https://www.faz.net/-gtl-vx0s

Zerrissenes McLaren-Team : Spanier feiern, Briten hadern

  • Aktualisiert am

Der Karren im Dreck: Hamiltons McLaren als Foto-Motiv Bild: REUTERS

Bei McLaren-Mercedes hängt der Haussegen schief, obwohl Liebling Hamilton immer noch die WM-Wertung anführt. Der ungeliebte „Stiefsohn“ Alonso könnte ihn noch abfangen oder gar Räikkönen für Ferrari den Titel holen.

          2 Min.

          Schadenfreude in Spanien, Wut in England: Während das Land das Weltmeisters das erste Wunder im WM-Endkampf bejubelte, ging die Presse in der Heimat der Herausforderers mit McLaren- Mercedes hart ins Gericht. „Pech und ruinöse Entscheidungen von McLaren haben Lewis Hamiltons Krönung beim chinesischen Grand Prix vermasselt“, schrieb der britische „Daily Telegraph“ am Montag.

          Angeblich hat der britisch-deutsche Formel-1-Rennstall seinen WM- Spitzenreiter am Sonntag im Regen von Shanghai sogar gegen den Rat der Reifen-Ingenieure mit abgefahrenen Pneus zu lange auf der Strecke gelassen und den Abflug des Engländers ins Kiesbett bei der Anfahrt in die Box mit zu verantworten. „Wir haben was falsch gemacht - ganz klipp und klar. Dafür dürfen wir kritisiert werden“, gab Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zu.

          „Verhalten wie ein Hornochsenverein!“

          Pikant an der Sache ist, dass neben Ferrari-Mann Kimi Räikkönen, dem ähnliches wie Hamilton vor zwei Jahren ebenfalls in einem Silberpfeil am Nürburgring widerfahren war, ausgerechnet der in Ungnade gefallene Alonso vom Pech des Partners und der Fehlentscheidung von Teamchef von Ron Dennis & Co profitierte. „Es ist für mich völlig unverständlich - sie haben sich verhalten wie ein Hornochsenverein! McLaren sollte sich eine Brille kaufen“, empfahl Ex-Pilot Hans-Joachim Stuck.

          Ende einer Dienstfahrt: Moped-Shuttle für Hamilton

          „Das Wunder von Shanghai, für das Fernando Alonso so gebetet hatte, ist eingetreten. Nun fehlt das zweite Wunder, das von Interlagos“, stellte die spanische Sportzeitung „Marca“ mit Genugtuung und Blick auf das Finale am 21. Oktober in Brasilien fest. Dort kommt es zum ersten Mal seit 21 Jahren wieder zu einem Dreikampf um den Titel. 1986 lag in Nigel Mansell vor dem Finale im australischen Adelaide ebenfalls ein Brite in Führung, der Brasilianer Nelson Piquet und der Franzose Alain Prost gingen beide mit sieben Punkten Rückstand ins Rennen: Mansell fiel aus, Titelverteidiger Prost triumphierte im WM-Lauf und in der Gesamtwertung.

          „Extrem unterkühltes“ Arbeitsverhältnis

          „Ich brauche weiterhin etwas wirklich Dramatisches, wenn ich gewinnen möchte. In einem normalen Rennen wird es unmöglich sein“, sagte der 26-jährige Alonso, der mit seinen Angriffen auf die Teamleitung am Wochenende die angespannte Situation bei den Silbernen noch einmal verschärfte.

          „Offensichtlich sind wir auch nicht die Typen, die es sich selbst leicht machen wollen - wir brauchen offensichtlich hohe Hürden, die man überspringen muss“, kommentierte Haug das sportliche Geschehen. Über Alonsos Vorwürfe will man erst nach letzten Rennen sprechen. Gespannt sein darf man allerdings, wie die Reaktionen ausfallen, sollte der heißblütige Spanier mit dem „extrem unterkühlten“ Arbeitsverhältnis zu Teamchef Dennis den dritten Titel in Serie schaffen. Aufholen muss er vier Punkte: Hamilton führt mit 107 Zählern vor Alonso (103) und Räikkönen (100).

          Ferrari: „Niemals aufgeben“

          Hamilton muss sich gedulden, nachdem er sein Auto in der 31. Runde im Kiesbett geparkt hatte. Er verpasste damit auch den vorzeitigen WM-Triumph mit 22 Jahren und 9 Monaten. „Sie hatten alles vorbereitet: Die Strecke in Shanghai war die Bühne, die Ron Dennis, Norbert Haug und ihre Bande ausgesucht hatten, um den großen Coup zu landen und Lewis Hamilton seinen ersten Weltmeistertitel zu geben“, lästerte die spanische Zeitung „As“. Doch Hamilton „ging ein Wagnis ein, das ihn von der Piste abbrachte“. Und „El Mundo“ meinte: „Im ungünstigsten Augenblick hat das Glück den Neuling verlassen. Hamilton weinte, Alonso lachte. Sein Wunder wurde wahr.“

          Auch für Ferrari, das nach der Disqualifikation von McLaren- Mercedes wegen der Spionage-Affäre bereits WM-Meriten bei den Konstrukteuren sammelte. Räikkönen hat mit fünf Siegen einen mehr als Alonso und Hamilton, bei einem möglichen Patt in Sao Paolo hätte er die Nase vorn und endlich seinen so lang ersehnten WM-Titel in der Tasche. „Wir haben immer gesagt, dass wir niemals aufgeben“, betonte Ferraris Chefingenieur Luca Baldisseri.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In Karlsruhe wird ein Verdächtiger am Samstag abgeführt.

          Zerschlagene Terrorzelle : Sie planten Bürgerkriegsszenarien

          Eine überregionale rechtsextreme Terrorzelle stand offenbar kurz davor, einen schweren Anschlag zu verüben. Die Mitglieder fanden sich wohl im Netz und radikalisierten sich. Nun kam heraus, welche Pläne sie hatten und wie sie gestoppt wurden.
          In einem Landtag: Björn Höcke, AfD-Fraktionschef, und weitere Mitglieder der AfD-Fraktion verfolgen in Erfurt die Regierungserklärung von Ministerpräsident Ramelow (Linke)

          AfD und Linke : Streitbare Demokratie

          Ob eine Partei vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hängt auch vom Verhalten ihres Führungspersonals ab. Und hier marschiert die AfD bewusst in Richtung Verfassungsfeindlichkeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.