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Formel 1 in Hockenheim : Vettels phänomenale Aufholjagd im Regen

Eine wohlverdiente Belohnung: Sebastian Vettel mit dem Pokal für den zweiten Platz. Bild: Reuters

Von 20 auf Rang zwei: Der Ferrari-Pilot landet nach dem Desaster in der Qualifikation in einem turbulenten Formel-1-Rennen in Hockenheim einen Coup. Nur einer kann sich vor Sebastian Vettel ins Ziel retten.

          Von 20 auf zwei: Sebastian Vettel ist beim Großen Preis von Deutschland am Sonntag in Hockenheim ein Coup gelungen. In einem turbulenten, von Abflügen der erstklassiger Piloten geprägten Grand Prix gelang dem viermaligen Formel-1-Weltmeister ein kaum für möglich gehaltener Sprung vom letzten Startplatz auf das Podium. Nur der Niederländer Max Verstappen kam wenige Sekunden vor dem Hessen als Erster ins Ziel. Dritter wurde Daniel Kwiat im Toro Rosso. Weltmeister Lewis Hamilton belegte wegen einiger Fahrfehler nur Platz neun. Nico Hülkenberg verdarb sich die Aussicht auf Rang zwei, als er mit seinem Renault ins Kiesbett rutschte. „Es hat Spaß gemacht. Es war sehr schwierig“, sagte Vettel freudestrahlend, „ich weiß gar nicht, was alles passiert ist. Irre. Das muss ich mir in Ruhe anschauen.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Regen bringt Segen. Das gilt nicht nur für die ausgetrocknete Flora. Am Sonntag bescherte der ersehnte Guss auf Hockenheim auch der Formel 1 eine Erfrischung, nach der sie so dürstet. Erst nach ein paar Testrunden hinter dem Sicherheitsfahrzeug durften sich die Piloten zum Start aufstellen. Mit zur Sicherheit verordneten Regenreifen. In dieser Saison hatte es noch keinen Grand Prix im Nassen gegeben. Die Fahrer hatten keine Erfahrung, wie ihre Boliden reagieren und wie die neuen Reifen wirken würden.

          Verstappen kam von Rang drei erst kaum in die Gänge, Vettel vom letzten Rang dagegen gleich an fünf Kollegen vorbei. Nur Sergio Perez im Racing Point konnte seinen Renner nicht auf der Piste halten, prallte in die Streckenbegrenzung. Das Ausrücken des Sicherheitsfahrzeuges nutzte Vettel als Erster zum Wechsel auf Intermediates, Pneus, die auf einer abtrocknenden Strecke einen Zeitensprung erlauben. Ein Risiko. Aber was hatte der Heppenheimer denn zu verlieren nach dem Desaster am Samstag?

          Formel 1

          Mitleid. Schlimmer kann es ein Formel-1-Team an einem unfallfreien Tag kaum erwischen. Als Ferraris Ingenieure während des Qualifikationstrainings am Samstag nach Vettels Dienstwagen auch den von Charles Leclerc stilllegen mussten, rührte sich die Konkurrenz. Mama Mia, die Armen! Vettel schuldlos auf dem letzten Rang, der junge Monegasse auf Platz zehn. Zwei unterschiedliche Defekte erhöhten die Zahl der Pannen in diesem Jahr auf vier von außen erkennbare. Da blieb nur die Hoffnung auf die Launen der Natur, auf Regen, vor allem wechselnde Bedingungen.

          Ein Wettkampf nach dem Geschmack der Besten am Lenkrad: wenn es darum geht, sich in Windeseile anzupassen. Vettel sauste mit dieser Fähigkeit auf den siebten Rang, ehe die erste Sturm- und Drangphase hinter seinem ehemaligen Teamkollegen Kimi Räikkönen (nun im Alfa-Sauber) auf Rang sieben gebremst wurde. Wie das? Der Finne fährt auch einen Ferrari-Antrieb. Und Vettel meldete „komische Geräusche“ an die Kommandozentrale von Ferrari. Die nächste Panne? Nicht doch. Aber die Diskussionen über Funk dauerten an. Weil mit abtrocknender Strecke die nächste heikle Entscheidung anstand: Auf profillose Reifen wechseln.

          Formel 1

          Warum nicht, wenn doch an Räikkönen kein Weg vorbeiführte und weit vorne Hamilton souverän vor Valtteri Bottas im zweiten Silberpfeil (8,4 Sekunden zurück), Verstappen und Leclerc führte? „Es war schwer, die Bedingungen einzuschätzen. Ich habe mich an den Zuschauern orientiert“, erzählte Vettel: „Als ich keine Regenschirme mehr sah, wurde es Zeit.“ In der 24. von 64 Runden wechselte Vettel auf die „Trockenreifen“. Nicht jeder traute sich so früh an diese Schlitterpartie auf feuchtem Asphalt. Verstappen schon. Im nächsten Moment drehte er sich um 360 Grad. Glück gehabt. Oder nur die falsche Gummimischung? „Warum habt ihr mir nicht die weichen gegeben?“, rief der Niederländer über Funk. Zur Pirouette kam kein Schaden. Er blieb Dritter.

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