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Start in die Formel-1-Saison : Schumacher macht den Fans Appetit

  • -Aktualisiert am

Formel-1-Start: Ist die Scuderia bereit? Bild: dpa/dpaweb

Schnellere Autos, bessere Technik: Die Formel-1-Spitze verdichtet sich. Auch Ferrari will nach der Schleichfahrt anno 2005 wieder den Anschluß ans Tempo der Spitze finden. Im Probetraining wurde Michael Schumacher Zweiter.

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          Und freitags weder Fisch noch Fleisch? Das kommt auf die Perspektive an. Die Ferrari-Fans dürften am ersten Tag der neuen Formel-1-Saison auf den Geschmack gekommen sein. Denn Michael Schumacher servierte als Tageszweiter, fast vier Zehntelsekunden hinter dem Honda-Testpiloten Anthony Davidson, keine Schonkost, sondern eine Rundenzeit, die manchem Konkurrenten schwer im Magen liegen dürfte:

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Ich bin ziemlich zufrieden. Wir haben unser Programm durchziehen können“, sagte der Rheinländer nach den ersten beiden Trainingsstunden und lächelte: „Es sieht so aus, als kämpften vier Teams vorne mit.“ Ferrari scheint nach mancher Schleichfahrt anno 2005 wieder Anschluß an das Tempo der Spitze gefunden zu haben. Beeindruckt zeigte sich der Scuderia-Testpilot von Renault. Weltmeister Fernando Alonso stürmte auf Anhieb weit nach vorne, selbst ohne Vorerfahrung, wie sie Ferrari auf dem „Bahrein International Circuit“ in den vergangenen Wochen sammelte.

          „Als Fünfter bin ich mit im Spiel“, sagte der Spanier. Zumal Honda seinen Testfahrer Anthony Davidson ohne Rücksicht vor einem Motorschaden oder größerem Reifenabrieb vor Schumacher und dem ganzen Rest auf einer unerreichten Höhe kreisen ließ. Und so scheint sich die Vorhersage zu erfüllen: Die Formel-1-Spitze hat sich verdichtet.

          Weltmeister Fernando Alonso

          Futuristisches Modell

          Wo aber blieb die vierte im Bunde der Topkräfte, McLaren-Mercedes? Stehengeblieben auf freier Strecke wegen eines Elektronik-Schadens (Kimi Räikkönen/12.), schwer beschäftigt mit der Abstimmungsarbeit und der Reifenwahl (Juan Pablo Montoya/13.) wirkte das Team leicht gebremst. Aber doch nicht entmutigt: „Wir müssen schon noch an der Verbesserung unseres Paketes arbeiten, um ein gutes Qualifying-Resultat zu erzielen“, sagte Montoya, „das Rennen wird aber eine ganz andere Geschichte.“

          Der exklusiven deutsch-britischen Renngemeinschaft braucht nicht bange zu sein. Sie hat das Kunststück fertig gebracht, in der High-Speed-Gesellschaft selbst bei Stillstand zu glänzen. Eines steht nämlich trotz aller offenen Fragen schon vor dem ersten Rennen der Saison an diesem Sonntag fest: Wenn es in der Showwelt der Formel 1 einen Preis für den markantesten Rennwagen gäbe, dann gebührte dem MP4-21 der Lorbeerkranz. Dieses futuristische Modell sieht aus wie eine filigrane Maschine aus der nächsten Star-Wars-Generation. Der Silberlack blendet wie eine Chrombeschichtung. Wenn man nicht wüßte, daß dieser Bolide so gut wie möglich am Boden kleben soll, dann würde man ihm eine Karriere als Star-Fighter zutrauen.

          Nur nicht abheben! Die zuweilen konservativ bis biederen Silhouetten anderer Wagen sind unter Vollgas auch (noch) keine Renner. Selbst das auffällige Spoilerwerk rund um den Toyota beflügelt den Dienstwagen von Ralf Schumacher vorerst nicht. Der Rheinländer lag 3,8 Sekunden hinter der Spitze und damit knapp hinter dem deutschen Debütanten Nico Rosberg.

          Lähmender Zweikampf

          Der jüngste Stammpilot durfte aber nur fünf Runden drehen. Williams, reprivatisiert, ließ absichtlich seinen Testpiloten Alexander Wurz fast die ganze, beachtliche Tagesarbeit verrichten: Dritter. Ist der Williams im Jahr nach dem Abschied von BMW endlich mal auf Anhieb ein Auto von Format? Für dieses Prädikat kommt auch der erste BMW-Sauber in Frage. Werner Heinz, der eher vorsichtige Manager von Nick Heidfeld (14.), bietet sogar Wetten an: Daß sein Fahrer im Qualifying an diesem Samstag erstaunlich weit vorne landen wird: „Weil das Auto so gut ist.“

          Die Frage nach der Steigerung des individuellen Tempos ist zwar immer noch ungeklärt. Zweifellos aber steht die Formel 1 in diesem Jahr vor einer Gesamtbeschleunigung. Denn der lähmende Zweikampf zwischen Zampano Bernie Ecclestone und den Automobilkonzernen scheint nach fünf Jahren mit einem Friedensabkommen zu enden. An diesem Wochenende werden sich die Kombattanten noch einmal zusammensetzen, um die wesentlichen Streitpunkte zu klären:

          Schisma in der Motorsportwelt

          Die Werke fordern unter anderem für die Teams einen größeren Anteil aus den Einnahmen der Formel-1-Vermarktung. Aber selbst wenn es zu einer Einigung mit Ecclestone kommen sollte, so wird es vorerst doch keine Unterschriften unter das neue Concorde-Agreement, die Formel-1-Satzung, geben. Die oppositionelle Werksgemeinschaft GPMA (mit BMW, Daimler-Chrysler, Toyota, Honda und Renault) verlangt erst noch Zugeständnisse von Max Mosley, dem Präsidenten des Internationalen Automobil-Verbandes.

          Erst wenn der Brite die Einrichtung eines unabhängigen Berufungsgerichtes zusagt und darüber hinaus eine Gleichbehandlung aller Teams verspricht, werde man vollständig einlenken, sagte ein GPMA-Sprecher auf Anfrage. Die Unterschriften der Werke unter das von 2008 an gültige Concorde-Agreement sind bares Geld wert. Sie würden das Schreckgespenst eines Schismas in der Motorsportwelt endgültig vertreiben und potentielle Sponsoren sowie Fernsehsender von der Zukunft und der Einheit der Formel 1 überzeugen: Es geht wieder vorwärts.

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