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Toto Wolff im Gespräch : „Die Formel 1 wird schlecht geredet“

In Mexiko waren 140000 Menschen an der Strecke, völlig begeistert. In Brasilien ist die Begeisterung auch weiterhin groß. Ist das nicht ein Beleg dafür, dass die Kritik an der jetzigen Formel 1 – zu leise, zu langsam, zu kompliziert – zu oberflächlich ist?

Man muss objektiv auf die Serie blicken. Es gibt Dinge, die zu optimieren sind. In manchen Regionen gibt es eine Sättigung, das Konsumverhalten verändert sich. Mexiko war ein Auftaktrennen, an einer historischen Strecke. Grundsätzlich glaube ich, dass die Formel 1 schlecht geredet wird, weil viele Leute ein Interesse daran haben.

Wolff und der Weltmeister: Lewis Hamilton wurde zum zweiten Mal in Folge Champion.
Wolff und der Weltmeister: Lewis Hamilton wurde zum zweiten Mal in Folge Champion. : Bild: AFP

Was würden Sie ändern?

Ich will nicht als der Oberweise herumrennen und phantasieren über Dinge, die nicht zu meinem Aufgabenbereich gehören. Aber wir müssen definitiv darüber nachdenken, wie wir die Formel 1 in Ländern, in denen es eine Sättigung gibt, attraktiver gestalten können. Ist der Preis, live dabei zu sein, zu hoch? Sind die Regeln so, dass es attraktiv rüberkommt? Sind wir mit den digitalen Medien richtig positioniert oder verlassen wir uns auf das, was vor zehn Jahren funktioniert hat?

Aber Sie sagen nicht: Wir brauchen die symbolische Zahl – 1000 PS.

Bald werden wir 1000 PS haben. Wir werden wieder schneller. Es liegt in der Natur der Sache.

Aber die Geschwindigkeit wurde bewusst zurückgenommen.

Wir kommen wieder dahin, wo wir waren. So ist die technologische Entwicklung. Aber wir müssen spektakulär bleiben als Sport. Es gibt im Internet so viele spektakuläre Mitbewerber, dass die Formel 1 sich fragen muss: Sind wir so spektakulär wie früher? Kommen die Gefahr und der Speed so rüber wie früher?

Die Gefahr hat abgenommen – gut so.

Die Sicherheit hat zugenommen, das ist gut so für den Piloten. Aber es geht darum, wie die Wahrnehmung ist. Wir sind in Mexiko 364 km/h gefahren. Kommt diese Message beim Kunden, beim Fan so an? Tut sie nicht. Warum nicht? Wir sollten die Botschaft verbreiten: Wir sind die Schnellsten. Keine andere Serie ist so schnell, nicht mal in Le Mans, mit einer zwei Kilometer langen Gerade.

Ihr Vertrag läuft bis Ende 2017. Haben Sie schon entschieden, wie es danach weitergeht?

Ich konnte mich für die Herausforderung des Projekts begeistern. Es ist für mich der optimale Kompromiss zwischen dem Sport, den ich liebe, und dem Business. Wir bekommen von Daimler den Support, die Freiheit, das im Sinne der Marke bestmöglich zu machen. Das sind die richtigen Rahmenbedingungen, um zu liefern. Aber ich möchte mich noch nicht verzetteln mit der Frage, was nach 2017 passiert. Ich sehe im Moment keinen Grund, nicht weiterzumachen. Aber darüber beginne ich in einem Jahr nachzudenken.

Seit 2003 ist der Österreicher bei Mercedes.
Seit 2003 ist der Österreicher bei Mercedes. : Bild: dpa

Als Sie angefangen haben im Winter 2013, sagten Sie in einem Interview mit der F.A.Z., Daimler sei es wichtig gewesen, dass Sie, wie Sie es damals ausdrückten, „skin in the game“ haben. Ist die Haut dicker geworden?

Zwangsläufig, bei all dem, was uns und mir jeden Tag widerfährt.

Gut ausgewichen. Die Frage zielt auf Ihre persönlichen Anteile am Team. Funktioniert das Business für Sie?

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