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2:1 gegen England : Am Geburtstag ins Finale

Bild: Reuters

Abseitstor, Elfmeter verschossen und Gelb-Rot: Englands Traum vom Finale der Frauenfußball-WM ist geplatzt, weil die Amerikanerinnen effizienter spielten. Während Alex Morgan an ihrem Geburtstag traf, bangt der Titelverteidiger vor dem Finale um ihre Beste.

          Alex Morgan hat sich an ihrem 30. Geburtstag selbst eines der schönsten Geschenke beschert, das es für eine Fußballerin gibt: Sie und ihr amerikanisches Fußball-Nationalteam dürfen dank eines Treffers des Superstars das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich bestreiten. Morgan brachte die Titelverteidigerinnen beim 2:1-Sieg gegen England nach der frühen Führung durch Christen Press (10. Minute) und dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Ellen White (19.) mit ihrem Tor auf Kurs Richtung Finale, in dem der Gegner am Sonntag (17 Uhr, im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM und in der ARD und auf DAZN) Niederlande oder Schweden heißt.

          Dabei hatte die dritte Prüfung in Serie für die Amerikanerinnen in der K.o.-Runde gegen ein europäisches Team mit einer schlechten Nachricht begonnen: Megan Rapinoe musste wegen einer Oberschenkelverletzung auf einen Einsatz verzichten. Ob die auf dem Feld wegen ihrer zuletzt vier Tore in Serie wie abseits des Feldes durch ihren Protest gegen Präsident Donald Trump prägende Spielerin des Turniers im Finale zum Einsatz kommen kann, ist damit fraglich. Rapinoe zeigte im Rahmen ihrer Möglichkeiten dennoch vollen Einsatz, als sie beim Aufwärmen immer wieder ihre Mitspielerinnen anfeuerte. Während des Spiels wurde die 33 Jahre alte Rapinoe zu einer Art persönlichen Betreuerin von Christen Press, die für sie auf die Position auf der linken Außenbahn ins Team rückte. Sie reichte ihr beispielsweise an der Seitenlinie die Trinkflasche, wenn es eine Gelegenheit zu einer Trinkpause gab.

          Frauenfussball-WM 2019

          England musste derweil auf die verletzte Torhüterin Karen Bardsley verzichten, die den Platz Carly Telford überließ. Die englische Nummer zwei musste sich früh auszeichnen, weil die Amerikanerinnen wie in allen Spielen auf ein frühes Tor drängten. Lavelle hatte nach vier Minuten die erste Chance, nachdem sie sich an der Torauslinie durch einen Beinschuss gegen Innenverteidigerin Millie Bright in einer hervorragende Schussposition manövriert hatte. Telford wehrte glänzend ab.

          Immer wieder frühe Führungen der Amerikanerinnen

          Trotzdem gelang den Titelverteidigerinnen das frühe Tor: Rose Lavelle ließ einen Pass von Tobin Heath mit Übersicht durch ihre Beine rollen und überraschte damit die englische Offensive. Die Flanke von Kelley O’Hara landete dann am langen Pfosten, wo ausgerechnet Rapinoe-Ersatz Christen Press einköpfte (10.). Kurioserweise bleibt damit zumindest bis zum Finale das im Auftaktspiel mit der höchsten WM-Niederlage der WM-Geschichte mit 0:13 unterlegene Team aus Thailand die Mannschaft, gegen die die Amerikanerinnen am längsten für ihren Führungstreffer benötigt haben. Die Thailänderinnen hielten bis zur zwölften Minute durch, ehe die Dämme brachen.

          Damit war das englische Vorhaben gescheitert, die Amerikanerinnen mit den eigenen Waffen und einer eigenen frühen Angriffswelle zu schocken. „Wir wollen es zu einer körperlichen Schlacht werden lassen“, hatte Millie Bright vor der Partie gesagt. „Wir werden den Amerikanerinnen Gleichwertiges entgegensetzen.“

          Das war anfangs nicht gelungen. Aber die Engländerinnen fanden kaltschnäuzig durch die erste gelungene Offensivaktion zurück ins Spiel: Beth Mead flankte von links, Ellen White vollstreckte in Torjägermanier (19.). Die Amerikanerinnen ließen sich vom Gegentreffer kurzzeitig beeindrucken: Nach einem Flankenball von Keria Walsh lenkte Becky Sauerbrunn beinahe einen Ball ins eigene Tor. Freilich ergaben sich in einem beiderseits mit offenem Visier geführten Auseinandersetzung auch Chancen: Nach Flanke von Lindsey Horan nutzte Alex Morgan ihre erste Großchance. Die Torjägerin köpfte zum 2:1 ein (31.), was ihr ein von angeblich bis zu 20.000 amerikanischen unter gut 53.000 Zuschauern im Stade de Lyon dargebrachtes „Happy Birthday“ bescherte. Morgan war damit nach Fifa-Angaben die erste Spielerin überhaupt, die an ihrem Geburtstag ein WM-Tor erzielt hat und zog damit nebenbei mit ihrem sechsten WM-Treffer in der Torjägerinnenliste wieder gleich mit der Engländerin Ellen White.

          In der zweiten Hälfte kontrollierten die Amerikanerinnen weitgehend das Geschehen, sie hatten aber auch Glück: Whites abermals kaltschnäuzig vollstreckter vermeintlicher Ausgleichstreffer wurde nach Überprüfung durch den Videoassistenten zurecht die Anerkennung wegen einer Abseitsstellung verweigert (67.). Und dann endeten die englischen Träume mit einem alten, von den Männern bekannten Trauma: Spielführerin Steph Houghton schoss einen nach Videoassistenenhinweis verhängten Elfmeter zu harmlos in die Arme der amerikanischen Schlussfrau Alyssa Naeher (84.). Im Frust über die Niederlage handelte sich die englische Abwehrspielerin Bright noch durch ein Foul an Morgan eine Gelb-Rote Karte ein.

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