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Formel 1 : Der Zirkus braucht eine neue Nummer

  • -Aktualisiert am

Der Maßstab im Mercedes: Lewis Hamilton stellte seine Gegner zuletzt in den Schatten – nun wollen sie kontern. Bild: dpa

Sebastian Vettel lächelt, Nico Rosberg stichelt und Lewis Hamiltons Ketten glitzern in der Sonne. Wird die Formel 1 in diesem Jahr zum Dreikampf?

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          Die Spannung im Fahrerlager von Melbourne wächst. Kurz vor dem Start der Formel-1-Saison an diesem Sonntag (6 Uhr MEZ) werden die Boliden noch einmal poliert. Penibel aufgereiht und aufgebockt stehen sie in den Boxen des „Albert Park“. Nagelneu, streng bewacht, abgeschirmt. Damit die Konkurrenz so spät wie möglich vom letzten Schrei der Ingenieurskunst erfährt. Was wirklich drinsteckt abgesehen von bestenfalls etwa 950 PS starken Motoren, weiß niemand so genau. Ein Weltmeister, ein Sieg, ein Vorsprung, ein Flop? Am Donnerstag haben Fahrer und manche Teamchefs im Fahrerlager stundenlang Antworten gegeben auf die spannendsten Fragen.

          Ist Ferrari so schnell wie Mercedes?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Sebastian Vettel lächelt. Die Antwort soll über die Entwicklung der Formel 1 bestimmen in den nächsten 21 Grands Prix bis zum 27. November in Abu Dhabi. Weg vom Mercedes-Solo der vergangenen beiden Jahre, hin zu einem packenden Zweikampf mit Ferrari. Der Zirkus braucht eine neue spektakuläre Nummer, Rot gegen Silber, einen Vettel als Brecher der Mercedes-Dominanz, den Spannungskiller 2015. 16 der 19 Grands Prix gewannen Hamilton (zehn) und Rosberg (sechs) in der vergangenen Saison, 32 der 38 Grands Prix in den vergangenen zwei Jahren.

          „Wir sind vorangekommen, aber ob wir rechtzeitig zur Stelle sind?“ Vettel weiß es nicht, er zuckt leicht mit den Schultern, dann er wird ernst: „Wir wollen die Wende“, fügt der viermalige Champion in Melbourne hinzu. Bei den Testfahrten in Barcelona fuhr Ferrari vornweg. Aber die Silberpfeil-Fraktion ließ sich nicht auf ein Wettrennen ein. Nutzte nicht mal die weichste, schnellste Reifenmischung für einen Sprintvergleich, konzentrierte sich auf ein Ausdauerprogramm: Kilometer schrubben.

          Das Selbstbewusstsein ist eher gewachsen: etwa 6000 Testkilometer, keine einzige von außen erkennbare Panne. Aber Teamchef Toto Wolff und der Aufsichtsratsvorsitzende Niki Lauda warnen vor dem Rotlicht im Rückspiegel. Wollen sie den Gegner schnell reden? Ferrari steht nach dem Umbau des Teams unter Druck. Präsident Sergio Marchionne erwartet den Sprung zum WM-Kandidaten 2016, Rennen auf Augenhöhe. Nach der Aufrüstung, auch mit ehemaligem Mercedes-Personal, gibt es keine Ausreden mehr. Die Scuderia-Führung erscheint nervös.

          Sie schottet ihr Team ab. Vettel aber plaudert, er streichelt seine neue Gefährtin verbal: „Ich habe bei der ersten Ausfahrt sofort Vertrauen gehabt.“ „Margherita“ hat er sein jüngstes Modell getauft. Und zur Abwehr der spöttischen Konkurrenz gleich die Assoziation mit einer Pizza bestritten. Die Ferrari-„Margherita“ aber könnte etwas drauf haben, was Mercedes nicht schmeckt. „Entweder sind wir 0,4 Sekunden pro Runde schneller“, sagt ein Mercedes-Mann nach Auswertung der eigenen Berechnungen, „oder 0,2 langsamer.“

          Wird Vettel Weltmeister?

          Um den fünften Titel gewinnen zu können, müsste der Heppenheimer nicht mal im besten Cockpit sitzen. Vorausgesetzt Nico Rosberg verdirbt Weltmeister Hamilton eine Solotour zum dritten Titelgewinn in Serie. Dreimal hat der in Monaco aufgewachsene Deutsche das Duell mit dem Engländer verloren. Der Druck wächst. Noch eine Saison als weitaus Zweitbester stempelte Rosberg wahrscheinlich zum Edel-Kopiloten ab. Ein Siegertyp, aber kein Champion? Rosberg wehrt sich. Kess quatscht er seinem Teamkollegen ins Interview hinein, als der seufzend auf neue Belastungen hinweist. „Wirst du alt?“

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