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Birgit Prinz : Der große Auftritt der Kapitänin

Und so tat sie etwas, was sie höchst selten tut: Sie trug ihr Innenleben nach außen. Vor zwei Jahren hatte es das schon einmal gegeben, bei der EM in Finnland – wenn auch in viel kleinerer Dimension. Schon damals analysierte sie die beiden Mechanismen, die ihr das Leben als Fußballerin, das sie eigentlich so liebt, mitunter schwer machen: den Mechanismus der Medien, die eben alles gerne eine Nummer größer machen, als man es vielleicht selbst empfindet. Aber auch den Mechanismus der eigenen Psyche: Dass die mentale Blockade, in die sie nun wieder geraten ist, dem Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung folgt. „Ich habe gemerkt, dass mir die Stimmung von außen nicht unbedingt zugetan ist, dass man eigentlich nur darauf wartet, dass ich einen Fehler mache und man schreiben kann, dass die Jungen besser sind als ich“, sagte sie. „Und da habe ich mir einfach zu viel Druck gemacht.“ Mit den bekannten Folgen.

Erinnerung an Kahn

Birgit Prinz wusste also, dass es so kommen könnte. Doch weder ihr Psychologie-Studium noch die Unterstützung durch eine Psychologin in ihrer Heimatstadt Frankfurt konnten den Mechanismus außer Kraft setzen. Das alles mündete in jene Situation, die Silvia Neid nach dem Frankreich-Spiel öffentlich machte: die Frage der Bundestrainerin, ob sich die Kapitänin in der Lage fühle, dieses Spiel wirklich zu machen. Der Verzicht sei ihr natürlich schwergefallen, sagte Birgit Prinz, aber er sei nötig gewesen: „Es hätte mir in dem Moment nichts gebracht, es hätte der Mannschaft nichts gebracht und dann ist es manchmal sinnvoller, Entscheidungen zu treffen, die für einen selbst auch nicht ganz einfach sind.“

Unmittelbar daran schloss die eine der beiden Fragen an, die am Mittwoch offen blieben. Nämlich, was Birgit Prinz wirklich davon hielt, dass Silvia Neid diesen Austausch – unabgestimmt – ausgeplaudert hatte. Die Kapitänin a.D. behauptete zwar, damit „d'accord“ gewesen zu sein und verlor auch sonst kein negatives Wort über „Silv“, wie die älteren Spielerinnen die Bundestrainerin nennen. Ganz überzeugend wirkte sie dabei aber nicht. Die zweite Frage drehte sich darum, ob es für den Frauenfußball insgesamt nicht sogar ein Fortschritt sei, wenn er nun auch von handfester (medialer) Kritik begleitet werde. „Dann freue ich mich, wenn ich das nun eingeleitet habe“, sagte Birgit Prinz – und hätte nicht hinzufügen müssen, dass sie es ironisch meinte.

An den Männerfußball fühlte sich mancher Beobachter ohnehin erinnert. Konkret an Oliver Kahn, der sich nach der Degradierung unmittelbar vor der WM 2006 dazu durchrang, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Mit einem Unterschied: Oliver Kahn, der Titan, musste sich dafür neu erfinden. Birgit Prinz hingegen, die Teamplayerin, konnte ganz sie selbst bleiben. Auch wenn ihre Rolle jetzt eine andere ist.

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