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Frauenfußball-WM : Das amerikanische Vermächtnis

Frau des Tages: Dreifachtorschützin Carli Lloyd Bild: USA Today Sports

Die Fußballfrauen aus den Vereinigten Staaten sichern sich erstmals seit 1999 den WM-Titel. Nach einem 5:2-Finalsieg gegen Titelverteidiger Japan ist die Karriere von Abby Wambach vollendet. Heldin des Spiels ist aber Carli Lloyd. Und die Deutschen bekommen einen Trostpreis.

          Carli Lloyd hatte große Worte gesprochen in den Tagen vor dem Finale der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Kanada. „Wir sind nicht hier, um Zweiter zu werden. Ich will ein Vermächtnis hinterlassen, die Leute sollen sich an mich erinnern“, sagte Lloyd nach dem Halbfinalsieg gegen die deutsche Auswahl am vergangenen Dienstag in Montreal.

          Fünf Tage später und rund 4000 Kilometer weiter westlich setzte sie ihr Vorhaben in die Tat um. Beim 5:2-Endspielsieg der neuen Weltmeisterinnen aus den Vereinigten Staaten gegen den alten Weltmeister aus Japan erzielte Lloyd drei Tore (3./5./16. Minute) und sicherte sich damit die Ehrung zur besten Spielerin des Turniers. Die Leistungen bei der WM werden Llyod mit Sicherheit auch den Titel der Weltfußballerin bescheren. „Ich war heute auf einer Mission“, sagte sie und verriet, dass sie sich vor einigen Wochen bei einem Lauftraining mit der mentalen Trainingstechnik des Visualisierens vorgestellt habe, im WM-Finale vier Tore zu erzielen. Hinter dieser Marke blieb sie dann doch zurück.

          Frau für die großen Momente

          Lloyd bestätigte mit ihren drei Treffern, so viele hatte noch nie ein Mann oder eine Frau in einem WM-Endspiel erzielt, aber ihren Ruf, eine Frau für die ganz großen Momente zu sein: Sie hatte bei dieser WM in allen vorangegangenen K.o.-Runden wichtige Treffer erzielt und schon zwei olympische Endspiele entschieden - davon eins 2012 gegen Japan. „Sie hat uns das in London schon mal angetan mit zwei Toren, heute hat sie drei gemacht“, sagte Norio Sasaki, der faire Trainer der unterlegenen Japanerinnen die somit im Endspiel am Unterfangen einer Titelverteidigung scheiterten. „Sie ist eine exzellente Spielerin. Ich bewundere sie.“

          Unglückliche Figur: Torfrau Ayumi Kaihori kassiert fünf Gegentore, davon eines von der Mittellinie Bilderstrecke

          In Vancouver brachte Lloyd den nun dreifachen Rekordweltmeister vor der vor allem von amerikanischen Fans dominierten fantastischen Kulisse von 54.000 Zuschauern im ausverkauften BC Palace bereits in der dritten Minute nach einem Eckball von Megan Rapinoe aus sieben Metern in Führung.

          Nur zwei Minuten später stocherte sie das Spielgerät nach einer Freistoßhereingabe von Lauren Holiday aus drei Metern ins Tor. Beide Tore waren Folgen einer guten Planung durch den darauf spezialiserten Assistenz-Trainer Toni Gustafsson: Sie entsprangen flach ausgeführten Standards. Das überraschte die Japanerinnen offensichtlich vollkommen, da sie aufgrund ihrer Größennachteile mit hohen Hereingaben gerechnet hatten.

          Die Amerikanerinnen hatten aber noch nicht genug: Nach einem schweren Fehler von Asuza Iwashimizu drosch Lauren Holiday den Ball aus zwölf Metern volley ins Tor (14.). Wiederum nur zwei Minuten später sorgte Carli Lloyd dann endgültig dafür, dass ihr schon nach dem Halbfinalsieg gegen Deutschland angekündigtes Vorhaben eines Vermächtnisses spätestens seit diesem 5. Juli 2015 Realität ist. Sie überwand die japanische Schlussfrau Ayumi Kaihori bei diesem Treffer von der Mittellinie aus. „Das war einfach Instinkt, sonst nichts. Ich habe heute wie im Tunnel gespielt in den ersten 30 Minuten.“

          Torschützenkönigin Sasic

          Dass das Spiel nach einer Viertelstunde entschieden war, dürfte auch den deutschen Spielerinnen entgegengekommen sein. So stiegen auch jene Spielerinnen, die bereits um 16.15 Uhr Ortszeit Kurs nahmen Richtung Frankfurt, mit der Gewissheit in ihren Flieger, den neuen Weltmeister zu kennen. Diejenigen aus dem deutschen Team, die in einer merkwürdigerweise gebildeten zweiten Reisegruppe auf ihren zweieinhalb Stunden später startenden Flug nach München warteten, durften anschließend noch eine winzige Erfreulichkeit konstatieren: Dank Japans erstem Gegentor durch Yuki Ogimi blieb wenigstens Nadine Angerer, die wegen eines Einsatzes für ihren amerikanischen Klub Portland Thorns am kommenden Wochenende direkt in Nordamerika blieb, ein Weltmeisterschaftsrekord erhalten.

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