtelfinale in Montreal austragen. Deutschland muss im Viertelfinale auf Innenverteidigerin Saskia Bartusiak wegen einer Gelbsperre verzichten.

          Das erste K.o.-Spiel wurde zu einer vom Papier her schweren Prüfung für die Deutschen. Die Aufstockung des Turniers auf 24 Teams brachte einen  Modus mit sich, der das ungewohnt frühe Duell zweier Erzrivalen begünstigte, die zu den aussichtsreichsten Kandidaten auf den Titel gezählt wurden. Deutschland agierte dabei allerdings mit deutlich größerer Überzeugung und Sicherheit, während sich Schweden mit einem weiteren mutlosen, verunsicherten Auftritt aus dem Turnier verabschiedete. Der souveräne Sieg in der ersten echten Bewährungsprobe könnte nun das Selbstbewusstsein bringen, das die deutsche Auswahl für den weiteren Turnierverlauf benötigt.

          Alte Schwedin: Anja Mittag (Mitte) trifft einmal, Celia Sasic (links) zweimal Bilderstrecke

          „Wir haben uns den Sieg hart erarbeitet. Wir sind viel gelaufen und haben uns belohnt“, sagte Torjägerin Anja Mittag, die abermals zur Spielerin des Spiels gekürt wurde.

          Im Klassiker von Ottawa setzte Bundestrainerin Silvia Neid vornehmlich auf Erfahrung: So saß Spielmacherin Dzsenifer Marozsan zu Beginn überraschend nur auf der Bank und wurde erst zur Pause eingewechselt. Die Entscheidung zahlte sich aus: Die „Alten“ kauften den Gegnerinnen vom Anstoß weg den Schneid ab. „Wir haben 90 Minuten lang herausragend gegen den Ball gearbeitet trotz 38 Grad Hitze auf dem Feld“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid. Spielführerin Nadine Angerer warnte jedoch vor Überheblichkeit. „Wir haben sehr, sehr gut gespielt. Das war das Beste, was wir bisher gezeigt haben, allein die Chancenverwertung könnte man kritisieren“, sagte Angerer. „Aber wir müssen auf dem Boden bleiben.“

          Schon nach 16 Sekunden hätte Alex Popp den Führungstreffer erzielen müssen, sie verzog aber freistehend aus 10 Metern mit ihrem starken linken Fuß. So dauerte es trotz zahlreicher weiterer Chancen für Laudehr, Popp und Sasic bis zur 24. Minute, ehe die bis vor wenigen Wochen für den schwedischen Erstligaklub FC Rosengard spielende Anja Mittag zum 1:0 traf. Die Torjägerin erzielte mit einem plazierten Flachschuss ihren sechsten Treffer im Turnierverlauf.

          „Ich habe einfach derzeit das Selbstbewusstsein, solche Tore zu machen“, sagte Mittag. Zwölf Minuten später wurde sie von ihrer Gegenspielerin Amanda Ilestedt im Strafraum zu Fall gebracht. Auch wenn Anja MIttag, die zwar berührt worden war, aber keine Chance auf den Ball hatte, von der Entscheidung sichtlich überrascht war, gab die nordkoreanische Schiedsrichterin Ri Hyang Ok Elfmeter. Den Strafstoß verwandelte Celia Sasic zum 2:0. „Wir waren von der ersten Minute an präsent und haben Schweden gezeigt, dass wir heute weiterkommen wollen“, sagte Sasic. So müssen wir jetzt weiter arbeiten.“

          Die zarten Bemühungen der müde wirkenden Schwedinnen unterbanden die Deutschen in der Folge mit aggressivem und klugem Pressing. So mussten die verunsicherten Schwedinnen ihr Spiel immer wieder über die Außen aufbauen, wo sie in Bedrängnis die Bälle schnell an die aufmerksamen Deutschen verloren. Celia Sasic erhöhte mit ihrem zweiten Treffer auf 3:0, als sie nach einem Pfostenschuss von Simone Laudehr den Abpraller per Kopf im Netz versenkte (78.). Sasic schloss mit ihrem fünften Turnier-Treffer zur Führenden Anja Mittag auf.

          Schweden kam danach immerhin noch zum Ehrentreffer. Linda Sembrant köpfte nach einem Freistoß von Therese Sjögran ein (82.). Dzsenifer Marozsan stellte jedoch den alten Abstand umgehend wieder her. „Es war sehr hart heute. Die Deutschen waren einfach besser“, sagte Spielmacherin Caroline Seeger.

          So sah die Frauenfußballwelt womöglich das traurige Ende der Ära von Pia Sundhage beim schwedischen Nationalteam. Nachdem bereits vor der Weltmeisterschaft Kritik an der Trainerin aufkam wegen einer angeblich falschen taktischen Ausrichtung ihrer Elf, dürfte Sundhage ein Jahr vor Ablauf ihres Vertrags vielleicht freiwillig ihren Hut nehmen, zumal die schwedischen Chancen auf eine Olympiateilnahme im kommenden Jahr in Rio de Janeiro auf ein Minimum gesunken sind. Nach dem Spiel wollte sie aber nichts zu ihrer Befindlichkeit sagen.  „Ich bin noch in der Emotionalität der Niederlage. Ich möchte nichts sagen, was ich später bereue. Es wird darum gehen, ob ich dem schwedischen Frauenfußball weiter nutze“, sagte Sundhage.

          Deutschland hat derweil einen der drei europäischen Quotenplätze Plätze sicher, wenn in den verbleibenden Achtelfinalbegegnungen noch drei weitere europäische Teams ausschieden, was bei den anstehenden Begegnungen gut möglich ist.

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