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FAZ.NET exklusiv : Qualifikation mit Hrubesch, WM mit Voss-Tecklenburg

Der Mann für alle Fälle: Horst Hrubesch (im Gespräch mit Kristin Demann) bleibt bis zum Ende der WM-Qualifikation Bundestrainer des Fußbalfrauen Bild: dpa

Horst Hrubesch wird die deutschen Fußballfrauen nach FAZ.NET-Informationen nun doch bis zum Ende der WM-Qualifikation betreuen. Danach deutet alles auf Martina Voss-Tecklenburg als Bundestrainerin hin.

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          Aus einer Kurzzeit-Lösung wird ein halbjähriges Intermezzo: Horst Hrubesch soll die deutschen Fußballfrauen nach Informationen von FAZ.NET bis zum Ende der WM-Qualifikation betreuen. Der seit Dienstag 67 Jahre alte Europameister von 1980 und ehemalige HSV-Torjäger wird demnach sowohl beim Testspiel gegen Kanada im Juni als auch bei den beiden abschließenden und entscheidenden Qualifikationsspielen am 1. September auf Island und am 4. September auf den Faröer als Bundestrainer fungieren. Der eigentlich bis zum Jahresende als Sportdirektor angestellte frühere DFB-Juniorentrainer hatte das Amt am 13. März nach der Beurlaubung von Steffi Jones übernommen und vor zwei Wochen in den beiden jeweils mit 4:0 gewonnenen Qualifikationsspielen gegen Tschechien und in Slowenien betreut.

          Mit Voss-Tecklenburg zur WM

          Für die Zeit nach Ende der Qualifikation deutet nach FAZ.NET-Informationen alles auf Martina Voss-Tecklenburg als Nachfolgerin hin, was auch die Verlängerung von Hrubeschs Aushilfsdienst erklären würde: Die 50 Jahre alte frühere Nationalspielerin ist derzeit noch als Trainerin des Schweizer Nationalteams tätig und hat dem DFB offenbar signalisiert, erst dann zur Verfügung zu stehen, wenn sie mit den derzeit nach fünf Siegen in fünf Spielen unangefochten in Qualifikationsgruppe fünf führenden Schweizerinnen die Qualifikation unter Dach und Fach gebracht haben sollte. Die Schweiz kann frühestens am 30. August nach dem Rückspiel in Schottland die Qualifikation sicherstellen, weshalb Voss-Tecklenburg erst nach Ende der Qualifikationsrunde beim DFB anfangen und das Team auf das Endturnier in Frankreich vorbereiten könnte. Diese Verzögerung hat den DFB indes nicht dazu bewegt, sich für den zweiten aussichtsreichen Kandidaten Ralf Kellermann zu entscheiden. Theoretisch könnte die Schweiz allerdings auch noch Relegationsgegner der Deutschen werden.

          Die deutschen Frauen müssen nach einer 2:3-Hinspielniederlage in Wiesbaden gegen Island unbedingt das Rückspiel gewinnen, um sicher an der WM in Frankreich im kommenden Sommer teilnehmen zu dürfen. Sollte das Team Zweiter werden, müsste Deutschland als einer der vier besten Gruppenzweiten der sieben WM-Gruppen in eine Relegation wahrscheinlich mit starken Konkurrenten wie dem EM-Zweiten Dänemark und Norwegen, in der nur noch ein WM-Ticket für ein europäisches Team zu vergeben ist.

          Führungsstarke Trainerin: Martina Voss-Tecklenburg

          Voss-Tecklenburg hat zwischen 1984 und 2000 125 Länderspiele für die deutsche Auswahl bestritten und wurde viermal Europameisterin. Als Trainerin führte sie den FCR Duisburg 2009 zum Uefa-Pokalsieg und zu zwei DFB-Pokalerfolgen. Nebenbei fungierte sie damals als Chefredakteurin des Frauenfußballzeitschrift FF-Magazin. Die Schweiz führte sie 2015 erstmals zu einer Weltmeisterschaft.

          Führungsstark und streitbar

          Voss-Tecklenburg gilt als führungsstarke, streitbare Trainerin, die im DFB lange als unbequem galt, da sie nicht zu jenem Kreis an Spielerinnen zählte, die nach ihrer Karriere direkt ihre berufliche Heimat wohlbehütet beim DFB gefunden haben. Die gebürtige Duisburgerin hat stattdessen als eine der wenigen früheren Top-Spielerinnen nach einer kurzen Zeit als Verbandssportlehrerin den Sprung in den Vereinsfußball gewagt und eigenständig ihre Karriere vorangetrieben. Zu ihrem Ruf hatte sie sich 2015 einmal im FAZ.NET-Interview geäußert. „Ich weiß ehrlich gesagt bis heute nicht, woher der Ruf kommt, dass ich unbequem sein soll. Ich weiß nicht, ob so was lanciert wird. Ich bin mir sicher, dass man bei allen meiner ehemaligen Arbeitgeber und bei allen Mitstreitern sowohl beim Fußballverband Niederrhein, wo ich neun Jahre gearbeitet habe, als auch in Straelen, beim FCR Duisburg oder jetzt in der Schweiz von niemandem hören würde, dass ich unbequem bin. Ich bin ein Teamplayer. Ich äußere meine Meinung klar, lasse mich aber überzeugen, wenn andere eine bessere Idee haben. Ich profitiere davon, andere Meinungen, auch von meinen Spielerinnen, ernst zu nehmen“, sagte sie. Damals bezeichnete sie den Bundestrainer-Job auch als „Traumjob für jede Trainerin und jeden Trainer“.

          Der DFB würde mit der Berufung entsprechend hehre Worte in Taten umsetzen: DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte zuletzt in Halle beim Spiel gegen Tschechien betont, dass die Strukturen im Frauenfußball auf den Prüfstand gestellt und von Grund auf erneuert werden müssten. Dafür wurde in der neuen DFB-Struktur unter dem neuen Fußball-Direktor Oliver Bierhoff dessen langjähriger Vertrauter Panagiotis Chatzialexiou mit der Neuordnung des Frauenfußballs betraut. Bei den Umbauarbeiten könnte Voss-Tecklenburg die richtige Führungskraft sein mit der nötigen Distanz zur bisherigen Struktur und zu den langjährigen Mitarbeiterinnen, mit denen sie einst im Nationalteam zusammengespielt hatte.

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