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Birgit Prinz : Der große Auftritt der Kapitänin

Eine Befreiung: Birgit Prinz öffnet sich mit einem starken Auftritt Bild: dpa

Ein Idol begibt sich auf die Ersatzbank: Auch im schwersten Moment ihrer Karriere stellt sich Birgit Prinz, die Anführerin der deutschen Fußballfrauen, in den Dienst ihrer Mannschaft. Sie öffnet dafür in Wolfsburg ihr Herz.

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          In ihren oberflächlichsten Momenten erinnert diese WM manchmal an eine Doku-Soap im Fernsehen. Bei den Pressekonferenzen des deutschen Teams etwa geht es so oft um Beiläufigkeiten, dass man sich irgendwie an diese Einspielfilme erinnert fühlt, in denen die Darsteller von ihren kuriosen Erlebnissen vor der Kamera berichten. Unterhaltungswert: wer es mag, Substanz: gering. Auch am Donnerstag in Wolfsburg begann es wieder so. Ein bisschen Nähkästchengeplauder über den Besuch der Kanzlerin, ein paar Sätze über die Twitter- und Facebook-Aktivitäten, zwischendurch auch mal was Sportliches zum Viertelfinalgegner Japan. Aber nichts, was die Wohlfühlatmosphäre, die dieses Turnier aus allen Poren verströmt, gestört hätte.

          Dann betrat Birgit Prinz das Podium. Die Worte, die der Medienchef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur Begrüßung wählte - „mach's dir gemütlich“ - wirkten nicht unpassend in diesem Moment. Eine Viertelstunde später aber waren sie von der Wirklichkeit ad absurdum geführt. Birgit Prinz nämlich machte es sich höchst ungemütlich. In einer Mischung aus Selbstkritik und Selbstanalyse, die es im Profisport mit seiner Tabuisierung von (mentaler) Schwäche nur selten gibt, schilderte die deutsche Rekordspielerin und -torschützin die vergangenen Tage, in denen sie von der Symbolfigur des Frauenfußballs zu einer Reservistin im WM-Team wurde.

          Wie groß der Druck gewesen sei, den sie sich selbst gemacht habe. Wie sehr sie unter der Kritik, vor allem der Medien, gelitten habe (sie sprach sogar von „Hetzjagd“). Wie sie in der Erregung nach der frühen Auswechslung im Nigeria-Spiel kurz überlegt habe, alles hinzuschmeißen: „In der ersten Emotion gab es das: Was soll das eigentlich? Was tu' ich mir hier noch an?“ Der Kern ihrer Botschaft aber war ein anderer: Dass sie einen Weg gefunden habe, mit der Situation umzugehen und das Team nach Kräften unterstützen werde – auch in der Rolle als Ersatzspielerin.

          Neu sortiert: Birgit Prinz findet zu sich selbst

          Die 33 Jahre alte Angreiferin vom 1. FFC Frankfurt schilderte den Weg dahin so: „Ich habe versucht zu verstehen: Was trifft mich jetzt so arg? Und auch: Was kann die Lösung dafür sein? Eine Lösung wäre gewesen zu sagen: Ich stecke jetzt den Kopf in den Sand und lasse ihn drin, dann kann auch keiner mehr draufhauen und dann tut es auch nicht mehr so weh. Die zweite Möglichkeit war eben, zu sagen: Ich probiere aufzustehen und schaue, was ich für die Mannschaft tun kann.“ Daran, dass sie sich vorerst nicht mehr als Kandidatin für die Startelf sieht, ließ sie keinen Zweifel. „Ich denke, dass es wenig Grund gibt, in der Offensive etwas zu verändern“, sagte sie im Hinblick auf das erste K.o.-Spiel am Samstag in Wolfsburg gegen Japan (20.45 Uhr, live im ZDF).

          Einblick ins Innenleben

          Es war kein Auftritt, der ihr leicht fiel. Birgit Prinz redet nicht gern für die Öffentlichkeit, und bei aller Souveränität ihrer Worte schien sie sich nicht immer auf festem Grund zu fühlen. Aber sie hatte sich diesen Auftritt gewünscht, auch auf der großen Bühne. Und auch genau an diesem Tag, an dem das Thema Birgit Prinz für die Agenda der Medien eigentlich schon Vergangenheit war, insbesondere nach der furiosen Vorstellung der deutschen Elf beim 4:2 gegen Frankreich – ohne sie. Birgit Prinz war aber eben erst jetzt bereit zu reden. „In den ersten Tagen“, sagte sie, „hätte ich das so nicht hingekriegt. Jetzt war ich der Meinung, dass ich es ganz gut verarbeitet habe und mich stellen kann.“

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