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Quotenplätze bei Darts-WM : Frauen, traut euch!

Stark, aber nicht stark genug: Anastassija Dobromyslowa verliert im Ally Pally.. Bild: dpa

Bei der Darts-WM waren zwei Plätze für Frauen reserviert. Beide Spielerinnen haben ihre Erstrundenpartie verloren. Doch auch deutsche Männer brauchten einmal diese Quotenplätze, um den Exotenstatus zu überwinden. Ein Kommentar.

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          Das war es nun erst einmal mit der Emanzipationsbewegung im Darts: Die in England, dem Mutterland der Pfeilewerfer, lebende und spielende Russin Anastassija Dobromyslowa ist bei der Darts-WM gegen Ryan Joyce ebenso in der ersten Runde ausgeschieden wie zuvor die Engländerin Lisa Ashton. Nicht, weil sie Frauen sind und deshalb schlechter werfen könnten, wie es der gemeine Volksmund gerne behauptet. Die 34 Jahre alte Dobromyslowa und die 48 Jahre alte Ashton spielten vielmehr sehr gut, die Engländerin gewann bei ihrer 1:3-Niederlage gegen den Niederländer Jan Dekker dank brillanter Wurfserien sogar einen Satz. Die beiden Damen waren aber schlicht und ergreifend nicht gut genug, um über eine längere Distanz mit Spitzenspielern mitzuhalten, die den Druck in einer Halle mit feiernden Zuschauern und zwei Dutzend Fernsehkameras gewohnt sind.

          Und so diskutiert die Darts-Welt über die Sinnhaftigkeit der beiden WM-Quotenplätze für Frauen in einem Sport, der aus dem Pub stammt und als reine Männerdomäne galt. Die Spielerinnen haben sich nicht gegen Männer durchgesetzt beim Kampf ums WM-Ticket, sondern bei reinen Frauenturnieren. Auf sportlichem Weg ist es noch keiner Frau gelungen, sich für eine WM zu qualifizieren. Eine reine Zirkusnummer ist die Teilnahme der beiden Weltklassespielerinnen dennoch nicht.

          Frauen wären gut fürs Geschäft

          Quotenregelungen sind bei der PDC-WM nichts Ungewöhnliches: So öffnet der Profi-Dartsverband beispielsweise auch deutschen Spielern den Weg zur WM selbst in Jahren, in denen Deutsche über die Geldranglisten nicht die Qualifikation schaffen. Der Verband hat für die Erschließung neuer Märkte außerhalb Großbritanniens ein Interesse daran, Spieler aus allen Regionen der Welt auf die Turnierbühne zu bringen in einem Sport, der außer in Großbritannien lediglich in den Niederlanden Massen an wettbewerbsfähigen Spielern

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          Die Frauen-Quote hatte nun den selben Beweggrund. Vermarkter Barry Hearn gestand unumwunden ein, dass er sich aus Kommerzgründen natürlich einen Sieg einer Frau wünsche. Der Darts-Sport wäre noch mehr Gesprächsthema geworden, als er es dieser Tage ohnehin schon ist – wegen eher peinlicher Vorfälle wie Bierduschen für den Branchenbesten Michael van Gerwen aus dem Publikum heraus oder Rüpeleien auf der Bühne.

          Nun liegt es an den besten Dartsspielerinnen der Welt, aus dem Exotenstatus auszubrechen und sich dem Wettbewerb das ganze Jahr über zu stellen. Wenn die Duelle zur Normalität werden, spricht nichts dagegen, dass Frauen Männer das Fürchten lehren, wie es beispielsweise im Reitsport als einziger bis in die Weltspitze hinein gemischter Disziplin olympisch seit Jahrzehnten üblich ist. Es würde einem Spiel gut tun, das noch immer zu sehr in Verbindung steht mit Alkohol und allzu männlicher Kneipenkultur.

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