https://www.faz.net/-gtl-93o9m

Ferraris Niederlage : Nur die Ruhe!

  • -Aktualisiert am

Vettel sucht die Schuld nicht bei anderen

Ferrari modifizierte das Kühlsystem und dessen Luftzufuhr, um dem Motor auf diesem Weg mehr PS zu entlocken. Alles unter enormem Zeitdruck. Auf dem Papier folgten mit Singapur, Malaysia und Suzuka drei Rennstrecken, auf denen Ferrari gewinnen konnte, ja gewinnen musste. Doch die Asien-Tournee endete im Tal der Tränen. Statt drei Siegen gab es drei Niederlagen, statt 75 nur 12 Punkte für Vettel.

Setzte das Team nach den ersten Niederlagen unter Druck: Ferraris Vorstandsvorsitzender  Sergio Marchionne.

Die Startkollision von Singapur, die beide Ferrari nach 400 Metern aus dem Rennen riss, die undichten Luftsammler in Malaysia, die defekte Zündkerze in Japan waren gewissermaßen der Todesstoß für die WM-Mission: „Wir haben auf den Strecken Punkte hergeschenkt, auf denen wir besser als Mercedes waren“, blickt Arrivabene verbittert zurück. Vettel pflichtete seinem Chef bei: „Was uns in den letzten Wochen passiert ist, hat nichts mit Pech zu tun oder dem Glück anderer. Das haben wir selbst zu verantworten. Wir hatten es in der Hand und haben es nicht geschafft.“

Die Angst vor dem Chef geht um

Ferrari kam nicht zur Ruhe. In der Heimat wurden weiter Störfeuer gelegt, die sich auf die Männer an der Front wie eine übergroße Last legte. Marchionne forderte eine Antwort auf die Niederlagen. Zwischen den Zeilen war versteckte Kritik an seinen Söldnern zu lesen. Er beklagte die Defekte, setzte der Qualitätskontrolle eine neue Chefin aus dem Hause Fiat vor die Nase und nahm auch die Piloten in die Pflicht.

Von Fehleinschätzungen war die Rede. Die bloße Ankündigung, Marchionne könne persönlich an der Strecke auftauchen, verwandelte das Team in einen aufgeregten Hühnerhaufen. Zu groß ist die Angst vor dem allmächtigen Chef, der nach internen Aussagen eine Wundertüte sein kann. Heute dein Freund, morgen dein Feind. Es schlichen sich Fehler in ein System ein, das vierzehn Rennen absolut zuverlässig gearbeitet hatte. In Austin wurde Vettels Chassis gewechselt, in Mexico-City explodierte der Feuerlöscher. Doch da war ohnehin schon alles verloren.

Keine Veränderungen im Team

Das Team richtet den Blick jetzt nach vorn. Marchionne auch. Seine Ansage, „wir haben das schnellste Auto im Feld“, ist kein Lob, sondern die stille Aufforderung, mit diesem tollen Auto auch gefälligst die letzten beiden Rennen zu gewinnen. Der WM-Titel 2018 ist Pflicht, doch alle Beteiligten wissen, dass es noch schwerer wird als in diesem Jahr. Red Bull ist zurück und damit neben Mercedes ein weiterer Gegner im Titelkampf. McLaren-Renault mit Fernando Alonso im Auto könnte ein zusätzlicher Störfaktor werden. Droht jetzt Ferrari ein neuer Umbruch? „Alles, was sich ändert, war von langer Hand geplant“, sagt Vettel. Teamchef Arrivabene müsste sich nach alter Ferrari-Tradition die größten Sorgen machen, doch dazu brauchte man erst einmal einen geeigneten Ersatz.

Einen Mann, der die italienische Sprache spricht und im Team gut vernetzt ist. „Maurizio macht einen guten Job“, sagt Vettel und gibt seinem Chef damit Rückendeckung. Technikdirektor Mattia Binotto ist ohnehin unumstritten. Marchionne mag den Brillenträger, der aussieht wie ein Theologiestudent. Weil Binotto so ist wie er. Der Ingenieur mit Schweizer Wurzeln hat Ferraris Technikabteilung umgekrempelt. Unter seiner Leitung wird mutiger und aggressiver entwickelt. Und man lotet die Regeln bis ans Limit oder manchmal sogar darüber aus.

Ross Brawn kennt die Verhältnisse bei Ferrari aus eigener Erfahrung. Er hat elf Jahre in Maranello gearbeitet. Nun sagt er: „Das Dümmste, das Ferrari jetzt machen könnte, wären große Veränderungen. Die Truppe ist gut. Man muss ihr die Gelegenheit geben, sich noch besser zusammenzuschweißen. Das genau ist die Stärke von Mercedes. WM-Titel gewinnst du nur mit einer Mannschaft, die sich vertraut und in sich ruht.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Bram Schot

F.A.Z. Exklusiv : So spart Audi gegen die Krise

Rund 15 Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren eingespart werden. Die Werke in Ingolstadt und Neckarsulm wird es wohl besonders hart treffen. Audi-Chef Schot sagt, er habe aber klare Vorstellungen, wie die Beschäftigung gesichert werden kann.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.