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Dänemark bei Frauen-EM : Aus der Turnierblase gegen Deutschland

Nadia Nadim hat einen schweren Weg hinter sich bis ins dänische Fußball-Nationalteam. Bild: AFP

Die deutschen Fußballfrauen treffen im EM-Viertelfinale auf Dänemark. Das Herzstück der Skandinavierinnen ist die Offensive – mit einem Star aus der Bundesliga.

          Diese Vorlage nutzte Nadia Nadim in der Art und Weise einer Torjägerin: Aus dem fernen Portland, wo die dänische Stürmerin in der amerikanischen Frauenfußball-Profiliga NWSL für die Portland Thorns spielt, tippte die frühere deutsche Nationaltorhüterin Nadine Angerer vor dem Viertelfinalduell der Frauenfußball-Europameisterschaft zwischen Deutschland und Dänemark (20.45 Uhr / Live bei ZDF, Eurosport und im Frauenfußball-EM-Ticker bei FAZ.NET) einen frechen Tweet in die Welt hinaus. „Liebe @nadia_nadim, kennst Du das Lied „Time to say good bye“? Aber keine Sorge: Ich werde Dich Montag am Flughafen abholen.”

          Die Weltfußballerin von 2013, die zu dieser Ehre dank Heldentaten beim EM-Sieg ihres Teams in Schweden gelangte, arbeitet seit dem Ende ihrer Laufbahn als Torwarttrainerin in Portland und hat offenbar ihre freche Schnauze behalten. Nadim konterte die freundschaftliche Neckerei ihrer Vereinskollegin umgehend mit den bei Gegnern aus deutschen Nachbarländern im Falle eines Sieges so beliebten Worten: „Noo way – Deutschland, Deutschland , alles ist vorbei“.

          Damit Nadims Musikwunsch in Erfüllung geht und der Titelverteidiger aus Deutschland sich tatsächlich erstmals überhaupt bei einer Turnierteilnahme vor dem Halbfinale eines Kontinentalturniers verabschiedet, müsste die in Afghanistan geborene Offensivspielerin vermutlich mit ihrer kongenialen Partnerin Pernille Harder eine überragende Partie abliefern in der ersten K.o.-Runde dieser Europameisterschaft. Das Spiel ist nahezu komplett auf die beiden abgestimmt, in den vergangenen Tagen hatte Dänemark zudem mit dem Problem zu kämpfen, dass Trainer Niels Nielsen aus privaten Gründen zwischen dem letzten Gruppenspiel und dem Viertelfinale drei Tage in die dänische Heimat zurückkehren musste.

          Die beiden Angreiferinnen Nadim und Harder sind als herausragende Herzstück eines Teams, das vor allem in der Defensive mit limitierten Möglichkeiten zurecht kommen muss, nun umso mehr gefragt. Nadim ist dabei die Spielerin mit der ganz besonderen Lebensgeschichte, weil sie nach dem frühen, durch Taliban gewaltsam herbeigeführten Tod ihres Vaters mit Mutter und Geschwistern nach Europa geflohen und in Dänemark gelandet war. Dort entwickelte sie ihr besonderes Talent und reifte zur Nationalspielerin.

          Harder ist derweil das größte Talent, das der dänische Frauenfußball vermutlich jemals hervorgebracht hat. Beim VfL Wolfsburg reifte sie in der deutschen Bundesliga endgültig zu einer der besten Spielerinnen Europas oder gar der Welt. Ralf Kellermann, der sie im vergangenen Winter aus der schwedischen Liga zum VfL Wolfsburg lockte, schwärmt regelrecht von den Fähigkeiten Harders. „Sie dribbelt beidfüßig und kommt auch deshalb in jeder Eins-zu-Eins-Situation durch, sie ist trotz ihrer zarten Figur robust, im Kopf weiß sie immer schon im Voraus, wie sie ihre Aktionen mit einem perfekten Pass abschließen wird. Und im Torabschluss ist sie präzise wie kaum jemand anderes“, sagt Kellermann.

          Die 24 Jahre alte Hochgelobte selbst spricht über ihre fußballerischen Qualitäten da deutlich bescheidener. „Ich will auf dem Feld einfach Spaß haben und spielen“, sagt sie. Und das setzt sie um, indem sie einfach in den Turnierfluss begibt. „Turnierleben ist großartig. Du bist in einer Blase drin, in der du einfach alle vier Tage Spiel um Spiel bestreitest und du kommst nicht dazu, über das nächste Spiel hinauszudenken.“  Vor dem Viertelfinale hat sie entsprechend nur eines im Sinn: Wie kann ihr Außenseiter-Team die deutschen EM-Seriensiegerinnen bezwingen? „Sie geben immer 120 Prozent und nichts kann sie stoppen. Auch wenn sie bis jetzt nicht auf ihrem Topniveau waren, haben sie schon guten Fußball gespielt in der Gruppenphase“, sagt Harder. „Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir noch mehr Mentalität zeigen.“ Ein frecher Tweet reicht da tatsächlich noch nicht.

          Nadine Angerer war die deutsche Torwart-Heldin beim EM-Sieg 2013.

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