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DFB-Hoffnung Kayikci : Zaubermaus mit Löwenherz

  • -Aktualisiert am

Straßenfußballerin: Hasret Kayikci ist ein Paradebeispiel im Nationalteam. Bild: Imago

Mit ihrer mutigen Spielweise dribbelte sich Hasret Kayikci binnen kurzer Zeit vom Bolzplatz in die Nationalmannschaft. Vor dem Spiel gegen Italien winkt nun sogar ein Platz in der Startelf.

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          Unter der neuen Bundestrainerin erleben die echten Straßenfußballerinnen eine Renaissance. Steffi Jones mag Spielerinnen, die auf dem Rasen unbekümmert und unangepasst wirbeln, die das Unerwartete tun, ohne das Unerlässliche zu vergessen. Dass Hasret Kayikci als Paradebeispiel einer Straßenkickerin für den EM-Kader nominiert wurde, ist ein deutliches Signal. Dass die 25 Jahre alte Fußballspielerin gleich im ersten Gruppenspiel gegen Schweden (0:0) zum Einsatz kam, belegt, dass die Bundestrainerin den Reformprozess nicht nur predigt, sondern auch lebt.

          Die sechs Millionen Fernsehzuschauer hierzulande sahen Hasret Kayikci in ihrem erst fünften Länderspiel knapp 30 Minuten lang munter und mutig drauflosspielen, Dribblings wagen und Abschlüsse suchen. Ob sie denn gar nicht nervös gewesen ist bei ihrem ersten Auftritt bei einem großen Turnier? „Eigentlich nicht“, sagt die Technikerin mit dem großen Kämpferherz. „Es war ein schwieriges Spiel. Die Schwedinnen haben nichts für den Spielaufbau getan und mit ihren vielen langen Bällen unser Spiel teilweise zerstört.“

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          Hasret Kayikci kann ihr sportliches Glück mitunter noch gar nicht fassen, mit dem Olympiasieger auf Titelfang beim Championat in den Niederlanden gehen zu können. Nun hat sie sich nach dem Ausfall von Angreiferin Svenja Huth (Muskelfaserriss) zu einer ernsthaften Anwärterin auf einen Startelf-Platz gegen Italien an diesem Freitag (20.45 Uhr/live auf ARD und Eurosport) gemausert. Im Kampf um den Gruppensieg peilen die Deutschen nach dem zähen Auftaktmatch einen überzeugenden Sieg an. „Italien wird sehr tief stehen, so dass es schwierig für uns Stürmer wird, Bälle zu bekommen. Umso länger es 0:0 steht, desto schwieriger wird es – dennoch bin ich mir sicher, dass wir das Spiel gewinnen werden“, sagt Hasret Kayikci. Dass sie als Fußballspielerin mal so gefragt ist wie jetzt, bedeutet ihr viel. „Dass ich überhaupt dabei sein kann, ist wie ein Wunder.Das hat doch vor einem Jahr noch niemand ernsthaft geglaubt. Ich war ganz weit weg von der Nationalmannschaft“, sagt die Spätberufene, die erst im vergangenen Spätherbst in der DFB-Auswahl debütierte.

          Was auch an ihren Fehlzeiten wegen schwerer Knieverletzungen lag. Die gebürtige Heidelbergerin hat in ihren jungen Jahren schon fünf Knie-Operationen über sich ergehen lassen müssen. Ganz schmerzfrei wird sie ihrer großen Leidenschaft nicht mehr nachgehen können. So hat sie sich eine Mentalität zugelegt, die sie jedes Spiel, jedes Training besonders genießen lässt. Die flexibel einsetzbare Offensivspielerin überzeugte die Bundestrainerin mit ihren Auftritten voller Finesse und Spielfreude in der Bundesliga beim SC Freiburg.

          Jenem aufstrebenden Klub, der in der abgelaufenen Saison mit 47 Punkten (Platz 4) einen neuen Vereinsrekord aufgestellt hat und zum Lohn gleich fünf Spielerinnen in Jones’ EM-Aufgebot entsandte. Beim letzten Test vor Turnierbeginn in Sandhausen gegen Brasilien (3:1) zeigte Hasret Kayikci eine inspirierende Leistung, die sie mit ihrem ersten Länderspieltreffer krönte. Und die Bundestrainerin kam ins Schwärmen. „Hasret hat eine richtig gute Vorbereitung gespielt. Sie ist noch eine echte Straßenfußballerin, die vorne gut kombiniert. Jetzt hat jeder gesehen, was sie draufhat“, sagte Steffi Jones.

          Spielerinnen mit Spitznamen aus der Welt des Comics

          Die nur 1,61 Meter kleine Deutsch-Türkin ist die „Supermaus“ im deutschen Team. Supermaus? Die Bundestrainerin hatte – gedacht als den Zusammenhalt fördernden Gag, der viel Eigendynamik entwickelt hat – allen Spielerinnen Spitznamen aus der Welt der Comics verpasst. Hasret Kayikci ist nun also die Supermaus auf großer Fahrt. Die einst mit sechs Jahren schon täglich mit dem Ball unter dem Arm das Heidelberger Elternhaus verließ.

          „Das meiste habe ich auf dem Bolzer gelernt. Das ist die beste Schule, die man haben kann“, erzählt sie. Bolzplatz, Schulhof, Training bei der TSG Rohrbach – als einziges Mädchen mit lauter Jungs. „Eigentlich haben wir 24 Stunden am Tag Fußball gespielt“, sagt Hasret Kayikci schmunzelnd. Der Kern ihres Spiels, der nimmermüde Einsatz und die fintenreichen schnellen Bewegungen, stammen aus jener Zeit in ihrer Kindheit. Im Gegensatz zu den vielen deutschen Männer-Nationalspielern ist sie bei den Frauen die einzige im Team mit Migrationshintergrund. Mit ihrem Lebenslauf vom „Bolzer“ bis in die Nationalmannschaft dient sie als Vorbild für Mädchen insbesondere aus muslimischen Familien.

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