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Formel 1 : Ferraris Ritt auf der Welle

Sebastian Vettel will der nächste Weltmeister als Ferrari-Pilot werden. Bild: Reuters

Zehn Jahre ist es her, dass ein Ferrari-Pilot Formel-1-Weltmeister geworden ist. Sebastian Vettel will nun in die Legenden-Liga bei der Scuderia aufsteigen. Beim Großen Preis von Russland kann er diesem Wunsch näher kommen.

          42 Palmen stehen im botanischen Garten der Rennstrecke von Sotschi, 68 Bäume und 849 Büsche. Zypressen, Liliengewächse, Teebäume, sogar Pflanzen der Gattung Asparagus, zu Deutsch: Spargel. So haben es die Erbauer der Strecke auf eine Plakette gravieren lassen, die achtlos übersehen wird von Fahrern, Ingenieuren, Technikern der Formel-1-Teams, wenn sie ins Fahrerlager des Sotschi Autodroms kommen.

          Dort, wo sie steht, dort, wo die Stars der Formel 1 ihre Runden drehen, war einst Naturschutzgebiet, jetzt findet hier der Große Preis von Russland statt. 42 Palmen, 68 Bäume, 849 Büsche gegen ein schlechtes Gewissen? Sebastian Vettel sind es zu wenige Bäume. Oder Palmen. Oder beides. Jedenfalls stehen sie an der falschen Stelle, zu weit abseits der Strecke.

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          „Es gibt hier nicht viele Anhaltspunkte. Viele Kurven fühlen sich gleich an und sehen gleich aus“, sagt der Führende der Formel-1-Weltmeisterschaft über den Kurs in Sotschi am Freitagnachmittag, als er gerade das freie Training beendet hat. Er sagt es erst auf Englisch, dann auf Deutsch. Wo ist der Bremspunkt welcher Kurve? Zu viel Verwechslungsgefahr. Zu wenige Bäume. „Sie sollten hier ein paar mehr Bäume pflanzen, damit man Anhaltspunkte hat.“ Er ist gerade Bestzeit gefahren im Training, er steht 150 Meter entfernt von der Plakette, die auf die Pflanzen verweist.

          Auf seinem Gesicht zeichnet sich ein Grinsen ab, auch als er über all die verwechselbaren Kurven von Sotschi spricht. Seine Mundwinkel beschreiben auch eine Kurve, sie ziehen sich nach oben. So gibt sich Vettel in diesen Frühlingstagen in der Formel 1. Eine Reporterfrage, eine scherzhafte Gegenfrage. Und ein Grinsen. Vettel führt die Weltmeisterschaft an. Der Unterschied zur vergangenen Saison ist gewaltig – in den Ergebnislisten und bei Vettels Laune. Zum ersten Mal seit dem 22. Juni 2008, dem Großen Preis von Frankreich, starten nun in Sotschi zwei Ferraris aus Reihe eins: Vettel vor Räikkönen.

          Zehn Jahre ist es her, dass ein Ferrari-Pilot zuletzt Formel-1-Weltmeister geworden ist, 2007 wurde der Finne Kimi Räikkönen Champion, weil Lewis Hamilton und Fernando Alonso sich bei McLaren bekriegten. Und weil Räikkönen, heute Vettels Teamkollege, einst der Mann, der bei Ferrari auf Michael Schumacher folgte, ein Auto hatte, das ihm die erfolgreichste Kombination aus Fahrer (Schumacher), Teamchef (Jean Todt) und Chefingenieur (Ross Brawn) hinterlassen hatte, die je in der Formel 1 zusammengestellt wurde.

          Seit 1950, dem ersten Formel-1-Jahr, ist die Scuderia Ferrari in der wichtigsten Rennserie der Welt vertreten. Das ist einzigartig, und gleichzeitig ist die Formel 1, der Auftritt der Piloten mit dem sich aufbäumenden Pferdchen auf dem roten Boliden das einzige wirklich relevante Marketinginstrument, mit dem die Sportwagenfirma ihre Autos verkauft. Nur zweimal mussten sie bei Ferrari länger auf einen Fahrertitel warten als jetzt. Die Männer, die das Team aus der Erfolglosigkeit erlösten, wurden zu Legenden.

          Vettel in der Garage von Ferrari. Bilderstrecke

          Der Österreicher Niki Lauda, als er 1975 erster Ferrari-Weltmeister seit 1964 wurde. Der Deutsche Schumacher, der 2000, im fünften Anlauf, den ersten Fahrertitel für die Scuderia seit 1979 gewann und dann vier weitere Jahre nicht zu schlagen war. Vettel ist viermal Weltmeister geworden, mit Red Bull. Ein Titel mit Ferrari würde ihn zu einem Champion in der Schumacher-Lauda-Liga machen. Er nimmt in diesem Jahr den dritten Anlauf; nach Jahren der Dominanz des Mercedes-Teams bietet sich eine echte Chance. „Vettel è un fulmine“, schreibt „La Repubblica“, Vettel ist ein Blitz – am Freitag, nach einer Trainingsbestzeit. Die Erregung steigt.

          Ferrari scheint Mercedes ebenbürtig, nachdem das Team im vergangenen Jahr noch hinter Red Bull zurückgefallen war und Vettels Laune bisweilen bemerkenswert schlecht wurde. Aber: Die Regeländerungen, die zu dieser Saison eingeführt wurden, spielen den Italienern in die Karten. Die Weiterentwicklung der Motoren unterliegt weniger Restriktionen. „Wir versuchen das zu nutzen“, sagt Luigi Fraboni in Sotschi. Fraboni ist an der Strecke für die Motoren der Scuderia verantwortlich. „Wir haben mehr Freiheiten, natürlich ist das gut für uns. Wir mussten eine ziemliche Lücke schließen. Wir haben an allem gearbeitet. An der Energierückgewinnung, an der Leistung, an der Zuverlässigkeit, am Gewicht.“

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