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Celia Sasic : Geradlinig in die Weltspitze

Drei Tore im ersten WM-Spiel gegen die Elfenbeinküste: Celia Sasic Bild: dpa

Sie ist eines der Gesichter des deutschen Frauenfußballs: Celia Sasic vereint viele Kulturen in einer Person. Bei der Frauenfußball-WM will sie ihre Weltläufigkeit nun zur Weltklasse steigern.

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          Auf dem Spielfeld besticht Celia Sasic mit Geradlinigkeit. Wenn sie den Ball am Fuß hat oder Witterung für ein Zuspiel aufgenommen hat, dann sucht sie meist den kürzesten Weg zu ihrem Revier als Torjägerin. Beim 10:0-Sieg im Auftaktspiel der Frauenfußball-Weltmeisterschaft gegen die Elfenbeinküste gelang ihr das in gewohnter Weise: Drei Tore erzielte sie in den ersten 45 Minuten, ehe Bundestrainerin Silvia Neid eine ihrer wichtigsten Spielerinnen zur Schonung für kommende Aufgaben wie das zweite Vorrundenspiel gegen Norwegen an diesem Donnerstag (22.00 Uhr / Live in der ARD und im WM-Ticker bei FAZ.NET) auswechselte.

          So geradlinig die 26 Jahre alte Stürmerin im Spiel ist, so sehr gibt es abseits des Feldes Situationen, in denen Celia Sasic bewusst Umwege geht. Denn als eine der ganz wenigen deutschen Spielerinnen findet sie sich derzeit auf Werbeplakaten wieder und in ihrer Heimatstadt Koblenz besonders häufig wegen einer dort beheimateten Bank. „Da mache ich lieber einen kleinen Bogen drum herum oder gehe nur vorbei, wenn keine Leute da sind“, sagt sie.

          Wiedererkennungswert dank afrikanischen Vaters

          Denn so extrovertiert sie der Torejagd nachgeht, so sehr fremdelt Celia Sasic mit ihrem Bekanntheitsgrad. „Ich schreie nicht danach, dass mich alle Welt erkennt. Oft ist es zwar nett, wenn einen Kinder oder auch Erwachsene ansprechen und teilweise auch sehr viel über Frauenfußball wissen. Aber manchmal ist das schon unangenehm, wenn man beispielsweise im Urlaub auf Gran Canaria ständig angesprochen wird“, sagt die in Bonn geborene Tochter einer Französin und eines Kameruners.

          Sie hat wegen ihrer Hautfarbe und des lockigen Haars, die sie ihrem afrikanischen Vater verdankt, einen Wiedererkennungswert wie keine andere Nationalspielerin. Das hilft ihr bei der Vermarktung, vor allem aber profitiert sie von den vielen Einflüssen: In Kanada hat sie Sympathiepunkte gesammelt, weil sie in Pressekonferenzen im frankophonen Ottawa locker parlierte in ihrer zweiten Muttersprache Französisch.

          Kulturbedingte Ausreden

          Und auch als Fußballspielerin habe ihr die Herkunft geholfen, die sie eine Zeit lang auch mit den auf ihren Schuhen eingestickten Flaggen Deutschlands, Frankreichs und Kameruns dokumentiert hat. „Ich finde es total cool, mit welchen Kulturen ich in meiner Familie in Kontakt komme“, sagt Sasic und fügt schmunzelnd hinzu: „Wenn ich eine Ausrede für Unpünktlichkeit brauche, dann bin ich eben afrikanisch. Wenn ich mal was zu meckern habe, dann bin ich deutsch. Und wenn ich gemütlich und gut esse, dann bin ich eben Französin. Und wenn ich mal zu lange feiere, dann ist eben mein Mann schuld.“ Der ist der Sohn des einst beim 1. FC Kaiserslautern in der Zweiten Bundesliga tätigen Trainers Milan Sasic, serbo-kroatischer Abstammung und für die Vereinfachung des Mädchennamens Okoyino da Mbabi verantwortlich.

          Der erste Fingerzeig für die Konkurrenz: Celia Sasic (l., mit Alex Popp) hat gegen die Elfenbeinküste drei Tore erzielt

          Und so steht der Name Sasic nun ganz weit oben in den Statistiken des Deutschen Fußballbunds: Ihre Torquote ist nur knapp schlecht ist als die der in allen Belangen Maßstäbe setzenden deutschen Rekordspielerin Birgit Prinz. Die dreimalige Weltfußballerin hat in 214 Einsätzen 128 Treffer erzielt, Celia Sasic nun 60 Tore in 105 Spielen. „Aber mit Birgit kann ich mich nicht vergleichen. Sie hat mir viele Titel voraus und das zählt“, sagt sie.

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