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Besserwisser in der Loge : Fahrstunde im Greisverkehr

  • -Aktualisiert am

Altmeister in Sorge um die Formel 1 ergraut: Bernie Ecclestone. Bild: EPA

Wie die zwei Alten aus der Muppetshow wissen auch Ecclestone und Mosley besser, wie die Formel 1 in Zeiten von Corona überleben könnte. Die Erinnerung an frühere Ideen sollte jedoch als Warnhinweis dienen.

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          Ist das nicht wunderbar? Die Formel 1 hat einen Ältestenrat, gegen den die geifernden Greise der Muppetshow in ihrer Loge, Waldorf und Statler, wie gutgelaunte Jungspunde erscheinen: Bernie Ecclestone und Max Mosley, in gemeinsamer Sorge um den Kreisverkehr ergraut, aber nicht verfallen, bringen es zusammen auf 170 Jahre und eine Menge bittersüßer Ratschläge. Von ihren Beobachtungsposten bieten sie nun den Tipp für das Überleben in Zeiten von Corona an: Stopp! Sofort aufhören, die Saison zu retten! Das spart Nerven – und Geld.

          Wer hält sich die Ohren zu, wenn der König Midas der Formel 1, der Mann, von dem die Branche behauptete, er verwandele Reifengummispuren mit bloßer Berührung in Gold, vom Lebenselixier der Branche spricht und dann auch noch von seinem schneidigen Rechtsberater bestätigt wird? Nur Narren blättern nach im Buch der abgelegten Weisheiten, die Ecclestone in die Welt setzte, wenn es mal wieder galt, die Formel 1 zu retten: Einmal wollte er losen lassen, um die Startaufstellung durcheinanderzuwirbeln. Sieger sollten, riet Ecclestone schon in den achtziger Jahren, mit mehr Boxenstopps bestraft werden. Und ja, wenn das Überholen so schwierig sei, dann müsse jeder Fahrer eine bestimmte Zahl von Abkürzungen wählen dürfen pro Rennen.

          Weil die lukrative Auswanderung der Formel 1 in die Wüstenstaaten Regenrennen quasi umfährt, plädierte er für eine künstliche Überflutung im Verlauf eines Grand Prix: Wasser marsch! Wohin es geflossen wäre, wenn Ecclestone die Mauer wieder aufgebaut hätte? Es sollten nur vierzig Zentimeter in der Höhe sein – aber um jede Kurve. Noch 2016 wollte der damals 86-Jährige allen Grenzen setzen, die zu seinem finanziellen Nachteil aus der Spur zu fahren drohten. Diese Idee passte zu Ecclestones Liebe zum „Durchregieren“. Und so empfahl er der Formel 1 2015 sich selbst als Chef auf Lebenszeit und nebenbei Europa den Kollegen Putin: „Er verschwendet in Russland seine Zeit. Er sollte Europa führen – total.“

          Welche Rolle Mosley in diesem Theater spielt? Er sagte voraus, dass die Formel 1 ohne (den 2017 abgesetzten) Ecclestone zusammenbreche wie ein Kartenhaus. Die Weisheit des Methusalems ist relativ. Wer aber wie Ecclestone mit 89 ein Kind zum Leben erweckt, das, so Gott will, seinen Erzeuger in wenigen Jahren glaubwürdig als Urgroßvater vorstellen kann, der ist um einen Fortpflanzungstipp nicht verlegen. Die Frage ist, ob ihn jemand hören will.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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