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Max Verstappen weiter sauer : „Das fand ich respektlos, und es zeigt, wer sie wirklich sind“

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Max Verstappen in Ungarn: Seine Wut ist durch die Maske hindurch sichtbar. Bild: AP

Nach dem heftigen Crash in der Formel 1 macht Max Verstappen seinem Konkurrenten Lewis Hamilton weiter Vorwürfe, spricht von einer Respektlosigkeit. Der Brite und Vettel kritisieren derweil Ungarns Regierung.

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          Es war schon ganz gut, dass Max Verstappen und Lewis Hamilton getrennt voneinander befragt wurden. Selbst im klimatisierten Pressekonferenzraum im Budapester Glutofen wurde klar: Knapp zwei Wochen nach dem Crash von Silverstone bleibt das WM-Duell aufgeladen. Über Details eines gemeinsamen Telefonats wollten beide nicht viel reden. Hamilton betonte hingegen, dass er das Manöver wieder so fahren würde. Und Verstappen bekräftigte die Kritik an der Feier der Silberpfeile, während er selbst von Ärzten durchgecheckt worden war: „Das fand ich respektlos, und es zeigt, wer sie wirklich sind.“ Er wolle so nicht wahrgenommen werden.

          Vor dem Großen Preis von Ungarn am Sonntag (15.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei Sky) schoss Verstappen damit ein paar Giftpfeile Richtung Mercedes und Hamilton, der Ärger war dem 23-Jährigen selbst hinter dem dunkelblauen Mund-Nasen-Schutz deutlich anzusehen. Respektlos, wiederholte Verstappen, sei es, „wenn einer im Krankenhaus ist und der andere schwenkt die Flagge, als wäre nichts passiert, nachdem er einen mit 51g (Fliehkraft, Anm. d. Redaktion) in die Wand gedrückt hat“.

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          Hamilton zeigte derweil nur wenig Reue, „das waren meine natürlichen Emotionen“, die werde er nicht verstecken. Nach dem Rennen habe er Verstappen angerufen, um zu sehen, ob es ihm gut gehe. „Ich wollte ihn wissen lassen, dass der Respekt noch da ist“, sagte Hamilton: „Das beruht vielleicht nicht auf Gegenseitigkeit, aber das ist okay.“ Es sei eine Sache, es zu wissen und zu feiern und es nicht zu wissen und zu feiern, versuchte sich Hamilton an einer Erklärung. Er habe zu dem Zeitpunkt nicht gewusst, dass Verstappen im Krankenhaus sei. Aber es sei auch sein Heimrennen gewesen und ein „monumentaler Moment“ für das Mercedes-Team. Aufgebracht oder aufgeregt klang der Brite nicht. In fast anderthalb Jahrzehnten in der Motorsport-Königklasse hat der mittlerweile 36-Jährige fast alles schon erlebt, aus der Ruhe kann ihn die heftige öffentliche Kritik aus dem Red-Bull-Lager auch nicht bringen.

          Rosberg erinnert Rivalität an Senna gegen Schumacher

          Sportlich hat der erste große Knall im WM-Duell deutliche Spuren hinterlassen. Der frühere Weltmeister Nico Rosberg, lange Teamkollege und 2016 der letzte echte Konkurrent für Hamilton, sieht einen „Kampf der Generationen“. Die Rivalität erinnere ihn an „Senna gegen Schumacher, Schumacher gegen Alonso, Alonso gegen Vettel“, sagte der Deutsche bei Sky Sports. „Und wir werden mehr davon sehen, da bin ich sicher.“

          Verstappens Vorsprung auf Hamilton schmolz auf magere acht Punkte zusammen. Mit dem Rennen auf dem Hungaroring, dem letzten vor der vierwöchigen Sommerpause der Formel 1, will Verstappen schnell wieder zurück auf die Erfolgsspur. Der Red-Bull-Pilot habe nach dem Unfall „härter denn je“ trainiert, wie er sagte. Er nahm sogar an einem 24-Stunden-Rennen teil, saß mit blauen Flecken fast neun Stunden vor dem Bildschirm. Sein Team legte derweil Protest ein und forderte vom Weltverband FIA sogar eine Sperre für Hamilton. Die meisten der auf dem Hungaroring befragten Piloten werteten den Crash allerdings als Rennunfall.

          Auf die Frage, ob Hamilton schmutzig gegen ihn fahre, antwortete Verstappen dann auch etwas ausweichend: „Er hat es einfach falsch eingeschätzt in der Kurve.“ Zu dem Rest wolle er sich nicht äußern. Er selbst fahre auch nicht aggressiv, nur hart. „Sonst hätte ich ihn in die Wand gedrückt“, betonte Verstappen. Sie würden weiter um die WM kämpfen und auf beste Art und Weise weitermachen, „zumindest von meiner Seite“, meinte Verstappen.

          Hamilton und Vettel äußern sich zu umstrittenem Anti-LGBT-Gesetz in Ungarn

          Hamilton dagegen wollte zu Beginn seiner Fragerunde eigentlich gar nicht groß über den Unfall reden. „Ich denke, alles, was zu sagen war, wurde beim vergangenen Rennen gesagt“, betonte er, stellte dann aber unter anderem klar: „Keiner von uns will, dass ein anderer Fahrer verletzt wird.“ Die heftige und mitunter rassistische Kritik an ihm in den Sozialen Medien nach dem Sieg sei für ihn auch nichts Neues, berichtete Hamilton. Er habe aber viel Zuspruch bekommen, auch aus der Formel 1. „Ich habe zum ersten Mal das Gefühl gehabt, dass ich nicht allein bin in diesem Sport“, sagte Hamilton, der dann selbst zu einem anderen Thema deutlich Stellung bezog. Gemeinsam mit Sebastian Vettel äußerte er sich zu dem geplanten Referendum gegen Rechte nicht-heterosexueller Menschen (LGBT) in Ungarn. „Es ist beschämend für das Land“, sagte Vettel, der dabei Sneaker in Regenbogenfarbe trug („Damit will ich nur die Unterstützung für diejenigen ausdrücken, die davon betroffen sind“), bei einer Pressekonferenz auf dem Kurs nordwestlich der ungarischen Hauptstadt. Er könne nicht verstehen, warum die Regierung so damit kämpfe, dass die Menschen einfach frei leben könnten, wie sie wollten, betonte der 34 Jahre alte gebürtige Heppenheimer.

          Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hatte kürzlich ein Referendum über ein umstrittenes Gesetz angekündigt, das sich gegen nicht-heterosexuelle Menschen richtet. Das Gesetz verbietet unter anderem Werbung, in der Homosexuelle oder Transsexuelle als Teil einer Normalität erscheinen. Die EU-Kommission sieht es als diskriminierend an und hat Schritte gegen Ungarn eingeleitet.

          Hamilton sicherte via Instagram denen seine Unterstützung zu, die von dem Gesetz betroffen seien. „Es ist inakzeptabel, feige und irreführend von den Machthabern, ein solches Gesetz vorzuschlagen“, schrieb der 36-Jährige, der sich seit längerem für Menschenrechte starkmacht und seine exponierte Rolle nutzt, um Missstände anzuprangern. „Jeder hat die Freiheit verdient, so zu sein, wie er möchte. Egal, was man liebt oder wie man sich fühlt.“ Hamilton forderte die Menschen in Ungarn auf, „beim bevorstehenden Referendum für den Schutz der Rechte der LGBTQ+Community zu stimmen. Sie brauchen unsere Unterstützung mehr denn je.“

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