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Nachtrennen in Singapur : Formel 1 versinkt im Nebel

Der Haze hat Singapur erfasst, auch der Renn-Veranstalter bietet Masken vom Typ N95 an. Bild: AFP

Beißender Dunst aus tausend Feuern in Sumatra hüllt Singapur ein und gefährdet das Formel-1-Rennen am Wochenende. Die Organisatoren beschwichtigen. Doch ganz so einfach ist es nicht.

          Die Schüler sollen nicht mehr nach draußen, die Gewerkschaften verteilen Gesichtsmasken an ihre Arbeiter: Über der südostasiatischen Metropole Singapur hängt dichter Rauchnebel, der Haze. Es stinkt nach verbranntem Holz, das Atmen fällt schwer, die Kehle wird rauh, die Augen tränen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          In jedem Frühherbst, wenn die Bauern und Plantagenbesitzer im nahen indonesischen Sumatra ihre Felder, Torfgebiete und den Urwald abbrennen, zieht der Rauch über die Stadt. Dabei will sich der Stadtstaat immer dann von seiner besten Seite zeigen, wenn die Formel 1 beim Nachtrennen durch die Innenstadt rast. Bleibt die Luft so dick, wie in den vergangenen Tagen, wird von Singapur an diesem Formel-1-Wochenende (Rennstart am Sonntag um 14.00 Uhr MESZ / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) nicht viel zu sehen sein.

          „Das Rennen wird weltweit übertragen und der Haze könnte den Eindruck Singapurs bei möglichen Touristen überschatten“, warnt Irvin Seah, Ökonom bei der DBS Group, davor, dass sich der Werbeeffekt des teuren Rennens in Rauchschwaden auflöst. In den vergangenen Jahren war der Haze schon so schlimm, dass Familien, die es sich leisten konnten, ins australische Perth ausflogen.

          Und auch in diesem Jahr übersteigen die Werte der Luftverschmutzung im eigentlichen grünen Inselstaat jedes normale Niveau: Schulkindern wird der Schwimmunterricht im Freibad gestrichen, Jogger bleiben längst daheim, Werften und Baukonzerne schränken die Arbeit unter freiem Himmel ein, und immer mehr Menschen gehen mit Atemschutzmasken in die Stadt. Zwei Wohltätigkeitsläufe mussten am Wochenende schon abgesagt werden.

          Normalerweise strahlt die ausgeleuchtete Strecke beim Nachtrennen immer in den Häuserschluchten.

          „Arbeitgeber seien daran erinnert, die Risiken durch den Haze ständig zu überprüfen, Schutzmaßnahmen zu treffen und Sicherheit und Gesundheit ihrer Arbeiter zu garantieren“, warnt Gewerkschaftssekretär Yeo Guat Kwang. „Wir wollen jeden Arbeiter ermahnen, dass er sich um sich selbst kümmert, was einschließt, die Schutzausrüstung die er bekommt, korrekt anzuwenden“, fügte Yeo an.

          Die teils hochbezahlten Piloten, die ihre Wochenendschicht im Cockpit ihrer Boliden abarbeiten, hatte der Gewerkschafter wohl nicht im Sinn. Dabei müssen auch sie sich vor der beißenden Rauch schützen. Die derzeit in Singapur heiß begehrte Gesichtsmasken N95 aber passt unter keinen Formel-1-Helm.

          Absage des Formel-1-Rennens droht

          Der staatliche Immobilienkonzern Capital Land verteilt sie an seine Mitarbeiter, wenn die Verschmutzung der Luft auf der Skala in Singapur den Wert von 100 überschreitet. Ab einem Wert von 150 wird die Arbeit unter freiem Himmel eingeschränkt. Am Montag trieben fast eintausend Feuer in Sumatra den Wert des Pollutant Standard Index (PSI) freilich schon auf einen Wert von 254. Jeder Wert oberhalb der 200 gilt als „sehr ungesund“, ab 300 als „gefährlich“.

          Hamilton, Vettel und Co. droht vor allem dann Gefahr, wenn der fettige Nebel ihre Sicht beeinflusst. Dürften gar die Rettungshubschrauber nicht mehr fliegen, winkte eine Absage des Rennens. Bis zum Dienstagabend hatten die Teams vom Veranstalter noch keine Information erhalten. Zuletzt war ein Rennen der Formel 1 2011 aufgrund der Unruhen in Bahrein ausgefallen.

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