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DFB-Star Dzsenifer Marozsan : Immer ihrer Zeit voraus

  • -Aktualisiert am

„So eine Saison habe ich noch nie gespielt, das war der Wahnsinn. Bei Olympique wird kein Unterschied gemacht zwischen dem Männerteam und den Frauen, wir sind gleichberechtigt auf dem nagelneuen Trainingsgelände. Ich werde auf der Straße häufiger erkannt als in Deutschland, im Supermarkt werde ich fast jedes Mal angesprochen. Das empfinde ich als große Ehre. Auch die französische Lebensart liegt mir. Die Unterschiede habe ich gleich beim ersten Lehrgang in Deutschland wieder bemerkt. Da steht Disziplin viel mehr im Vordergrund, und es wird genau auf die Uhr geschaut.“

Ihr Vater war ungarischer Nationalspieler

Dzsenifer Marozsan war mit ihren Qualitäten auf dem Fußballplatz ihrer Zeit immer voraus. In allen U-Nationalmannschaften war sie es gewohnt, die mit Abstand Beste zu sein. Das Talent wurde ihr buchstäblich in die Wiege gelegt. Ihr Vater Janos war ungarischer Nationalspieler, ließ seine Karriere beim 1. FC Saarbrücken ausklingen und wurde mit seiner Familie dort sesshaft. Seine in Budapest geborene Tochter wurde – mit Sondergenehmigung wie einst Birgit Prinz – als 14-Jährige die jüngste Bundesligaspielerin. Der DFB setzte alle Hebel in Bewegung, um die Hochbegabte im Verband zu halten. Weil Dzsenifer Marozsan noch minderjährig war, musste die ganze vierköpfige Familie eingebürgert werden.

Mit 16 unterschrieb sie einen Vertrag bei der damals besten deutschen Adresse, bekam beim 1. FFC Frankfurt gleich das Trikot mit der Nummer zehn. Sie brach zugunsten der Profikarriere die Schule ab und zog mit 17 aus dem Saarbrücker Kinderzimmer in ein eigenes Apartment in der Bankenstadt. Sie profitierte vom Training mit vielen Weltklassespielerinnen, fremdelte aber zunächst mit dem Druck, der in dem Frankfurter Starensemble herrschte.

Aus Heimweh fuhr Dzsenifer Marozsan mitunter nur für einen Abend nach Hause – anderthalb Stunden hin, anderthalb Stunden zurück. Mit dem Thema Ernährung ging sie manchmal zu unbedarft um, die Arbeit an der Fitness war ihr oft lästig. Der DFB bot ihr mit der Ausbildung zur Bürokauffrau in der Frankfurter Zentrale Halt außerhalb des Fußballplatzes, es folgten Praktika in verschiedenen Abteilungen des Verbandes. Beim FFC wechselten sich Spiele, in denen sie den Zuschauern „Aaahs“ und „Oooohs“ entlockte und allein mit ihrer außerordentlichen Technik die Funken sprühen ließ, ab mit Partien, in denen sie gehemmt und blockiert wirkte. Kein Wunder, denn schon als Teenie lag ihr jedermann im Ohr: Dzseni, mit deinen Fähigkeiten musst du das Spiel an dich reißen, Verantwortung übernehmen und selbst mehr Tore erzielen.

Rückschläge – und immer wieder der Druck, die Beste sein zu müssen

Es gab einige Rückschläge auf dem Weg, flügge zu werden. Eine Knieverletzung zerstob die Hoffnung der damals 19-Jährigen auf die Teilnahme bei der Heim-WM 2011. Gerieten ihre Auftritte für den FFC und die Nationalmannschaft wankelmütig, wurden diese meist direkt in Beziehung gesetzt zu ihrem doch ach so großen Potential.

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