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Sebastian Vettel : Unter Druck

Bild: dapd

Im vergangenen Jahr fuhr Sebastian Vettel in seiner eigenen Welt. Die am Wochenende beginnende neue Formel-1-Saison wird keine One-Man-Show. McLaren und sein Teamkollege Webber setzen dem Weltmeister zu.

          5 Min.

          Wer das nächste Kapitel seiner Geschichte verstehen möchte, der muss kurz zurückspulen. Suzuka, 9. Oktober 2011: Sebastian Vettel wird Dritter beim Großen Preis von Japan und gewinnt damit zum zweiten Mal den Titel in der Formel 1. Tausende Fans jubeln auf den Tribünen, an der Boxenmauer umarmen sich die Verantwortlichen von Red Bull, seine Mechaniker schreien vor Glück. Doch dem Weltmeister gehen zunächst andere Gedanken durch den Kopf: „Ich bin über die Ziellinie gefahren und wusste, dass ich verloren hatte. Ich habe mich gefragt: Was ist heute falsch gelaufen?“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist schon dunkel, als er nach Antworten sucht. Zusammen mit Teamchef Christian Horner und Chefdesigner Adrian Newey zieht sich Vettel in den schmucklosen Team-Pavillon an der Strecke zurück, sie trinken Wasser und analysieren, was passiert ist.

          Sebastian Vettel (Weltmeister 2010 und 2011)
          Sebastian Vettel (Weltmeister 2010 und 2011) : Bild: AFP

          Zwei Stunden sitzen sie zusammen, und erst als Vettel die Gründe kennt, fährt er als einer der Letzten zu seiner eigenen Party in den Irish Pub von Yokaichi und versucht sich als Karaoke-Sänger. So lange, bis seine Stimme nicht mehr mitmacht. Vor allem einen Klassiker von Frank Sinatra schmettert er immer wieder: „I did it my way.“ Wie der Vettel-Weg aussieht? Erfolg um jeden Preis.

          Erste Kampfansagen

          Disziplin, Durchsetzungsvermögen und Leidenschaft - seit jeher bestimmen diese Komponenten sein Denken. Vor dem Auftakt der neuen Saison in Melbourne am kommenden Sonntag beschäftigt sich Vettel nun vor allem mit der Frage, wie er seine Position als Ranghöchster möglichst lange verteidigen kann. Zweimal nacheinander wurde er Weltmeister, mit gerade einmal 24 Jahren ist er aufgestiegen zu einem internationalen Star - und gerät damit ins Visier einer ganzen Branche.

          Jenson Button (Weltmeister 2009)
          Jenson Button (Weltmeister 2009) : Bild: dapd

          Seine Gegner formulieren schon die ersten Kampfansagen: „Wir haben Red Bull in den vergangenen beiden Jahren zu wenig gefordert“, sagt Jenson Button (McLaren). „Das wird in diesem Jahr anders sein - und ich will sie mal sehen, wenn sie richtig unter Druck stehen.“

          Der Blick? Nur nach vorne

          Diesem Gefühl war Vettel lange nicht mehr ausgesetzt, zuletzt fuhr er in seiner eigenen Welt, und dabei ging es nur noch um neue Rekorde. Fünfzehnmal startete er 2011 von der Pole Position, bei elf Rennen raste er als Sieger über die Ziellinie, weitere sechsmal stand er auf dem Podium. Selten zuvor hat ein Mann die Formel 1 derart dominiert, lange wurden Traditionsrennställe wie McLaren und Ferrari nicht mehr so sehr gedemütigt.

          Lewis Hamilton (Weltmeister 2008)
          Lewis Hamilton (Weltmeister 2008) : Bild: dapd

          „Eigentlich bedeuten diese Statistiken gar nichts“, sagt Vettel. Kaum ein anderer Fahrer interessiert sich so sehr für die Historie seines Sports, aber derzeit richtet er den Blick nur nach vorne. Er weiß ganz genau, dass seine Jäger ihre nächsten Attacken längst vorbereitet haben.

          Kein anderes Team entwickelt so schnell wie McLaren

          Doch der Weltmeister kämpft um seine Position. Anfang Januar, vier Wochen vor den ersten Testfahrten des Jahres, trifft sich Vettel mit den Ingenieuren und Technikern von Red Bull in der Zentrale in Milton Keynes und stellt eine Liste mit Fehlern der vergangenen Saison zusammen. „Die Liste ist sehr lang“, sagt Vettel. „Es gibt einige Dinge, an denen wir arbeiten müssen.“ Perfektion ist ein unerreichbarer Zustand in der Formel 1.

          Kimi Räikkönen (Weltmeister 2007)
          Kimi Räikkönen (Weltmeister 2007) : Bild: dpa

          Dabei zeigten er und das Auto im vergangenen Jahr kaum noch Schwächen, der RB7 war so zuverlässig und schnell wie kein anderer Rennwagen aus dieser Baureihe, und trotzdem beherrschte Vettel seine Gegner am Ende nicht mehr nach Belieben. McLaren verkürzte den Rückstand, Jenson Button und Lewis Hamilton gewannen immerhin sechs Grands Prix. Kein anderes Team hat seinen Boliden im Laufe der Saison derart schnell weiterentwickelt wie die Engländer.

          Button weiß wie man gegen Vettel gewinnt - und gegen Hamilton

          Das ist auch den Verantwortlichen von Red Bull nicht entgangen, sie machen deshalb vor allem einen Mann aus als den großen Herausforderer von Vettel in der neuen Saison: Jenson Button. „Wir werden das Beste von ihm erst noch sehen“, sagt Red-Bull-Teamchef Horner. „Er wird sich weiter entwickeln und noch stärker werden.“

          Fernando Alonso (Weltmeister 2005 und 2006)
          Fernando Alonso (Weltmeister 2005 und 2006) : Bild: dpa

          Schon vor drei Jahren wurde die WM zu einem Zweikampf zwischen den beiden. Vettel verlor die Auseinandersetzung damals, und der Engländer wurde mit Brawn GP überraschend Weltmeister. Der Einunddreißigjährige weiß also, wie er Titel gewinnt.

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