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Formel 1 in Russland : Hamilton wird gleich zwei Mal ausgebremst

Enttäuscht nach Platz drei: Lewis Hamilton (rechts) nach dem Rennen. Bild: Reuters

Mercedes-Pilot Bottas gewinnt das Formel-1-Rennen in Sotschi. Lewis Hamilton lernt die Feinheiten des Regelwerks kennen und ärgert sich. Der Rekord von Michael Schumacher wartet nun auf dem Nürburgring.

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          Wer bremst Lewis Hamilton? Das ist die Frage der Formel-1-Saison der vergangenen Jahre. Inzwischen muss sie erweitert werden: den Rennfahrer auf der Strecke oder den Demonstranten? Am Sonntag tat die Antwort Mercedes weh: Den Piloten bremste das Team. Anstatt nach dem gewonnenen Start beim Großen Preis von Russland zum 91. Sieg in seiner Karriere zu rauschen, Michael Schumachers Rekord einzustellen, wurde Hamilton „nur“ Dritter. Sein Teamkollege Valtteri Bottas gewann am Sonntag in Sotschi vor Max Verstappen im Red Bull.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der Verlierer des Tages wusste zunächst gar nicht, wie ihm geschah, als die Strategen an der Boxenmauer nach ein paar Runden die schlechte Botschaft an ihn, den Führenden übermittelte: zweimal fünf Sekunden in der Box still stehen! „Für was?“, fragte der Weltmeister. „Für die Startversuche“, antwortete dessen Renningenieur. Zweimal leistete sich der Brite dieses durchaus übliche Prozedere, aber jedes Mal außerhalb der dafür vorgesehenen Zone. „Das ist Bullshit. Wo steht denn das in den Regeln?“ Schweigen, jedenfalls keine vernehmbare Antwort im Funkverkehr. Hamilton hatte sich vor seinen Startübungen beim Renningenieur versichert. Die letzten Funksprüche des Champions zu diesem leidigen Thema ließ der Internationale Automobil-Verband (Fia) von einem Piepsen überspielen. Er achtet auf die Etikette.

          Im zweiten Bremsfall musste die Fia selbst aktiv werden, tagelang tüfteln, ehe sie am Sonntag, drei Stunden vor dem Rennen das erwartete Ergebnis offiziell verkündete in ihrem peinlich genauen Ablaufprotokoll für die Siegerehrung: Nur die Rennoveralls dürfen getragen werden während der Siegerehrung. Und zwar akkurat, nicht lässig bis zum Bauchnabel geöffnet nach einer heißen Sause. Die Fia reagierte auf die persönliche Anti-Rassismus-Präsentation Hamiltons vor zwei Wochen in Mugello.

          Dort hatte er während der Zeremonie zu Ehren seines Sieges ein schwarzes T-Shirt getragen mit einem weißen, in Englisch verfassten Schriftzug. Die deutsche Übersetzung lautet: „Verhaftet die Polizisten, die Breonna Taylor töteten.“ Frau Taylor war auf den Tag sechs Monate zuvor von amerikanischen Beamten bei der Erstürmung ihrer Wohnung erschossen worden. Die Polizei hatte angenommen, in dem Apartment ihren gesuchten, ehemaligen Freund zu finden. Taylors neuer Lebensgefährte soll aus Angst vor einem Angriff Krimineller das Feuer eröffnet haben. Die Verfahren gegen die Beamten sind in der vergangenen Woche eingestellt worden.

          Die Fia kündigte an, den Protest Hamiltons gegen die Gewalt von Polizisten gegen Schwarze zu untersuchen, sah aber von einer Bestrafung ab. Anwälte des Verbandes sollen zu der Einsicht gekommen sein, die Forderung des Mercedes-Piloten sei vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt. Intern aber bereitete sie die am Sonntag verkündete Regelung für ihr Protokoll vor, das nun indirekt politische Botschaften untersagt.

          Formel 1

          Das Sotschi-Dokument 39 ist, im Vergleich zur Anweisung Nummer 32 von Mugello um die entsprechenden Passagen ergänzt. Es lässt keine Schlupflöcher für Clevere: „Bis zum Nacken geschlossen“ haben die Overalls zu sein. Bei der Fia-Pressekonferenz und den Interviews mit den TV-Sendern ist, wenn nicht der Overall, dann die Teamkleidung zu tragen. Dazu eine medizinische Maske oder die des Teams, was eigene Kreation ausschließt. So geschah es.

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