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Formel 1 in Monza : Vettels WM-Chance vergeht bei Barrichellos Sieg

Kein Schaumschläger: Rubens Barrichello darf sich nach seinem zweiten Saisonsieg weiter Hoffnungen auf den Titel machen Bild: REUTERS

Rubens Barrichello hat den Großen Preis von Italien vor seinem Brawn-Teamkollegen Jenson Button gewonnen. Dritter wurde Kimi Räikkönen vor Adrian Sutil. Sebastian Vettel sammelte als Achter nur einen Punkt - seine Chancen auf den WM-Titel sind nur noch rechnerischer Art.

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          Er konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Trommelte mit den Händen auf das Lenkrad, hob die Faust zum Zeichen des Sieges in den Himmel von Monza, küsste die Kameras und war einfach nur noch überwältigt von seinen Gefühlen. „Ich habe kaum Worte für das, was passiert ist. Es fühlt sich großartig an“, sagte Rubens Barrichello nach seinem Sieg beim Großen Preis von Italien am Sonntag. Damit sind auch die Hoffnungen des 37 Jahre alten Brasilianers auf den Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft im Spätherbst seiner Karriere noch einmal gestiegen. In der Gesamtwertung ist der Brawn-Pilot weiter erster Verfolger (66 Punkte) seines Teamkollegen Jenson Button (80), der Zweiter wurde in Monza. Gemeinsam mit Kimi Räikkönen (Ferrari) standen sie auf dem Podium über der Rennstrecke, spritzten mit Champagner um sich und ließen den Jubel Zehntausender Tifosi auf sich wirken.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sebastian Vettel und Mark Webber hatten sich zu diesem Zeitpunkt längst im Motorhome von Red Bull zurückgezogen. Voller Enttäuschung und der Gewissheit, dass sie in diesem Jahr kaum noch den Titel gewinnen können. Für Vettel reichte es aufgrund des Unfalls von Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) in der letzten Runde zu Rang acht, Webber kam nach einer Kollision mit Robert Kubica (BMW-Sauber) in Runde eins überhaupt nicht ins Ziel. „Das ist natürlich ein Tritt in den Hintern für uns“, sagte Vettel. Vier Rennen vor Ende hat der 22 Jahre alte Heppenheimer nun 26 Punkte Rückstand auf Button.

          Es war ein Sieg der Strategie auf dem schnellsten Kurs im diesjährigen Kalender der Formel 1. Nur in den ersten drei Runden wurde richtig überholt, und weil Teamchef Ross Brawn dies wohl schon am Samstag geahnt hatte, standen seine beiden Piloten mit ausgesprochen viel Benzin im Tank in der Startaufstellung. Mit einem Boxenstopp - so wollten sie den im Qualifikationstraining so überlegen auf die Pole Position gefahrenen Hamilton in den Griff bekommen. Mit Erfolg. Als der 24 Jahre alte Engländer in der 34. Runde zum zweiten Mal an die Box fuhr, gingen Barrichello und Button an ihm vorbei. „Es war nervenaufreibend, sich auf diese Strategie einzulassen“, sagte Ross Brawn später. „Es war ein Risiko, aber die Jungs haben das super umgesetzt.“

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          Nicht nur die Taktik war die richtige, auch das Auto hatte wieder jene Geschwindigkeit, die am Beginn der Saison die Konkurrenz schon zum Verzweifeln gebracht hatte. Danach verkürzte Red Bull den Abstand mehr und mehr und stieß nun zum ersten Mal richtig an die Grenze des Autos. „Wir sind auf den Geraden nicht schnell genug“, sagte Teamchef Christian Horner - und das ist in Monza fatal. Nur beim Start hatte Vettel die beiden Brawns in Sichtweite, danach plagte er sich mit Positionskämpfen im Mittelfeld herum. Unter normalen Umständen hätte er nicht einmal gepunktet.

          Sutil jagt Räikkönen

          Doch als Hamilton drei Kilometer vor Ende des Rennens als Drittplazierter mit dem Hinterrad auf die Randsteine kam, die Kontrolle über das Auto verlor und in die Leitplanke krachte, rückte Vettel noch einen Rang auf, blieb aber hinter Nick Heidfeld (BMW-Sauber), der Siebter wurde. Noch-Weltmeister Hamilton wollte trotzdem nicht mit dem Schicksal hadern: „Das sind so Rennzwischenfälle, wie sie passieren.“ Ganz zur Freude der Italiener. Sie jubelten, als die Trümmer des McLaren-Mercedes noch durch den königlichen Park wirbelten, weil sie wussten, dass mit Räikkönen nun ein Ferrari-Pilot auf dem Podium stehen würde. Aber dafür musste der Finne hart kämpfen.

          Immer wieder musste sich Räikkönen der Angriffe von Adrian Sutil im Force India erwehren, der mit Platz vier das beste Ergebnis seiner Karriere in der Formel 1 erreichte. Am Ende brachte sich der Sechsundzwanzigjährige nur selbst um einen Pokal. Unmittelbar hintereinander waren er und Räikkönen in Runde 37 zum zweiten Stopp abgebogen. Aber Sutil schoss über die Parkposition hinaus. Ein Mechaniker stürzte, am Ellbogen eines anderen blieb der rechte Außenspiegel hängen. „Ich war zu spät auf der Bremse. Der Boxenstopp war meine einzige Chance“, sagte Sutil: „Ich wollte ihn unbedingt packen.“

          „Der Typ hier ist mein ärgster Rivale“

          Die Chance nutzen, an seine Möglichkeiten glauben - darauf konzentriert sich nun auch Barrichello. Im Moment des Triumphs wurde er emotional. „Es ist noch nicht lange her, da hatten wir nicht einmal einen Job.“ Aber dann übernahm Brawn das Honda-Team, demonstrierte eine beeindruckende Entwicklungsarbeit, und nun stehen zwei Menschen vor der Chance ihres Lebens. Jetzt werden aus den beiden Kollegen erbitterte Konkurrenten. Wie sagte Button? „Dieser Typ hier ist mein ärgster Rivale.“ Barrichello lächelte.

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