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Timo Glock : „Ich bin ausgelacht worden“

  • Aktualisiert am

„Ich fange jedes Wochenende an, mein Auto neu abzustimmen“: Timo Glock Bild: dapd

Marussia-Virgin-Pilot Timo Glock über aussichtslose Kämpfe ohne Zuschauer, den ständigen Kampf mit dem Arbeitsgerät und das Glück, trotzdem dabei zu sein.

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          Timo Glock zählt zu den geschätzten Piloten der Formel 1. Nach dem Ausstieg von Toyota 2009 wechselte der 29 Jahre alte Hesse zu Marussia-Virgin. Mit dem Boliden kam er in den ersten 18 Grand Prix vor dem Finale an diesem Sonntag in São Paulo nicht über Rang 15 hinaus. Glocks Steuerkunst, so heißt es im Fahrerlager, reicht für mehr.

          Sie fahren in jedem Rennen hinterher, müssen wegen der Überrundungen häufig Platz machen. Sind Sie zufrieden?

          Ich habe alles aus dem Paket herausgeholt. Mit meiner Leistung kann ich also zufrieden sein. Auch die Arbeit des Teams und die Strategien waren gut. Aber die Rennergebnisse sind es natürlich nicht.

          Ist es nicht frustrierend, um Platz 18 wie ein Löwe kämpfen zu müssen?

          Es gibt schon hin und wieder eine Genugtuung. Der Laie sieht das vielleicht nicht, wenn ich sechs Sekunden (pro Runde) hinterherfahre. Es gab schon ein paar kleine Highlights. In Monaco ist mir im Qualifying eine gute Runde gelungen, das war das Maximum, ein paar Zehntelsekunden weg nur von einem Toro Rosso.

          Sind Sie in einem so langsamen Rennwagen voll gefordert?

          Ja, und wie.

          Warum?

          Weil man in so einem Rennwagen immer auf des Messers Schneide fährt. Es ist viel unberechenbarer als ein Top-Auto. Im Toyota von 2009 wusste ich, wenn der Wind dreht, dann kann das Auto etwas instabil sein. Jetzt ist fast jede Kurve eine Herausforderung.

          In einem ausbalancierten Auto lässt es sich leichter fahren?

          Nicht leichter, um Gottes willen. Man kann sich mehr verlassen auf die Reaktionen. Sebastian (Vettel) gibt ein gutes Beispiel. Wie der sich von Training zu Training im Red Bull voranarbeitet, immer einen draufsetzt. Das geht nur, wenn du das Auto blind verstehst und wenn es immer gleich reagiert. Während die großen Teams schon mit einer relativ präzisen Abstimmung zum Rennplatz kommen, weil sie alles vorher simuliert haben, fange ich jedes Wochenende an, mein Auto neu abzustimmen.

          Ständiger Kampf mit dem Arbeitsgerät: Glock im freien Training in Sao Paulo
          Ständiger Kampf mit dem Arbeitsgerät: Glock im freien Training in Sao Paulo : Bild: AFP

          Ist das nicht angesichts der Ergebnisse ermüdend?

          Nein, ich betrachte das als einen guten Lernprozess. Das ist eine Herausforderung. Ich werde immer wieder gezwungen, über Verbesserungen nachzudenken, sehr effektiv zu arbeiten, um das Auto auf den Punkt zu bringen, alles herauszuholen. In den ersten 18 Rennen ist mir das 16 Mal gelungen.

          Ihr Rennstall wird in den nächsten beiden Jahren wohl kaum über das Mittelfeld der Formel 1 hinauskommen. Welchen Plan haben Sie für Ihr persönliches Fortkommen?

          Ich habe aufgehört, mir einen Fahrplan zu machen, nach dem ich erlebt habe, wie schnell mal in der Formel 1 von heute auf morgen ein Team schließt. (Toyota Ende 2009). Ich habe einen langfristigen Vertrag mit Marussia-Virgin. 2010 bin ich für den Einstieg kritisiert, ja ausgelacht worden: ,Wie kannst du dahin gehen?’ Zu dem Zeitpunkt war das aber richtig. Zum Glück habe ich es gemacht. Denn wer weiß, ob ich bei einem anderen Team noch fahren würde.

          Die Fragen stellte Anno Hecker.

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