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Vettel und Red Bull : Die Extremisten der Formel 1

  • -Aktualisiert am

Auf Nimmerwiedersehen? Die Tage der Red-Bull-Dominanz könnten gezählt sein Bild: AFP

Von allem das Beste. So lautet Red Bulls Erfolgskonzept. Die Konkurrenz ist fassungslos: Nicht schon wieder Vettel. Doch ausgerechnet der Weltmeister warnt vor drohendem Ungemach.

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          Die TV-Anstalten stöhnen. Nicht schon wieder Sebastian Vettel. Und nicht schon wieder Red Bull. Der Weltmeister und sein Team werden für die Formel 1 zum Problem. Zum vierten Mal nacheinander haben beide die Weltmeisterschaft gewonnen.

          „Er fährt in einer anderen Liga“, sagt Ferrari-Pilot Fernando Alonso. „Egal welche Abstimmung, welche Reifen, welcher Motor. Vettel gewinnt mit diesem Red Bull mit der linken Hand.“ Wie soll man einen Sport verkaufen, bei dem der Sieger schon vorher feststeht? Der Überraschungsfaktor auch vor dem Abschlussrennen der Saison an diesem Sonntag (Start um 17.00 Uhr MEZ / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) in Brasilien geht gegen null.

          Das Erfolgsrezept von Red Bull ist relativ einfach. Der Rennstall des Getränkeherstellers hat das meiste Geld, die besten Ingenieure, den besten Fahrer, die beste Organisation und mit Toro Rosso eine Filiale, die das System mit Nachwuchspiloten versorgt. Die Truppe aus Milton Keynes zählt bei Bernie Ecclestone zu den privilegierten Teams, ist politisch gut vernetzt und setzt die richtigen Prioritäten.

          Wer zwei Teams in der Formel 1 hat, kann eine Drohkulisse aufbauen. Und wer dem Internationalen Automobil-Verband Fia bei der Vermarktung der Rallye-WM hilft, schafft Abhängigkeiten. Rallye ist das Steckenpferd von Fia-Präsident Jean Todt.

          „Wir schalten die Fabrik, aber nicht unsere Gehirne aus“

          Hie und da kratzen sie an der Grenze des Erlaubten oder gehen darüber hinaus. Die Konkurrenz hat den Verdacht, dass die Titelverteidiger die freiwillige Ressourcenbeschränkung aushebeln. Sie wundern sich auch, warum Red Bull seit vier Jahren regelmäßig mit einem großen Vorsprung aus der Sommerpause kommt. Da müssen die Fabriken eigentlich zwei Wochen geschlossen sein und auch die Zulieferer ihre Arbeit ruhen lassen.

          Eigentlich ist es fast unmöglich, sich in dieser Zeit einen Vorsprung zu verschaffen. Teamberater Helmut Marko meinte süffisant: „Wir schalten die Fabrik, aber nicht unsere Gehirne aus.“ Ab dem nächsten Jahr will die Fia Kontrollen einführen. Am meisten sperrte sich Red Bull dagegen. Vor allem, als im Raum stand, auch noch die Zulieferer überprüfen zu lassen.

          Vor einigen Wochen hat das Weltmeister-Team bei der britischen Handelskammer das Budget für 2012 veröffentlicht. Red Bull Technology bilanziert mit einem Umsatz von 232 Millionen Pfund (278 Millionen Euro). Das Budget stieg gegenüber 2011 um 21 Millionen Euro. In der Saison 2013 dürfte es noch mehr sein. Die Rennsparte Red Bull Racing gibt wie im Jahr zuvor 176 Millionen Pfund (213 Millionen Euro) an.

          Die Teamleitung rezitiert gerne diese Zahlen, um zu zeigen, dass man nicht mehr Geld ausgibt als Mercedes und Ferrari, doch das ist Augenwischerei. Bei Red Bull Racing sind nur 55 Leute angestellt. Der Beitrag zur Entwicklung ist null. Red Bull Technology beschäftigt 658 Mitarbeiter und gibt allein für die Fahrzeug-Entwicklung 75,7 Millionen Pfund (90,8 Millionen Euro) aus. Mercedes investierte im vergleichbaren Zeitraum 178 Millionen Euro in sein Rennteam. Ohne Motorenentwicklung.

          Auf der Geraden braucht man keinen Abtrieb

          Geld, Leute oder bessere Werkzeuge bringen nicht automatisch Erfolg. Man muss trotzdem noch das Richtige machen. Red-Bull-Designer Adrian Newey ist ein Extremist. Seine Autos haben nicht ein, sondern zehn Geheimnisse. Weil er bei jedem Bauteil an die Grenze geht. Beispiel Frontflügel: Red Bull hat als Erster begriffen, wie die Störfaktoren auf die Strömung beim Einschlagen der Vorderräder minimiert werden können.

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