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Kommentar : Sie sind gemeint!

Sebastian Vettel musste nach seinem Rempler an Hamilton um Entschuldigung bitten. Bild: dpa

Nach seinem Ausraster beim Formel-1-Rennen in Baku entschuldigt sich Sebastian Vettel bei der Fia und der erweiterten Motorsportfamilie. Ein Gnadengesuch – aber wen meint er eigentlich damit?

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          Was unterscheidet einen Formel-1-Rennfahrer von einem Fußballspieler? Seit Montagabend ist die Sportwelt um einen weiteren wesentlichen Unterschied reicher. Sebastian Vettel wird für seine Affekthandlung, den Rempler gegen den Rivalen Lewis Hamilton in Baku beim Formel-1-Rennen vor zehn Tagen, vom Internationalen Automobilverband Fia nicht weiter belangt. Das ist das Ergebnis des Termins am Montag im Fia-Sitz in Paris. Als Gegenleistung musste der Deutsche konzedieren, falsch gehandelt zu haben. Und: Er musste um Entschuldigung bitten.

          Bei Hamilton zum einen, dem er in einer Safety-Car-Phase von links so offensichtlich mit voller Absicht gegen das Auto gefahren war, dass Vettel zu einer Zehn-Sekunden-Zwangspause an die Box gerufen wurde. Das kostete den Ferrari-Piloten den Rennsieg, brachte aber keine Einsicht. Mit dem Verweis, man sei schließlich nicht im Kindergarten, verabschiedete Vettel sich aus Aserbaidschan. Das war schlechter Stil, die Bitte um Entschuldigung gegenüber Hamilton war überfällig. Damit, sollte man meinen, könnten alle Beteiligten zur Tagesordnung übergehen, schließlich folgt beim Fußball auf ein Foul ebenso die Entschuldigung beim Gegner. Und weiter geht’s.

          Nicht aber bei der Fia. Nachdem Vettel und Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene mit fünf Fia-Funktionären die Szenen aus Baku begutachtet hatten, entschied Fia-Präsident Jean Todt, dass Vettel bis Ende des Jahres nicht mehr für Aktivitäten rund um die Sicherheit im Straßenverkehr zur Verfügung stehen dürfe, sich aber in den kommenden zwölf Monaten in seiner Freizeit zu Schulungsmaßnahmen bei diversen Fia-Rennsportmeisterschaften bereit halten solle. Zudem wurden weitere Entschuldigungsgesuche fällig: „Sebastian Vettel erstreckte seine aufrichtigen Entschuldigungen auf die Fia und die erweiterte Motorsportfamilie.“

          Da schau her. Es wurde also ein Gnadengesuch fällig, nicht nur gegenüber Todt und seinen Funktionären in Paris, sondern gegenüber – ja, wem eigentlich? Wer gehört dazu, zu dieser „erweiterten Motorsportfamilie“? Die Freundinnen der Formel-1-Piloten? Die Grid Girls? Die Lastwagenfahrer der Teams, die derzeit die Rennwagen in die Steiermark kutschieren? Die Großeltern von Nachwuchsfahrern? Jeder, der schon mal einen Rennwagen im Fernsehen gesehen hat?

          Hören wir Jean Todt zu: „Es ist die Aufgabe von Spitzensportlern, mit dem Druck ruhig umzugehen und sich in einer Weise zu verhalten, die nicht nur die Regeln des Sports berücksichtigt, sondern ihrer herausgehobenen Stellung entspricht. Sportler müssen sich der Auswirkung ihres Verhaltens bewusst sein, auf jene, die zu ihnen aufschauen. Sie sind Helden und Vorbilder von Millionen Anhängern in aller Welt und müssen sich entsprechend benehmen.“ Man ist versucht, die Fia zu bitten, Monsieur Todt möge seine elaborierten Vorträge beim nächsten Mal dahin gehend etwas präzisieren, wen Vettel nun um Entschuldigung ersucht. Einstweilen dürfen Sie, liebe Leser, sich angesprochen fühlen. Denken Sie mal darüber nach, ob Sie annehmen möchten.

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