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Stefan Bradl im Gespräch : „Rossi muss ich hinter mir lassen“

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Als er das erste Mal neben mir (bei Testfahrten) aufgetaucht ist, da war es schon etwas ganz Besonderes. Aber ich habe mir das vorher ganz anders vorgestellt, ich habe gedacht, dass ich viel mehr Respekt vor ihm habe auf der Strecke, dass ich denke: Boah, das ist ja der Valentino Rossi! Das ist überhaupt nicht der Fall. Er ist ein Gegner für mich wie jeder andere. Einer, den ich hinter mir lassen muss. Wenn ich auf der Strecke bin, will ich gar nicht so sehr darüber nachdenken, wer unter den anderen Helmen steckt.

Bradl widmete den WM-Titel dem kurz zuvor tödlich verunglückten Marco Simoncelli

Wie groß ist der Unterschied zwischen der Moto2-Klasse und der MotoGP?

Der ist enorm. Der Motor hat brutal viel Kraft, du bist immer nur damit beschäftigt, die Kontrolle über die Maschine zu behalten. Wenn es die elektronischen Fahrhilfen wie die Traktionskontrolle nicht geben würde, dann hätten wir keine Chance. Es ist viel mehr Geld im Spiel, alles ist noch professioneller. Bei mir arbeiten nun doppelt so viele Leute in der Box wie noch im vergangenen Jahr.

250 PS, in 2,7 Sekunden auf Tempo 100 - welchen Einfluss hat die Leistung des Motorrads auf die körperliche Belastung des Piloten?

Du brauchst viel mehr Kraft, um dich überhaupt auf der Maschine halten zu können. Vor allem beim Anbremsen ist der Unterschied deutlich zu spüren, es ist etwas anderes, wenn du mit Tempo 280 oder mit 330 auf eine Kurve zurast. Der Rücken, die Schultern und die Arme werden viel mehr beansprucht. Daran haben wir über den Winter gearbeitet. Inzwischen weiß ich, welche Übungen für meine Bedürfnisse wirklich effektiv sind. Für Leichtathleten, Tennisspieler oder Fußballer gibt es Bücher, in denen die Trainingsmethodik beschrieben wird. Motorradfahrer müssen das selbst herausfinden. Ich habe beinahe sechs Jahre gebraucht, um das Training zu perfektionieren.

Was machen Sie?

Ich mache viel Krafttraining. Aber wir versuchen immer wieder, die Einheiten so realistisch wie möglich zu gestalten. Ich halte zum Beispiel eine Zehn-Kilo-Stange in der Hand, stehe auf zwei Balancescheiben, schließe die Augen und simuliere eine Runde auf einer beliebigen Rennstrecke. Mein Trainer stoppt die Zeit und sagt mir danach, wie nah ich der Realität gekommen bin. Das ist sowohl für den Körper als auch für den Kopf sehr fordernd.

Der Wechsel in die MotoGP-Klasse beeindruckt Bradl: „Noch mehr Geld, noch professioneller“

Welche Rolle spielt Adrenalin?

Eine sehr große. Wenn ich den Helm aufsetze und das Rennen losgeht, bin ich voll damit. Ich sehe nur den Asphalt vor mir, alle anderen Konturen verschwimmen. Wenn dann etwas passiert, mit dem ich nicht rechne, stößt der Körper noch mehr Adrenalin aus. Aber das ist kein Problem. Rennfahrer können mit Extremsituationen wesentlich besser umgehen.

Wie merken Sie das im Alltag?

Ich habe ein schnelles Auge, ich kann die Situationen sehr schnell erfassen und mit Geschwindigkeit besser umgehen als die meisten anderen Menschen. Wenn ich auf der Autobahn mal 150 oder 160 fahre, dann kommt mir das vor wie in Zeitlupe. Ich sehe etwas und kann diese Information sehr schnell verarbeiten und vorausdenken. Anders geht es nicht.

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