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Frauenfußball : Schüller beschert Hrubesch siegreiches Debüt

Lea Schüller (links) feiert mit Leonie Maier das zweite ihrer vier Tore Bild: dpa

Die junge Lea Schüller schießt beim Debüt des alten Horst Hrubesch als Trainer alle vier Tore zum deutschen Sieg gegen Tschechien. Es bleibt aber noch viel zu tun im deutschen Frauenfußball.

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          Die Pflicht ist vollbracht. Dank vier Treffern der erst 20 Jahre alten Stürmer-Neuentdeckung Lea Schüller (4./31./68./79.) Minute) hat das deutsche Fußball-Nationalteam der Frauen das WM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien in Halle mit 4:0 gewonnen und somit für ein siegreiches Debüt des Interims-Bundestrainers Horst Hrubesch gesorgt. Damit übernimmt das deutsche Team in der Qualifikationsgruppe 5 wieder die Tabellenführung, weil es ein Spiel mehr als das am Vorabend mit 2:0 gegen Slowenien erfolgreiche Island bestritten hat.

          Am Dienstag steht nun die drittletzte Partie der Qualifikationsrunde in Slowenien an (16 Uhr/ZDF). Dann muss Deutschland abermals gewinnen, um mit einem Sieg im folgenden Spiel in Island aus eigener Kraft die Qualifikation fürs Endturnier in Frankreich sichern zu können. Ein Sieg würde zudem schon einmal zumindest einen Platz in der Relegation der vier besten Gruppenzweiten der sieben WM-Qualifikationsgruppen weitgehend sicherstellen. Für dieses Ranking zählen nur die Partien unter den besten vier der fünf Teams pro Gruppe. Im letzten Spiel im September reist das deutsche Team zum punktlosen Tabellenletzten Färöer.

          „Spielerinnen mit Rucksack“

          Ein Wunderheiler ist Hrubesch freilich nicht: Das deutsche Team offenbarte auch im ersten Spiel unter dem Interims-Bundestrainer jene Schwächen, die zum Ende der kurzen Amtszeit von Vorgängerin Steffi Jones geführt hatten. Im Aufbauspiel leistete sich das erstmals mit dem Innenverteidigerinnen-Duo Kristin Demann und Sara Doorsoun angetretene deutsche Team immer wieder schwere Fehler, die die erst nach dem zweiten Gegentreffer mutiger agierenden Tschechinnen freilich nicht auszunutzen wussten. Nachdem das von Hrubesch gewünschte „klare Aufbauspiel nach vorne“ anfangs noch gut umgesetzt wurde durch Zuspiele auf die beiden sich mit Sprints in freie Räume anbietenden Stürmerinnen Popp und Schüller, leistete sich dann vor allem Torhüterin Almuth Schult den ein oder anderen gefährlichen Fehlpass. Spielführerin Dzsenifer Marozsan war gleichfalls weit von jener Form entfernt, die sie im Ligaalltag bei Olympique Lyon zeigt. Auch Lena Goeßling, die noch vor zwei Wochen im Champions-League-Spiel mit ihrem VfL Wolfsburg gegen Slavia Prag und somit bei sieben Pragerinnen im tschechischen Team gegen nahezu den selben Gegner überzeugte, schien abermals unter der Last des weißen Nationaltrikots eine völlig andere, gehemmte Spielerin zu sein. Selbst die liebevolle Ehrung vor dem Spiel, als ihr DFB-Präsident Reinhard Grindel einen Blumenstrauß dafür überreichte, dass Goeßling kürzlich als 25. Spielerin der deutschen Frauenfußballgeschichte ihre hundertstes Länderspiel bestritten hatte, erleichterte ihr die Aufgabe nicht.

          „Viele Spielerinnen tragen noch einen Rucksack mit sich herum. Man hat gesehen, dass noch eine gewisse Verunsicherung da ist. Das müssen wir ablegen und wieder Sicherheit gewinnen. Vieles ist noch nicht so gelaufen, wie ich es mir erhofft hatte. Das ist aber ein Prozess, der nicht von heute auf morgen abzuschließen ist“, sagte Hrubesch. „Aber die Mädels haben es immer wieder versucht und wollten unbedingt gewinnen. Das hat mir gefallen.“

          Der jüngsten Spielerin in der Startformation war es dabei zu verdanken, dass das Debüt von Hrubesch zumindest vom Ergebnis her erfreulich ausfiel: Die in der Bundesliga für die SGS Essen stürmende Schüller, im Vorjahr bereits von Jones zur Nationalspielerin berufen, blieb viermal eiskalt vor dem gegnerischen Tor.

          Nach vier Minuten schloss sie allein vor der gegnerischen Torhüterin souverän mit ihrem starken linken Fuß ab. Auf Zuspiel von Leonie Maier staubte sie nach einer guten halben Stunden ab, ehe sie per Kopf nach einem Eckball von Marozsan den dritten Treffer erzielte. In der 79. Minute verwertete sie schließlich nach einem Schuss von Sara Däbritz den Abpraller. „Ich weiß auch nicht, was heute los war“, sagte die Torjägerin, die nach sechs Länderspielen nun fünf Tore zu Buche stehen hat. „Ich musste aber auch nie viel machen, weil der Ball mir quasi auf den Fuß gelegt wurde.“ Schüller war freilich dank ihrer großen Laufbereitschaft auch immer dort, wo es gefährlich wurde.

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