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Sebastian Vettel : „Wer Hilfe braucht, kriegt einen Notarztwagen“

  • -Aktualisiert am

„Die einzigen Autos, die ich schlecht behandle, sind Mietautos”: Sebastian Vettel Bild: dapd

Zwei Rennen vor Ende der Formel-1-Saison ist die Spannung im Fahrerlager mit Händen zu greifen. Sebastian Vettel, der sich nicht den kleinsten Fehler erlauben darf, über den Kollegen Webber, seinen Umgang mit Mietwagen und die Teamorder.

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          Fernando Alonso (Ferrari) führt wieder die Fahrerwertung vor dem Großen Preis von Brasilien an diesem Sonntag (17 Uhr MEZ/live im FAZ.NET-Formel-1-Ticker) an. Sebastian Vettel ist mit 25 Punkten Rückstand als Vierter zwar noch nicht aus dem Rennen. Aber nie war der Druck größer für den 23 Jahre alten Hessen. Er darf sich nicht den kleinsten Fehler erlauben. Gleichzeitig fordert das halbe Fahrerlager den Rennstall Red Bull auf, Vettel für Hilfsdienste zugunsten von dessen Teamkollegen Mark Webber zu verpflichten. Der Australier liegt mit elf Punkten Rückstand auf Rang zwei.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Sie müssen wenigstens einen Punkt mehr als Fernando Alonso in São Paulo gewinnen, um noch Weltmeister werden zu können. Haben Sie eine besondere Strategie?

          Nein. Ich bereite mich genauso vor wie auf die vergangenen Rennen. Das Ziel bleibt das gleiche. Ich will gewinnen.

          „Ich fahre Rennen für mich”: Sebastian Vettel in der Boxengasse von Sao Paulo

          Ist Ihr Red Bull schnell genug dafür?

          Da bin ich optimistisch. Wir haben bewiesen, dass wir auf allen Strecken schnell sind. Die Piste hier in São Paulo sollte uns liegen.

          Wie schätzen Sie ihre Chance ein, doch noch Weltmeister zu werden?

          Sie war schon mal besser, aber sie existiert noch. Bei den vielen Aufs und Abs in dieser Saison ist es ein kleines Wunder, dass wir noch um den Titel kämpfen können. Man hat ja in Südkorea (Motorschaden) gesehen, wie schnell sich alles drehen kann. Ich bin voller Hoffnung. Ich muss zwei starke Resultate einfahren und etwas Glück haben. Wir werden nicht aufgeben.

          Was zu einer kritischen Situation führen könnte. Mark Webber fordert indirekt eine Hilfestellung von Ihnen im Fall der Fälle. Was halten Sie davon?

          Es gibt viel wichtigere Dinge zu erledigen, bevor man darüber nachdenken sollte. Wenn jemand Hilfe braucht, dann wird er sie bekommen. Die Fia (Der Internationale Automobil-Verband) hat genügend Krankenwagen rund um die Strecke verteilt.

          Ist im Team über eine Hilfe ihrerseits darüber gesprochen worden?

          Viel weniger, als Sie glauben. Ich verstehe nicht, warum man jetzt so viel Wind macht. Vielleicht wird es ein Thema in einer bestimmten Situation. Aber das ist für mich noch viel zu weit weg.

          Das ganze Fahrerlager diskutiert über die Frage, wie sich Red Bull verhalten soll.

          Mag sein, aber ich fahre Rennen für mich. Die Situation ist doch ganz einfach. Ich will Weltmeister werden. Die Chance besteht. Also versuche ich erst mal, zwei sehr gute Rennen zu fahren. Und Schluss.

          Wann wäre der Zeitpunkt erreicht, an dem Sie Webber helfen würden?

          Das weiß ich nicht. Wenn es so weit ist, wird mir das schon jemand sagen. Ob ich das dann hören will oder nicht.

          Webber sagte kurz vor diesem Gespräch, dass Sie der geliebte Sohn des Teams seien. Stimmt das?

