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Celia Okoyino da Mbabi : Ballons an den Füßen

Sekunden nach dem abgeschlossenen Alleingang: da Mbabi trifft zum 2:0 gegen Kanada Bild: dpa

Schon für die WM 2007 hatte sich Celia Okoyino da Mbabi viel vorgenommen, bis ein Schienbeinbruch sie bremste. Der zweite Anlauf beginnt erfolgsversprechend. Auf den Sieg über Kanada folgte der Celia-Okoyino-da-Mbabi-Tag.

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          Am Montag war Siebenschläfertag. Eine alte Bauernregel spricht dem Tag bekanntlich Wirkung für die kommenden Wochen zu. „Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne“, lautet eine Variante der in Versform gepackten Weisheit. So mag es für die deutschen Fußballfrauen ein gutes Omen sein, dass am Montag eine derjenigen Spielerinnen Geburtstag gefeiert hat, die definitiv Anlass zur Wonne an ihrem Jubeltag hatte. Celia Okoyino da Mbabi hat am Sonntagabend nicht nur nach einem Alleingang über das halbe Feld das zweite Tor erzielt beim 2:1-Auftaktsieg ihres Teams gegen Kanada. Die in Bonn aufgewachsene Tochter einer französischen Mutter und eines kamerunischen Vaters durfte sich auch über ihren neuen Status als Startelfspielerin freuen, den sie mit ihrer Leistung im Eröffnungsspiel vorläufig bestätigt hat.

          Celia Okoyino da Mbabi war überraschend für Torjägerin Inka Grings in die Startelf gerückt, nachdem sie Bundestrainerin Silvia Neid in den letzten Trainingseinheiten der elfwöchigen Vorbereitung und vor allem auch in den jüngsten Testspielen überzeugt hatte. Als einzige Spielerin traf sie in jedem der vier Duelle. „Celia hat sich in den vergangenen Monaten unglaublich weiterentwickelt und einfach gute Trainingsleistungen gezeigt“, sagte Nationalmannschaftsmanagerin Doris Fitschen am Montag. „Und sie hat gegen Kanada mit ihrer Leistung die Aufstellung gerechtfertigt.“

          Somit veränderte Bundestrainerin Silvia Neid ihre Startelf wenigstens auf einer Position gegenüber dem EM-Finale 2009, dem letzten Pflichtspiel ihrer Elf vor dem Debüt bei der Heim-WM – und lag mit dieser Personalentscheidung nicht nur wegen des Tores goldrichtig. Vermutlich hat sie auch darauf gesetzt, dass Celia Okoyino da Mbabi das ausverkaufte Olympiastadion „nicht als Rucksack, sondern Ballon an den Füßen“ empfinden würde, wie sie es kürzlich vorausgesagt hatte. Diese Lockerheit bewies sie auch bei ihrem Treffer in der 42. Minute, als sie von der Mittellinie aus unbedrängt auf Torhüterin Erin McLeod loszog. Manche Stürmerin kommt dabei allzu sehr ins Nachdenken, vor allem vor einer so ungewohnten Kulisse. „Mich hat das volle Stadion aber beflügelt“, sagte Celia Okoyino da Mbabi nach dem Sieg vor gut 73.000 Fans.

          Neuer Status: Gegen Kanada stand da Mbabi (unten, 3.v.l.) in der Startelf

          Sinnvolle Arbeit mit hohem Spaßfaktor

          Ein solcher Erfolg war in der Karriereplanung der Studentin der Kulturwissenschaft, die mit einem Oberligaspieler, einem Sohn des Zweitligatrainers Milan Sasic, liiert ist, schon für die Weltmeisterschaft 2007 geplant. Sie galt schon damals als eines der größten Talente im deutschen Frauenfußball, zudem ist sie eine der Lieblingsspielerinnen von Bundestrainerin Silvia Neid. Die nahm sie zu ihren Zeiten als Nachwuchstrainerin im Deutschen Fußball-Bund (DFB) 2004 schon einmal als jüngste Spielerin im Alter von 15 Jahren zur U 19-WM mit, wo sie neben heutigen Nationalspielerinnen wie Annike Krahn, Babett Peter, Simone Laudehr, Melanie Behringer oder Lira Bajramaj maßgeblich zum Titelgewinn beitrug.

          Kurz vor der ersten WM mit der A-Nationalmannschaft endete der steile Aufstieg des Sturmtalents freilich nach einem Schienbeinbruch im Sommer 2007. Celia Okoyino da Mbabi verpasste das Turnier und musste sich wieder herankämpfen. „Nun aber bin ich da“, sagt sie. „Und ich fühle mich besser denn je.“ Neben ihren Verdiensten auf dem Platz leistet sie noch an einer zweiten Front wichtige Arbeit im Auftrag des DFB: Als ehrenamtliche Integrationsbotschafterin soll sie mit ihrem Lebensweg als glaubwürdiges Vorbild für andere Mädchen mit Migrationshintergrund dienen. „Diese sinnvolle Arbeit macht mir unheimlich Spaß“, sagt Celia Okoyino da Mbabi.

          Den wird sie auch am Montag gehabt haben. Am Nachmittag erhielt sie nach der Landung in Frankfurt aus dem Nationalmannschaftskreis die obligatorischen DFB-Geschenke, eine Geburtstagstorte sowie das Ständchen von den Teamkolleginnen und die traditionelle Geburtstagsansprache von Torwarttrainer Thomas Fuchs. Der Celia-Okoyino-da-Mbabi-Tag könnte demnach einmal als ein wegweisendes Datum ins mögliche Erfolgsmärchen dieser Weltmeisterschaft eingehen. Ihm müssen anders als dem Siebenschläfertag sogar nur drei Wochen Wonne bis zum Endspieltag am 17. Juli folgen.

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