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Frankfurter Bürgerentscheid : Das große Fressen des Fußballs

  • -Aktualisiert am

Die Luftaufnahme zeigt das Areal der Rennbahn mit dem Golf Club im Inneren, links sind die Tribüne und der Hotelneubau zu erkennen. Bild: Sascha Rheker / VISUM

Mit der Entscheidung gegen die Rennbahn und für den Bau des neuen Leistungszentrums des DFB haben die Frankfurter für einen teilweisen Verlust ihrer Sporttradition gestimmt. Der Preis, den sie für die neue Fußball-Akademie zahlen, ist hoch.

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          Die Frankfurter Bürger haben sich nicht für die Rennbahn entschieden, sondern für den Bau eines neuen Nachwuchsleistungszentrums des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Der Preis, den sie für die Fußball-Akademie zahlen, ist hoch. Höher als das, was Neubaugegner in dem leidenschaftlich geführten Kampf um die Stimmen als Rechnung für den Frankfurter Bürger mahnend in Aussicht gestellt haben. Denn es geht beim Bau der Akademie auf dem wunderbar grünen und doch so zentral gelegenen Areal um viel mehr als um Geld.

          Die Stadt verliert ein Stück ihrer Sporttradition. Denn eine Rennbahn ist ein besonderer „Sportplatz“, der in der Vergangenheit die Stadt-Gesellschaft nach Niederrad zog, wenn die Pferde liefen. Das war ein Ereignis, mehr als zwanzigmal pro Jahr wurde noch Anfang der neunziger Jahre gelaufen. Aber die Zeiten sind vorbei. 2015 stehen nur noch fünf Renntage auf dem Programm. Das hat wohl nicht nur lokale Gründe. Der Galoppsport verliert deutschlandweit seine wirtschaftliche Grundlage. Die Wettumsätze sind dramatisch eingebrochen.

          Rasend wachsendes Übergewicht

          Dagegen ist das DFB-Projekt für Frankfurt nicht nur ein Imagegewinn. Die Fußballvereine der Region werden mit dem Pfund wuchern können bei der Suche nach Talenten. Seminare, Fortbildungen, Sichtungslehrgänge auf höchstem Niveau, und das alles mehr oder weniger vor der Haustüre: Der Fußball wird nochmals an Zulauf in Frankfurt gewinnen. Das rasend wachsende Übergewicht muss die Sportpolitiker bewegen, all die Vereine außerhalb des Fußballs in der Stadt und in der Region vor dessen unstillbarem Hunger zu schützen.

          Denn die Fußball-Völlerei geht, bei allem Appetit auf dieses wunderbare Volksvergnügen, auf Kosten von Sportarten, die am anderen Ende der Nahrungskette schwimmen: Basketball, Eishockey, Volleyball, American Football, Hockey, Turnen, Leichtathletik und alle anderen. Der verschluckte Frankfurter Turf sollte alle Freunde einer vielfältigen Sportkultur in dieser Stadt warnen. Denn das große Fressen ist noch längst nicht beendet.

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