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Formel 1 : Mann des Lächelns

Bislang der bessere Red-Bull-Pilot: Daniel Ricciardo hat Weltmeister Vettel überrascht Bild: AP

Daniel Ricciardo schien viel zu nett, um ein erfolgreicher Formel-1-Fahrer zu sein. Jetzt hat er Weltmeister Vettel überholt und startet auch beim Rennen in Spielberg vor dem Teamkollegen.

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          Da ist dieses Lächeln, bei dem er seine schneeweißen Zähne zeigt. Niemand kann sich dem entziehen. Es gibt Tausende Fotos, die Daniel Ricciardo derart zeigen: kurz bevor er in seinen Rennwagen steigt, kurz nachdem er wieder aussteigt, während der Siegerehrungen und Pressekonferenzen. Es ist sein Markenzeichen - und es war einmal ein Problem. „Manche Leute haben mich unterschätzt. Sie dachten, dass ich zu nett bin, dass ich mich auf der Strecke nicht wehren kann“, sagt der Vierundzwanzigjährige: „Aber ich habe einfach eine wirklich gute Zeit unter dem Helm. Ich habe meine Antwort nun im Auto gegeben, und ich werde definitiv genau so weiter machen.“ Ein Satz, der als eine Art Kampfansage verstanden werden kann, dann zeigen seine Mundwinkel schon wieder nach oben. Genau diese unbekümmerte Art macht den Mann inzwischen so gefährlich.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei seinem Debüt in der Formel 1 vor drei Jahren trug Ricciardo noch eine Zahnspange, vor zwei Wochen hat er in Kanada von den technischen Problemen bei Mercedes profitiert und sein erstes Rennen gewonnen. Er, der Neue bei Red Bull, stand auf einmal im Scheinwerferlicht. Und der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel beobachtete die Szene und gratulierte. „Wir wussten, dass Daniel verdammt schnell ist“, sagt Teamchef Christian Horner. „Aber wir haben nicht damit gerechnet, dass er dies auf Anhieb zeigen würde, dass er dem Druck sofort standhalten kann.“ An diesem Sonntag (Start: 14 Uhr) geht Ricciardo als Fünfter in den Großen Preis von Österreich, in der Gesamtwertung liegt er derzeit auf Platz drei und ist damit der erste Verfolger des Mercedes-Duos Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Ricciardo hat in Rekordzeit bewiesen, was einige Experten schon vor der Saison vorhergesagt hatten: Für Vettel, der nur als Zwölfter startet, kann dieser Typ aus Perth an der Westküste Australiens zu einer echten Herausforderung werden.

          Spaß am Sport

          Frage an Ricciardo: Wie schön es sei, regelmäßig vor einem viermaligen Weltmeister wie Vettel ins Ziel zu kommen? „Es macht Spaß“, sagt er. Und weiter: „Wenn ich mich gut schlage, dann sagt das viel über mich aus. Das kann meiner Karriere nur guttun.“

          Schnell unterwegs mit langsamem Wagen: Daniel Ricciardo ist der bessere der Red-Bull-Piloten

          Aber warum ist der Neue im Team auf einmal schneller als der Dominator der vergangenen Jahre? Die technische Revolution mit der neuen Motorenformel hat Vettel härter getroffen als andere. Zweimal ist er ausgefallen, weil sein Bolide keine Power mehr hatte, beinahe an jedem Wochenende klagte der Sechsundzwanzigjährige bisher darüber, dass er noch kein Vertrauen zum Rennwagen mit der Typennummer RB10 aufgebaut habe. Das neue Auto rutscht ihm zu viel in den Kurven, die Reifen sind zu hart, die Motorleistung zu gering und vieles von dem, was er sonst aus dem Cockpit heraus verändert hat, erledigt inzwischen die Technik. Vettel muss sich an den Rennwagen anpassen, sonst war es immer umgekehrt. Ricciardo aber fährt derzeit das beste Auto, das er jemals gefahren hat. Er fühlt sich wohl und geht an die Grenze - das macht derzeit den Unterschied auf den Zeitenmonitoren aus.

          Mehr als eine Viertelmillion Menschen verfolgen über den Kurznachrichtenkanal „Twitter“ regelmäßig, was Ricciardo macht, was er denkt und wo er gerade ist. Dabei war er lange ein Einzelkämpfer. 2005 fuhr er noch in der australischen Formel Ford, 2006 in der asiatischen Formel BMW, erst 2007 wechselte er nach Europa in die italienische Formel-Renault-Serie - und auf einmal änderte sich sein Leben. Ricciardo erhielt eine E-Mail, der Absender: Red Bull. Der Achtzehnjährige wurde nach Estoril eingeladen, wo er zeigen sollte, was er draufhat. Als Hauptgewinn lockte ein Platz im Red-Bull-Juniorteam, aber andere Rennfahrer kamen mit der gleichen Hoffnung nach Portugal: „Jeder von uns hatte damals fünf Runden, und jedem von uns war bewusst, dass sie nur den Schnellsten in ihr Programm aufnehmen würden“, sagt Ricciardo. Er war der Schnellste, er setzte sich durch und lernte später genau wie zuvor Vettel beim Schwesterteam Toro Rosso die Grundregeln der Formel 1.

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