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Formel-1-Einstieg gescheitert : Darum ließ Red Bull Porsche abblitzen

  • -Aktualisiert am

Porsche wollte eine Motoren-Partnerschaft mit Red Bull Racing eingehen. Bild: picture-alliance / Race-Press.com

Der lange vorbereitete Einstieg der Deutschen in die Formel 1 platzt. Mit dem großen Namen Porsche hätte sich Red Bull zwar gerne geschmückt. Doch längst führt der Rennstall etwas ganz anderes im Schilde.

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          Der Formel-1-Rennstall von Red Bull hat es nicht nötig: Das ist die Botschaft der Formel 1 vom Freitag. Die Porsche AG hatte Stunden vor dem ersten Training für den Großen Preis von Italien am Sonntag in Monza (15.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei Sky) über das Ende der Gespräche mit dem Rennstall informiert. Eine Überraschung war das nicht mehr.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Aber im Fahrerlager hatte die Vereinbarung im Sommer als beschlossen gegolten. Weil der Konzern bei Kartellämtern hinterlegt hatte, 50 Prozent des Rennstalls übernehmen zu wollen. Die Deutschen wollten auf „Augenhöhe“ mitfahren, also mitbestimmen auf ganzer Ebene, auch Fahrer auswählen. Ein Sakrileg. Red Bull reinreden?

          Der Rennstall ist dank seiner mitunter eigenwilligen operativen Führung gut gefahren. Am Sonntag könnte Max Verstappen zum fünften Mal in Serie einen Grand Prix gewinnen, der WM-Titel ist ihm kaum mehr zu nehmen bei 109 Punkten Vorsprung. Sein Team katapultierte sich mit einem straffen Führungssystem in die Umlaufbahn der Formel 1, ist schwer zu schlagen derzeit.

          Sport­direk­tor Helmut Marko und Teamchef Christian Horner steuerten das Projekt nach den Seriensiegen mit Sebastian Vettel im Cockpit wieder in die Gewinnzone. Mit schnellen Entscheidungen, ohne Umwege über Vorstandsbeschlüsse. Warum dann Porsche einladen, nach Lust und Laune am Lenkrad mitzudrehen? „Wir wollen“, sagte Horner, „unsere Unabhängigkeit behalten.“

          Red Bull auf Solokurs

          Die Deutschen, ihr großer Name, ihr Geld wären dem Team schon lieb gewesen. Aber nur in der Rolle des Beifahrers. Denn Red Bull führt längst etwas ganz anderes im Schilde: eine Unabhängigkeit im großen Stil, neben dem Chassis auch den Antrieb selbst zu bauen in England. Die Voraussetzungen sind günstiger denn je. Der Internationale Automobil-Verband hat mit einer Reglementsänderung für den Hybrid-Antrieb von 2026 nicht nur potentielle Einsteiger wie Porsche gelockt.

          Formel 1

          Die Abrüstung der Technik wird gleichzeitig für alle billiger, der Vorteil, einen Weltkonzern im Rücken zu haben, verliert an Bedeutung. Und so rotiert das Zukunftsprogramm von Red Bull längst. Der erste Motor in Eigenregie röhrt seit dem Sommer auf dem Prüfstand. Die Infrastruktur ist geschaffen, Ingenieure sind abgeworben unter anderem von Mercedes. Die Österreicher steuern mit dem Projekt, in Milton Keynes unweit der Rennstrecke von Silverstone alles aus einer Hand zu konstruieren, auf einen Solokurs zu.

          Die Konkurrenz wächst

          Allerdings war im Fall von Porsche nie von der Rolle eines Motorenlieferanten die Rede, sondern „nur“ von einer Unterstützung mit Hardware aus Deutschland für den Elektromotor. Porsche hätte, überspitzt formuliert, vor allem das Firmensignet auf den Boliden geklebt. Die Strategen der Markenschwester Audi hatten vor zwei Wochen angekündigt, von 2026 an mit einem Antrieb „Made in Germany“ ins Rennen zu gehen. Sie wollen Sauber peu à peu übernehmen, nachdem die Verhandlungen mit McLaren gescheitert sind. Ein weiteres Indiz für die Lage der großen Rennställe: Sie können es sich offenbar leisten, selbst Porsche abblitzen lassen.

          Nach dem Trennungsbrief aus Zuffenhausen brüstete sich Red Bull mit seiner Attraktivität. Schon länger kursieren Gerüchte, Hersteller aus Asien stünden vor der Formel-1-Tür. Honda stieg zwar erst Ende 2021 aus, liefert Red Bull noch bis Ende 2025 Aggregate, scheint aber an eine Kehrtwende zu denken. Die Konkurrenz wächst, sie treibt die Preise in die Höhe.

          Porsche ließ wissen, die Formel 1 bleibe nach den (eigens für die VW-Marken) geänderten Regeln „ein attraktives Umfeld“, das weiterhin beobachtet werde. Es gibt aber nicht mehr viel zu entdecken. Die großen Rennställe werden ihren Widerstand gegen Übernahmen kaum aufgeben, wenn sie im Rennen bleiben wollen. Die kleinen bieten ehrgeizigen Konzernen wie Porsche kaum die Chance, schnell erfolgreich werden zu können allein mit Geld.

          Dass dies am Vorabend des Rennens in Monza so offensichtlich wird, mag ein Zufall sein. Der Kurs von Red Bull ist es nicht. Mit der erfolgreichen Entwicklung von Auto und Antriebsstrang würde der Rennstall den nächsten Schritt machen und einem Konkurrenten gegenübertreten, der wie kein Zweiter diese Philosophie verfolgt: Ferrari.

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