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Stefan Bradl : „Du musst dich immer gut festhalten“

Auf in eine neue Motorrad-Welt: Stefan Bradl beim Test in Sepang Bild: AFP

Stefan Bradl gehört zur Elite des Motorradsports. Bei den Tests vor der Saison lernt der Aufsteiger, wie man eine Rakete auf zwei Rädern bändigt.

          Sein erster Gedanke? „Dieses Gerät ist eigentlich nicht für den Menschen gemacht.“ Nie zuvor in seinem Leben hat Stefan Bradl derartige Kräfte auf einem Motorrad erlebt: „Ich habe mir gedacht: ,Das hältst du nie durch, diese Maschine ist fast nicht zu beherrschen.‘“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          1000 Kubikzentimeter und rund 250 PS hat seine neue Honda, sie wiegt lediglich 157 Kilogramm und beschleunigt in nur 2,7 Sekunden von null auf Tempo 100. Es ist eine Rakete auf zwei Rädern. „Die Leistung ist einfach nur brutal“, sagt Bradl. „Du darfst dir auf der Strecke keinen Fehler erlauben und musst dich immer gut festhalten.“

          Das hat er schnell begriffen bei den Tests vor seiner ersten Saison in der MotoGP-Kategorie. Aber es hat ihn nicht abgeschreckt. In dieser Woche will Bradl bei den Übungsfahrten in Malaysia seine Geschwindigkeit noch einmal erhöhen.

          Dafür hat ihn das LCR-Team verpflichtet und Bradl einen Vertrag über zwei Jahre gegeben. „Jeder von uns, auch die Honda-Ingenieure, sind von Stefan überrascht“, sagt Teamchef Lucio Cecchinello. „Er hat einen guten Fahrstil und schafft es, den Technikern sehr präzise das Gefühl zu vermitteln, das er auf der Maschine erlebt.“

          Vom Duell mit Rossi geträumt

          Dieses Talent des jungen Mannes ist den Verantwortlichen einiges wert. Die Italiener haben dem ehemaligen Bradl-Rennstall, dem Kiefer Racing Team, eine sechsstellige Summe zugesichert. Als finanzielle Entschädigung dafür, dass Bradl entgegen seiner mündlichen Zusage doch nicht dort geblieben ist, wo er im vergangenen Jahr Moto2-Weltmeister geworden war. „Ich habe immer davon geträumt, einmal gegen Valentino Rossi zu kämpfen“, sagt Bradl. „Nun habe ich diese Chance bekommen, also musste ich sie nutzen.“

          Als der Italiener Rossi 1997 seinen ersten von nunmehr neun Weltmeistertiteln gewonnen hatte, war Bradl acht Jahre alt und wollte Fußballspieler werden. Nun treffen sich beide auf der Rennstrecke. Der Deutsche trägt dabei kein finanzielles Risiko, bekommt ein monatliches Gehalt und eine Maschine mit gutem Material. „Ich habe ein richtig gutes Gefühl“, sagt Bradl: „Die ersten Eindrücke sind sehr gut, wir können sehr schnell sein.“

          „Knallhart“: Stefan Bradl

          Nur allzu gerne würde der MotoGP-Vermarkter Dorna einen Deutschen an der Spitze in der Königsklasse des Motorradsports sehen. Die Stars der Szene kommen seit Jahrzehnten aus Amerika, Australien, Spanien und Italien. Die neue Saison beginnt am 8. April in Qatar, schon jetzt spürt Bradl das gestiegene Interesse an seiner Person.

          Ans Podium ist in der ersten Saison nicht zu denken

          Die Familie hat die Konsequenzen daraus gezogen. Vater Helmut Bradl gab die Arbeit als Manager seines Sohnes ab, die langen Überseeflüge waren irgendwann zu viel für den Fünfzigjährigen. Stattdessen rückt Phil Baker an die Seite des Juniors. Ein erfahrener Mann, der unter anderen Ben Spies, einst Superbike-Weltmeister, betreut. Der Amerikaner wird künftig einer von Bradls Gegnern sein.

          „Ich möchte kein Lückenfüller sein, ich will vorne mitfahren und etwas erreichen“, sagt der Deutsche. „Vielleicht kann ich irgendwann auf das Podium fahren oder sogar ein Rennen gewinnen.“ Irgendwann - vor seiner ersten Saison in der MotoGP-Klasse ist daran wohl nicht zu denken. Zu groß ist die Umstellung.

          Deshalb hat Bradl das Training gesteigert, er macht mehr Ausdauereinheiten und hat trotzdem Muskeln aufgebaut. 63 Kilogramm wiegt er jetzt, 1,70 Meter ist er groß. Bradl ist noch immer ein Leichtgewicht, hat beinahe die Statur eines Jockeys und muss doch eine der schnellsten Maschinen im Motorsport beherrschen.

          Das Rennfahren wird komplexer für Bradl

          Auf mehr als 330 Kilometer pro Stunde beschleunigt so ein Motorrad in der MotoGP-Klasse auf der Geraden, oft müssen die Piloten vor der Kurve dann wieder auf Tempo 80 bremsen. „Das ist knallhart“, sagt Bradl. Ohne die elektronischen Fahrhilfen wäre das unmöglich. „Da würden wir vermutlich schon nach wenigen Kurven abfliegen“, erzählt Bradl.

          Während er in gebeugter Haltung über die Strecken rast, kann er mit ein paar Handgriffen unter anderem die Traktionskontrolle verstellen, er kann die Motorbremse steuern und die Einstellung der Kupplung justieren. All das ist neu für Bradl. Das Rennfahren wird komplexer für ihn, er muss mehr nachdenken und trotzdem den Überblick behalten. 21 Fahrer stehen auf der provisorischen Starterliste für 2012, so viele sind in der stärksten Klasse seit vier Jahren nicht mehr ins Rennen gegangen.

          Es ist die Elite des Motorradsports - und Bradl gehört dazu. „Ich bin stolz auf mich“, sagt er. „Es gibt nicht viele Menschen auf der Welt, die in der Lage sind, so eine Maschine am Limit zu bewegen. Da muss man schon etwas draufhaben.“ Auf Dauer will er sich damit nicht zufriedengeben. Am liebsten würde er noch einmal Weltmeister werden.

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