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Zum 90. von Bernie Ecclestone : Pate a.D.

  • -Aktualisiert am

Der ehemalige Pate der Formel 1 feiert an diesem Mittwoch seinen 90. Geburtstag: Bernie Ecclestone. Bild: dpa

Bernie Ecclestone prägte die Formel 1. Er spaltete und dominierte. Er machte die Mitspieler reich und sich ein bisschen reicher. Sein Motto: Zahl und friss – oder stirb. An diesem Mittwoch wird er 90.

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          Wo ist Bernie? Es gibt Menschen im Fahrerlager der Formel 1, die ihn vermissen. Das wird am Wochenende in Imola vermutlich wieder so sein. Sie schwelgen dann. Und ja, was hatte der Brite Bernard Charles Ecclestone nicht alles zu bieten, als er noch herrschte? Er war Geschäftsmann oder auch Pate, Pokerface, Retter und Richter in einer Person. Er siegte, er scheiterte, er spaltete und dominierte.

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          Eines gelang ihm wie keinem zuvor: Er machte die Mitspieler, auch Teamchefs genannt, reich und sich dabei ein bisschen reicher. Früh übt sich. Wer verstehen will, wie Ecclestone die Formel 1 zu einer schlagkräftigen Interessengemeinschaft aufbaute, die sich erst dem Zugriff des Internationalen Weltverbandes Fia entzog und diesen dann ernährte wie dirigierte, der muss auf Bernard Charles in kurzen Hosen schauen. Es hält sich bis heute die Geschichte von dem Schüler, der in der Bäckerei um die Ecke alle Leckereien aufkaufte und sie später, gegen Gebührenaufschlag, versteht sich, auf dem Schulhof feilbot.

          Zahl und friss – oder stirb. So hat der kleine Engländer erst mit dem Kauf, später mit der Miete der Formel-1-Vermarktungsrechte über 100 Jahre ein Monopol erschaffen. Und einige andere darum herum. Beim Aufstieg geholfen hat ihm die große Dramatik der Formel 1. Das Spiel zwischen prallem Leben und tragischem Tod. Er stand einem Zirkus vor, in dem es um alles ging, während die Gesellschaft jenseits der großen Sause versuchte, sich gegen alles zu versichern.

          Und so schauten die Menschen, ob nun gespannt oder angewidert, auf die Formel 1, aber sie schauten. Und nahmen Ecclestone wahr als einen, der Konventionen scheute; der Diktatoren verbale Blumen streute, eigenfüßig auf dem als illegal bezeichneten Frontspoiler eines unbotmäßigen Teams herumtrampelte oder die Neigung des Menschen zu Humanismus ignorierte: „Gibt es Menschenrechte?“

          Sein Handschlag, sagen manche Geschäftspartner, sei mehr wert als ein notariell beglaubigter Vertrag. Andere wiederum wollten Ecclestones Pfote nie ein zweites Mal schütteln. Ihnen gefriert das Lächeln, wenn über legendäre Episoden des Mannes aus Ipswich schallend gelacht wird. Wie er mit den Rennställen den Sportboykott gegen Südafrika brach, um ins große Rennen zu kommen. Wie er Potentaten und Könige auf seine Straße lockte, wie er die gesamte internationale Automobilindustrie in seiner Manege auftreten ließ, die Eitelkeiten von Konzernmanagern bediente, dabei die Peitsche schwang und dafür indirekt noch fürstlich bezahlt wurde. Und so einen sollte man nicht vermissen?

          Ja, sollte man nicht. Die moderne Formel 1 hat wenig Skandalträchtiges verloren, seit Ecclestone vor bald vier Jahren mit 86 aus dem Rennen genommen wurde. Gleichzeitig hat sie viel gewonnen. Hinter der breit angelegten Antirassismus-Kampagne mögen der Einfluss des unangreifbaren Rekordmannes Lewis Hamilton und die Einsicht stehen, dass so eine Demonstration inzwischen opportun ist. Aber mit Ecclestone wäre es kaum zu dieser offiziellen, konzertierten Aktion vor jedem Rennen gekommen. Und vermutlich auch nicht zu der vernünftigen Kostenbeschränkung vom nächsten Jahr an. Ganz zu schweigen von der Öffnung der Formel 1 für den Markt über die sozialen Medien. Da trifft es sich gut, dass Ecclestone, der an diesem Mittwoch 90 Jahre alt wird, ohnehin anderes zu tun hat. Im Juli ist er wieder Vater geworden. Herzlichen Glückwunsch.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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