https://www.faz.net/-gtl-8a8ao

Toto Wolff im Gespräch : „Die Formel 1 wird schlecht geredet“

Wolf malt eine neue steile Kurve in der Zeit nach 2017.

Echte Handarbeit in Sao Paulo: Die Zeichnung von Toto Wolff.
Echte Handarbeit in Sao Paulo: Die Zeichnung von Toto Wolff. : Bild: Christoph Becker

Dafür gibt es keine Garantie.

Es gibt keine Garantie und ist das hier – (er zeigt auf die frühere Kurve, d. Red.) – wirklich passiert? Und sind die anderen hier – auf der Kreuzung – oder darunter? Das analysieren wir immer wieder. Das klingt jetzt so smartass-artig. Aber es ist eine übergelagerte strategische Frage. Und es kommt hinzu: Bei einem neuen Reglement müssten wir neue Investitionen in den Motor tätigen. Wir erachten es nicht als sinnvoll, einen Motor über drei Jahre zu entwickeln und dann ein neues Konzept zu starten. Hybridtechnologie ist serienrelevant und die Zukunft. Aber man darf sich nicht verschließen, was in der Formel 1 passiert. Man kann nicht nur opportun auf sich schauen. Nur wenn die Plattform gut ist und die Konkurrenz stark, ist es für uns interessant.

Wie viele Motorenhersteller braucht die Formel 1?

Wir haben eine richtig gute Situation. Wir haben vier Hersteller, die Motoren liefern. So etwas hat es selten gegeben. Ich frage mich, was das Ziel ist, wenn man das Reglement verändern will. Mir kommt es so vor, als sei es ein immerwährender Zyklus. Erst schafft man ein Reglement, das Hersteller anzieht. Dann kommen sie. Und dann wird geklagt, dass die Hersteller zu stark sind. Ich respektiere die Einstellung der kleinen Teams, der Fia, von Bernie, dass der Sport Variabilität braucht und Unvorhersehbarkeit. Nur dann schaltet der Zuschauer ein.

Aber ist es realistisch, mit zwei unterschiedlichen Antriebskonzepten unterwegs zu sein? Drei, vier Hybrid-Hersteller und dann kommt ein fünfter mit einem ganz anderen Konzept, der die Kosten drückt.

Das hat es vor dreißig, vierzig Jahren gegeben, mit Turbo- und Saugmotoren.

Wolff mit seiner Frau Susie, die als Rennfahrerin zum Saisonende aufhört.
Wolff mit seiner Frau Susie, die als Rennfahrerin zum Saisonende aufhört. : Bild: Picture-Alliance

Es hat nicht funktioniert.

Richtig. Daraus wurden die Konsequenzen gezogen. Jetzt kam jemand auf die Idee, dass man diesen Weg gehen sollte und da stellt sich mir die Frage, was die Agenda dahinter ist. Und es gibt viele Agenden: Ein Hersteller zu stark, viele Hersteller gemeinsam zu stark, der Motorenpreis wird von der Fia als zu teuer eingestuft. Oder ein Team will schlicht einen Konkurrenznachteil loswerden. So geht das Spiel hier. Meine persönliche Meinung ist, dass zwei unterschiedliche Antriebskonzepte nicht funktionieren können. Leistung wird zum Politikum und irgendjemand hat einen Drehschalter in der Hand und entscheidet sich, wer schnell ist und wer nicht.

Kann eine Kostendeckelung funktionieren? Ferrari will aufholen, koste es, was es wolle.

Man darf nicht der Illusion verfallen, Ferrari hätte unlimitierte Ressourcen. Wir sind auf Effizienz und Gewinn und Technologie getrimmte Unternehmen. Die Ratio wird immer dabei bleiben, wenn es um Investitionsbudgets geht. Das gilt für uns und für alle anderen auch. Ich bin ein Befürworter einer Kostendeckelung. Sie kann nur funktionieren, wenn man es kontrollieren kann.

Wie soll das gehen?

Wir diskutieren das seit zehn Jahren, und wir finden keinen richtigen Ansatz.

Sie sagen also: Funktioniert in der Theorie, in der Praxis fehlt die Lösung.

Genau.

Weitere Themen

Topmeldungen

Meghan und Harry : „Die Königin war immer wundervoll zu mir“

Meghan und Harry berichten erstmals über ihr gemeinsames Leben bei Hofe. Im Interview mit Oprah Winfrey geht es um Rassismus und Eifersucht hinter den Palastmauern – und die Suizidgedanken der Herzogin.
Frauen stellen die Mehrheit des weltweiten Gesundheitspersonals, sind aber in den Covid-Einsatzteams nicht entsprechend repräsentiert: Impfung der ersten Frau in Frankreich Ende Dezember in Servan

Gastbeitrag : Eine Krise mit dem Gesicht einer Frau

Während die Welt den Internationalen Frauentag inmitten einer Pandemie begeht, ist klar: Die Corona-Krise trägt das Gesicht einer Frau. Sechs Vorschläge, wie daraus ein neuer, gleichberechtigter Weg für alle werden kann.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.