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Stefan Bradl im Gespräch : „Rossi muss ich hinter mir lassen“

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Ja, das kann man wohl so sagen. Früher war ich richtig jähzornig, wenn ich mal im Tischtennis verloren habe, oft habe ich danach meinen Schläger kaputtgemacht. In dieser Hinsicht habe ich mich gebessert, inzwischen komme ich leichter darüber hinweg, wenn ich mal an der Playstation verliere. Ich glaube, dass dies jedem Sportler so geht. Mir fällt es schon schwer, am Flughafen zu stehen und am Schalter warten zu müssen. Ich suche dann immer nach einer Lücke und versuche, schnell nach vorne zu kommen.

„Ich will auch in der neuen Klasse zeigen, was ich kann, ich bin hungrig, ich will gewinnen“

Wie auf der Rennstrecke - sind die Rennen in der MotoGP-Klasse gefährlicher als in den beiden anderen Kategorien?

Das glaube ich nicht. Natürlich haben wir viel mehr Power, erreichen wir ganz andere Geschwindigkeiten. Auf der anderen Seite sind die Fahrer bei uns die besten, die es auf der ganzen Welt gibt, sie fahren cleverer als viele andere. Die Jungs wissen, was sie machen. In der Moto2 waren im vergangenen Jahr hingegen schon ein paar Kamikaze-Kandidaten dabei, bei denen man genau aufpassen musste, was sie vorhaben.

Den letzten Todesfall, der Italiener Marco Simoncelli starb im Oktober 2011, gab es aber in der Moto-GP-Klasse.

Der Unfall konnte nicht verhindert werden: Marco ist gestürzt, und seine Verfolger konnten nicht mehr ausweichen. Er hatte keine Chance, keiner konnte mehr reagieren, da ist man machtlos. So etwas ist das Schlimmste, was uns Fahrern passieren kann. Marco hatte einen Airbag unter seiner Lederkombi, der auch aufgegangen ist. Aber die Wucht, mit der ihn die anderen Motorräder getroffen haben, war zu groß.

Was hat sein Tod verändert?

Es ist noch immer ein Thema. Wir müssen versuchen, unseren Sport noch sicherer zu machen. Das ist ganz klar. Aber Marco würde nicht wollen, dass wir ihm ewig nachtrauern und keine Freude mehr an den Rennen haben. Jeder von uns hat Benzin im Blut, will sich da draußen auf der Strecke mit anderen messen. Trotzdem ist uns allen bewusst, dass wir bei jedem Start auch ein großes Risiko eingehen. Motorsport ist gefährlich.

Am Wochenende in Doha startet Weltmeister Bradl erstmals in der neuen Klasse

Was nehmen Sie sich vor für die erste Saison in der MotoGP?

Ich will ganz sicher nicht nur mitfahren. Die ersten vier um Weltmeister Casey Stoner und Jorge Lorenzo sind außer Reichweite, aber ich will in der zweiten Gruppe um die Plätze fünf bis zehn kämpfen. Das ist mein Ziel, aber man darf nicht vergessen, dass das erste Jahr immer ein Lehrjahr ist. Ich habe einiges aufzuholen. Bestimmte Dinge muss ich erst einmal erleben: Wie entwickelt sich das Rennen in den letzten drei Runden? Was passiert mit den Reifen? Es dauert, bis ich alles perfekt abgestimmt habe und mit dem Motorrad zurecht komme. Es sieht zwar gut aus, aber ich habe mit der Maschine noch immer zu kämpfen.

Beinahe wäre 2012 das Heimrennen am Sachsenring gestrichen worden, der Grand Prix stand lange zur Diskussion. Wie haben Sie das erlebt?

Mir war das von Anfang an suspekt. Ich glaube, dass da vieles sehr chaotisch zugegangen ist, und das ist sehr schade. Wir fahren auf höchstem Niveau in der Motorrad-Weltmeisterschaft, das Rennen am Sachsenring ist Jahr für Jahr die größte Sport-Freiluftveranstaltung in Deutschland - diese Veranstaltung sollte man ein bisschen respektvoller behandeln. Wir sind ja hier nicht auf einem Kindergeburtstag. Aber es ist nicht meine Aufgabe, meinen derzeitigen Erfolg für den deutschen Motorradsport zu vermarkten. Daraus müssen andere etwas machen.

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