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Klimaschutz beim Spitzensport : Gas geben für die Umwelt

  • -Aktualisiert am

Investitionen in den Klimaschutz: nicht nur für den Rennsport ein wichtiges Zukunftsthema Bild: dpa

Sebastian Vettel beklagt das Desinteresse der Formel 1 an der Entwicklung von Umwelttechnik. Die Königsklasse gefährde damit ihre Zukunft. Das gilt für jede Sportart, die sich der Klimaschutzdebatte entziehen will.

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          Das ist selten: Ein bekannter Spitzensportler kritisiert das System, in dem er groß geworden ist, als rückständig. Sebastian Vettel hat das getan, als er im Interview mit der F.A.Z. das Desinteresse der Formel 1 an der Entwicklung von Umwelttechnik anprangerte. Er tat es aus Leidenschaft. Weil er überzeugt ist, dass der Motorsport sich wandeln muss, wenn er im Rennen bleiben will. Und weil er aus nächster Nähe über dreizehn Jahre erfahren hat, was die klugen Köpfe in seinem Sport zu leisten imstande sind – auch für die Gesellschaft.

          Die Pandemie hat das vor Augen geführt. Wer wie Ingenieure der Rennställe Mercedes, McLaren und Red Bull innerhalb von wenigen Wochen Atemhilfsgeräte neu konstruieren, verbessern und 10.000 davon produzieren kann, um die Krankenhäuser Englands zu entlasten, der ist auch in der Lage, den Schadstoffausstoß seiner Boliden im Kreisverkehr mittelfristig massiv zu senken, wenn nicht gar auf null zu fahren. Darin besteht der Unterschied zu anderen Sportarten. Die Formel 1 hat es als illustrer wie hochentwickelter Technikklub selbst in der Hand, der von Vettel beschriebenen Bedrohung zu entkommen.

          Die Formel 1 wird sich schnell bewegen müssen, solange sie der wachsenden Zahl der Gegner als Symbol für Energieverschwendung dient. Da hilft auch der Hinweis nicht, der Anteil der weltweiten Umweltverschmutzung durch ihre Rennerei sei nicht berechenbar, weil so gering. Oder der Verweis auf andere Sportarten. Allein zwei Spieltage der Fußball-Bundesliga (mit Zuschauern) sollen mehr CO2 produzieren als der Jahres-Rennbetrieb der Königsklasse. Früher oder später wird die Umweltdebatte ohnehin den gesamten Sport erfassen und ihn verändern.

          Keine Angst vor Veränderung

          Auch das lässt sich in Zeiten des Lockdowns schon erkennen. Wenn Skilifte geschlossen bleiben wie in diesen Tagen und eine schöne Schneedecke einlädt zu Bewegung unter freiem Himmel, denn werden verschüttete Erinnerungen freigelegt. Die wunderbare Erfahrung, im Neuschnee auf eigenen Füßen einen kleinen Gipfel erreicht zu haben. Und dann das Glücksgefühl bei der Abfahrt. Warum also wieder in eine Gondel steigen? Warum unbedingt zurückkehren wollen zu den energiefressenden Gewohnheiten vor Ausbruch der Pandemie?

          Mit der Rückbesinnung und der parallel forcierten Entwicklung des Umweltbewusstseins werden alle Sportarten und Veranstalter überholt, die nicht willens oder in der Lage sind, sich den abzeichnenden Forderungen und den neuen Bedingungen anzupassen. Das wird die Organisation des großen Fußballs so betreffen wie die Ausrichter Olympischer Spiele. Aber niemand muss das fürchten. Im Gegenteil.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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