          Ich sehe das nicht so. Das Team gibt uns beiden ein sehr gutes Auto, mit dem wir regelmäßig um Siege fahren können. Das ist es, was man als Fahrer haben will. Ich habe jedenfalls drei Jahre davon geträumt.

          Webber ist auch der Ansicht, dass der Unterschied zwischen Ihnen beiden zehn Jahr beträgt.

          Ach, er hat schon so einiges gesagt in dieser Saison.

          Sind sie schneller als er?

          Das hoffe ich. Deshalb bin ich ja hier.

          Warum sprechen sie von einer Hoffnung? Sie haben neun Pole Positionen gewonnen, er fünf.

          Lassen Sie es uns so sehen. Nach dem, was passiert ist im Laufe der Saison (Eine Kollision in der Türkei, ein Streit um einen Frontflügel in England), werden wir wohl nie gute Freunde werden. Ich versuche, ihn überall zu schlagen. Aber ich habe kein Problem mit ihm. Ich respektiere ihn als Fahrer. Darüber hinaus will ich nicht ins Detail gehen. Vielleicht sollte ich meine Meinung manchmal für mich behalten, das wäre smarter. Aber ich bin wohl der Letzte, der einen Konflikt sucht, wenn es nicht nötig ist.

          In Hockenheim hat Ferrari Alonso an dessen Teamkollegen Felipe Massa vorbei gelotst zum Sieg. Was halten Sie generell von einer Teamorder?

          Laut Reglement ist sie verboten. Aber Michael (Schumacher) hat ja nach Hockenheim gesagt, dass es Teamorder schon immer gegeben hat und geben wird. Jeder wusste das. Aber er war einer der wenigen, die es offen ausgesprochen haben. Wir kennen doch das Spiel. Es steckt viel Geld, viel Macht, unglaublich viel Mühe drin, alles zu optimieren. Wenn jemand die Chance hat, den anderen zu schlagen, dann würde wohl jeder eine Teamorder anwenden.

          Haben Sie sich gefragt, warum Sie fünf erkennbare technische Probleme hatten, die sie viele Punkte kosteten, während bei Webber nur zwei auftauchten?

          Natürlich. In Australien hatte ich einen guten Vorsprung, als ich ausfiel. Da habe ich meinen Helm in die Ecke gefeuert und geschrien: ,Warum immer ich?' Aber man muss das ganze unverkrampft sehen und schauen, dass sich solche Fehler nicht wiederholen. Das ist uns gelungen. Ich bin der Letzte der sagt, ,Hallo, du hast die Schraube nicht festgemacht.' Ich habe vollstes Vertrauen in meine Jungs. Mir würde es nie in den Sinn kommen, irgendjemandem etwas zu unterstellen. Dazu ist das Verhältnis zu meinem Team zu gut.

          Könnte es an Ihnen, an Ihrem Fahrstil liegen?

          Es mag Fahrer geben, deren Fahrstil technische Probleme provozieren. Aber ich zähle mich mit ziemlich hoher Sicherheit nicht dazu. Die einzigen Autos, die ich schlecht behandele, sind Mietautos; und als letztes mein eigenes.

          Welche Schwäche hat der Red Bull?

          Er ist nicht so standfest, wie wir das gerne hätten. Das müssen wir in Zukunft hinkriegen. Aber ohne Probleme kommt man nie über die Runden. Das hat auch Ferrari nicht geschafft, als sie dominierten.

          Sie hatten in Südkorea einen Motorschaden und müssen in São Paulo mit einem Renault-Antrieb fahren, der schon zwei Renneinsätze hinter sich hat. Ist das ein Nachteil?

          Ich bin nicht beunruhigt. Wir sind zuversichtlich, dass dieses Problem hier und nächste Woche in Abu Dhabi nicht wieder auftritt.

          Alonso muss in São Paulo auch auf ein älteres Modell zurückgreifen. Hoffen Sie vielleicht auf einen Motorschaden bei ihm?

          Nein. Das wünsche ich keinem meiner Gegner. Aber ich würde ihn schon annehmen.

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