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Was kostet die Formel 1? : Ein teures Rennvergnügen

  • -Aktualisiert am

Blickfang bei jedem Formel 1-Rennen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Was kostet die Formel 1? Entwicklung, Material und Fremdleistungen sind die größten Posten. Die Topteams investieren mehr als 300 Millionen Dollar pro Jahr. Doch jetzt wollen die Beteiligten auf die Kostenbremse treten.

          Alles redet vom Sparen. Auch die Formel 1 will auf die Kostenbremse drücken. Noch ist der Sport so teuer wie nie zuvor. Die Topteams investieren mehr als 300 Millionen Dollar pro Jahr. Der 100 Millionen-Dollar-Etat des Privatrennstalls Sauber ist ein Sparmodell. Minardi und Jordan sitzen mit 40 bis 50 Millionen Dollar im Armenhaus. Das ist zum Leben zuwenig und zum Sterben zuviel. 75 Prozent der Einnahmen beziehen die Teams von Sponsoren. Die Einkünfte aus Fernsehrechten und Startgeldern belaufen sich auf 20 Prozent. Der Rest rekrutiert sich aus Merchandising und Verkauf von Lizenzen.

          Auf der Kostenseite kalkuliert jedes Team nach einem eigenen System. Die einen zählen Testfahrten zur Fahrzeugentwicklung, die anderen nicht. Egal, wie man rechnet: Entwicklung, Material und Fremdleistungen stellen mit rund 40 Prozent den größten Posten. Dann folgen schon die Löhne. Die Fahrergehälter werden separat abgerechnet. Ein weiterer Kostenfaktor sind die Spesen und die Logistik für den Renn- und Testbetrieb. Es folgen Mieten, Leasingraten, Verwaltung, Strom. Der kleinste Teil des Budgets fließt bei den meisten Teams ins Marketing.

          Testfahrten: 1.000 Meter, 1.000 Dollar

          Es gilt die Faustregel: Ein Testkilometer kostet 1.000 Dollar. Ferrari hat es Anfang August schon auf 50.200 Kilometer gebracht. Darin enthalten sind Materialverbrauch, Löhne für das 40 Personen starke Testteam, Spesen, der Einsatz von Transportern und Motorhomes sowie die Streckenmiete. Die kostet am Tag zwischen 5.000 (Jerez) und 30.000 Dollar (Le Castellet). Acht der neun Teams beschäftigen eigene Testmannschaften mit eigenen Chassis und eigenem Zeitplan.

          Kommandozentrale von BAR Honda

          Wenn das Rennteam am Montag nach dem Grand Prix Richtung Heimat aufbricht, parken die Transporter des Testteams gerade an ihrem Bestimmungsort ein. Testen alle Teams gleichzeitig, stehen bis zu 80 Lastwagen im Fahrerlager - mehr als bei einem Grand Prix. Bei Ferrari arbeiten die Monteure an einem Testtag im Zweischichtbetrieb. Die Truppe, die bis spät in die Nacht am Auto schraubt, hat dann bis Nachmittag frei.

          Entwicklung und Material: Schraube für 50 Dollar

          Es sind die teuersten Autos der Welt. Die geringe Stückzahl von sieben bis acht Chassis pro Jahr läßt die anteiligen Kosten in astronomische Höhen schnellen. Im Bereich Fertigung wachsen die Kosten am schnellsten. Teure Materialien, aufwendige Produktionsverfahren gehen ins Geld. Allein der Etat für das Getriebe kann fünf Millionen Dollar ausmachen. Die Elektronik hat einen vergleichbaren Stellenwert. Ferrari beschäftigt 78 Spezialisten für Hardware und Software. Kohlefaser hat die Formel 1 in puncto Sicherheit revolutioniert - aber auch dramatisch verteuert.

          Dazu zählt nicht nur das Chassis. Sämtliche Aufhängungskomponenten sind aus Karbon. Der jüngste Clou sind faserverstärkte Metalle. Ferrari setzte diesen Werkstoff-Mix als erstes Team für die Radträger ein. Die Geldvernichtung beginnt bereits im Detail. Es gibt ein und dieselbe Schraube für einen oder für 50 Dollar. Die für 50 Dollar ist fünf Gramm leichter. Also kommt sie ins Auto. Windkanalstunden sind teuer. Die Topteams belegen ihre Anlagen rund um die Uhr und 360 Tage im Jahr. Renault reicht selbst das nicht. Die WM-Spitzenreiter mieten sich zusätzlich noch neun Tage pro Monat im Windkanal von Fondmetal ein. Macht 9.200 Stunden im Jahr.

          Mittlerweile hat jedes Team außer Minardi seinen eigenen Windkanal. Moderne Anlagen wie die von Sauber und Williams sind eine 50-Millionen-Dollar-Investition. Nicht jede Komponente kostet Geld. Shell zahlt Ferrari 25 Millionen Dollar, um das Team mit Benzin und Öl beliefern zu dürfen. Die Stoßdämpfer von Sachs werden gratis angeliefert. Sachs darf als Gegenleistung mit seiner Partnerschaft mit Ferrari werben. Die meisten Teams erhalten auch ihre Reifen umsonst. Bridgestone und Michelin geben jeweils über 100 Millionen Dollar pro Jahr für das Marketinginstrument Formel 1 aus.

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