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Birgit Prinz im Gespräch : „Von Silvia Neids Seite kam da wenig“

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„Ich hinterfrage jetzt im Nachhinein so einiges. Das zeigte keine Unterstützung der vermittelten Position” Bild: Foto - F.A.Z. Wolfgang Eilmes

Die deutsche Mannschaft flog schon im Viertelfinale aus der Frauenfußball-WM. Für Birgit Prinz endete das Turnier gar auf der Ersatzbank. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über ihr gestörtes Verhältnis zu Bundestrainerin Neid und riesigen Erfolgsdruck.

          9 Min.

          Es war der Aufreger dieser Weltmeisterschaft: Birgit Prinz, Frauenfußball-Ikone und Kapitänin des deutschen Teams, wurde in Rekordzeit zur Reservistin degradiert. Damit endete die größte deutsche Nationateam-Karriere nach 214 Länderspielen und 128 Toren relativ würdelos. In der Woche nach dem deutschen WM-Aus spricht Birgit Prinz erstmals über die Ursachen der missglückten Heim-WM.

          Sind Sie überrascht, dass Silvia Neid sich kurzfristig entschlossen hat, doch weiterzumachen als Bundestrainerin, obwohl sie vor wenigen Tagen noch anführte, für diese Entscheidung eine längere Bedenkzeit zu benötigen?

          Ich habe die vielen Meldungen nicht richtig verfolgt. Ich hatte keine Lust, direkt nach dem Ausscheiden solche Dinge zu lesen. Ich finde aber, es ist von ihr eine schnelle Entscheidung, die natürlich erstmal Ruhe in die Diskussion bringt.

          „Keine offensive Spielerin konnte sich bis zum Turnierstart sicher sein, ob sie auf der Bank sitzt oder spielt. Was für eine Spielerin, wenn der Druck sowieso schon hoch ist, einfach gefährlich ist”

          Fast immer hat ein misslungenes Turnier die Trennung zur Folge. Hat das nicht eine gewisse Logik, weil der Bundestrainer sonst eher geschwächt in die nächste Phase geht?

          Ich denke, es sind beide Wege möglich. Es ist auch ein guter Weg zu sagen: Wir wollen Kontinuität, wir vertrauen ihrer Arbeit, und wir lernen aus den Fehlern, die wir gemacht haben. Sie hat als Trainerin gezeigt, dass sie Erfolge mit der Mannschaft haben kann. Jetzt war eine neue Situation, und alle Beteiligten sollten daraus lernen. Aber das disqualifiziert Silv nicht als gute Trainerin für die Nationalmannschaft.

          Was war denn nun der Hauptgrund für das Scheitern?

          Ich denke wir waren sportlich fit. Wir waren taktisch gut aufgestellt. Wir haben zudem sehr gute Einzelspielerinnen. Aber wir haben es im entscheidenden Moment nicht geschafft, als Mannschaft so zu überzeugen, wie wir das gekonnt hätten.

          Für Sie war diese WM eine ganz besondere Enttäuschung. Was ist schiefgelaufen zwischen Ihnen und der Bundestrainerin?

          Bezogen auf sie denke ich, dass die Kommunikation nicht an jeder Stelle optimal gelaufen ist. Das war nicht die starke Seite.

          Was heißt das? Wie war die Absprache bezüglich Ihrer Rolle als Kapitänin der deutschen Elf?

          Im Prinzip hat mir Silv vor Beginn des Turniers vermittelt, eine Führungsrolle in diesem Team zu spielen. So wirkte es auf mich, so wirkten ihre Aussagen. Aber wir haben nicht explizit darüber gesprochen.

          In den Testspielen sind Sie oft vorzeitig in der zweiten Halbzeit ausgewechselt worden.

          Ich hinterfrage jetzt im Nachhinein so einiges. Das zeigte keine Unterstützung der vermittelten Position.

          Wie können wir uns die Kommunikation bei der WM vorstellen?

          Eher begrenzt. Wahrscheinlich wäre es gut gewesen, wenn ich von mir aus die Kommunikation zu ihr früher gesucht hätte. Von ihrer Seite kam da eher wenig. Nach dem ersten WM-Spiel ging ich auf sie zu, aber es hat nicht zu Veränderungen geführt.

          Wie kam es zu diesem Gespräch?

          Ich hatte zum frühen Zeitpunkt der WM das Gefühl, dass ich sehr kritisch gesehen werde und dass nur auf Fehler von mir gewartet wird. Da wollte ich wissen, wo ich aus ihrer Sicht stehe.

          Welche Hinweise haben Sie das vermuten lassen?

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