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5:3 n.E. gegen Vereinigte Staaten : Japanische Traumreise zum WM-Titel

Traumhafter Abend für Japan: Homare Sawa, die Weltmeisterinnen und der Pokal Bild: dpa

Ein dramatisches Finale findet die Entscheidung im Elfmeterschießen: Die Nerven versagen bei drei Amerikanerinnen - Japan ist zum ersten Mal Fußball-Weltmeister.

          3 Min.

          Dieses Finale war an Leidenschaft und an Dramatik kaum zu überbieten. Zwei Mal gingen die Amerikanerinnen in Führung, beide Male wähnte das Publikum sie schon als neue Weltmeisterinnen. Doch beide Male wussten die Japanerinnen eine Antwort. 1:1 stand es nach 90 Minuten durch die Tore von Alex Morgan (69.) und Aya Miyama (81.), 2:2 nach dem Ende der Verlängerung, in der Abby Wambach (104.) und Homare Sawa (117.) die weiteren Treffer erzielten.

          So musste also das Elfmeterschießen das Endspiel des sechsten Frauen-Weltturniers entscheiden. Und am Ende hatten sogar die Japanerinnen, das Überraschungsteam dieses Turniers, das bessere Ende für sich. Saki Kumagai verwandelte den entscheidenden Elfmeter, der den Asiatinnen den ersten Weltmeistertitel überhaupt bescherte. Es war ein Sieg der spielstärksten, an diesem Abend aber auch zähesten Mannschaft des Turniers - etwas glücklich gegen die anfangs hochüberlegenen Amerikanerinnen, aber gewiss auch nicht unverdient.

          Es war zugleich der Schlusspunkt unter einen packenden Abend, der aus Sicht der deutschen Organisatoren auch für einen würdigen Abschluss des Turniers stand, das vor drei Wochen in Berlin mit einem deutschen Sieg gegen Kanada begonnen hatte. Natürlich war das Finale ausverkauft, und so sahen 48.800 Zuschauer, unter ihnen Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel, den japanischen Sieg - wenn auch am Ende etwas Glück im Spiel war. Bibiana Steinhaus, die als Schiedsrichterin Deutschland vertrat, war alles in allem eine umsichtige Leiterin des Finales. Bei der Roten Karte gegen Azusa Iwashimizu unmittelbar vor Ende der Verlängerung hatte sie kaum eine andere Wahl.

          Viele Hände, ein Pokal: Die Japanerinnen mit dem verdienten Lohn
          Viele Hände, ein Pokal: Die Japanerinnen mit dem verdienten Lohn : Bild: AFP

          Die Amerikanerinnen beginnen stark

          Nach einer kleinen Einstimmung, die ebenso kurz ausfiel wie die Berliner Eröffnung, hatte das Finale höchst munter begonnen - allerdings nur von Seiten der Amerikanerinnen. Nach nicht einmal 20 Sekunden besaß Lauren Cheney die erste hervorragende Chance, nachdem sie sich auf dem linken Flügel durchgesetzt hatte. Und nach 20 Minuten hatte sich das Team von Pia Sundhage schon sechs ordentliche Möglichkeiten erspielt. Die schwedische Trainerin hatte ihre Einwechselspezialistin Megan Rapinoe anstelle von Amy Rodriguez von Beginn an gebracht. Und es war eindrucksvoll, mit wie viel Geschick im Zustellen der japanischen Passwege, Zweikampfstärke sowie Wucht im Spiel nach vorn die Amerikanerinnen die Anfangsphase beherrschten.

          Vor allem Megan Rapinoe und Lauren Cheney waren kaum in den Griff zu bekommen. Im Mittelfeld hielt Carli Lloyd die Fäden in der Hand. Und spätestens der sehenswerte Lattenschuss von Abby Wambach nach gut 28 Minuten wäre einen Treffer wert gewesen. Die Japanerinnen hingegen hatten große Mühe, ihr Passspiel in Gang zu bekommen, eine Annäherung an den Strafraum gelang kaum. Trainer Norio Sasaki hatte keinen Grund gesehen, das Team, das Schweden 3:1 bezwungen hatte, zu verändern. Doch mit diesem aggressiv verteidigenden Gegner kam das japanische Kurzpass-Kollektiv lange Zeit überhaupt nicht zurecht. Nicht einmal Homare Sawa, die insgesamt eine exzellente fünfte WM gespielt hat, konnte sich in Szene setzen.

          Wenn, dann waren es die Einfälle von Shinobu Ohno, die einen Weg zum amerikanischen Tor ebneten. Kozue Ando vom FCR Duisburg besaß nach Zuspiel von Shinobu Ohno die größte Chance (30.). Erst gegen Ende der ersten Hälfte gelang es den Japanerinnen, sich nach und nach aus dem amerikanischen Netz zu befreien. Dass sie aber durchaus eine Chance besaßen, wussten sie. Zum einen waren sie auch im Viertelfinale gegen Deutschland lange chancenlos gewesen, ehe ihre Strategie es vorsah, sich allmählich ein Herz zu fassen. Zum anderen wirkte die amerikanische Defensive keinesfalls wie ein Hort der Sicherheit.

          Sawa bereitet das große Finale vom Punkt vor

          Das Frankfurter Publikum hatte keinen klaren Favoriten, die Sympathien waren annähernd gleich verteilt - wenn man von den kleinen Abzügen für das Zeitspiel der japanischen Torhüterin Ayumi Kaihori absah (die unabhängig davon ein hervorragendes Spiel machte). In jedem Fall war es aber ein würdiger, ein stimmungsvoller Rahmen für dieses Finale. Und umgekehrt kamen die Zuschauer auf ihre Kosten. Nach der Pause waren erstmal wieder die Amerikanerinnen am Zug. Alex Morgan, gerade für Lauren Cheney ins Spiel gekommen, traf aus kurzer Distanz den Pfosten.

          Wenig später machte das Schiedsrichterteam um Bibiana Steinhaus seinen einzigen groben Fehler, als es die enteilte Shinobu Ohno zu Unrecht wegen Abseits zurückpfiff. Das Finale schien sich zum ersten Mal zu Gunsten der Amerikanerinnen zu neigen, als Megan Rapinoe einen langen Pass auf Alex Morgan schlug, und die junge Angreiferin mit ihrem Linksschuss zum 1:0 traf. Es war nicht das erste Mal bei diesem Turnier, dass Pia Sundhage ein glückliches Händchen mit ihren Einwechslungen besaß.

          Es hätte ihr wertvollster sein können, wenn nicht die Innenverteidigung mit einer Tölpelei das Angriffwerk zunichte gemacht hätte. Rachel Buehler schoss so ungeschickt Alex Krieger an, dass Aya Miyama aus kurzer Distanz freie Bahn zum Ausgleich hatte. Auch in der Verlängerung legten die Amerikanerinnen vor: durch einen Kopfball von Abby Wambach. Homare Sawa aber glich mit ihrem fünften Turniertor noch einmal aus - und bereitete damit das große Finale vom Punkt vor.

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